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Der Israelit · 1896-07-27 · Heft 60 (27.7.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 60 (27.7.1896)
Date
1896-07-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1151 26, Großherzogthum Hessen 4, Königreich Sachsen, Württemberg, Sachsen-Meiningen, Elsaß-Lothringen je 1. Alle bis auf zwei werden im Anstaltsgebäude zu Diez erzogen und besuchen die dortige Volksschule. Der Religionsunterricht wird in der Anstatt selbst erthcilt und von Herrn Bezirksrabbiner Dr. ^Weingarten zu Ems in anerkennender Weise überwacht. Mit Schluß des Schuljahrs (April) traten 4 Zöglinge aus der Anstalt aus, von denen zwei in Warengeschäfte eintraten; zwei, die bei Schneidermeistern in Diez in die Lehre kamen, erhalten ferner Kost und Wohnung in der Anstalt. Dagegen haben wir sieben neue Zöglinge ausgenommen. Schon lange war es unsere Absicht, ausgesprochenen Wünschen aus dem Publikum durch llebcrnahmc von Leistungen, wie sie andere jüdische Waisen- und Wohlthätigkeitsanstalten bieten, entgegenzukommen. Vielen kinderlosen Leuten ist es ja Herzenswunsch, daß nach ihrem Dahinscheiden das Trauerjahr und der Jahrestag nicht vorübergehe, ohne daß ein Mund ihnen das Kadisch nachsagc. Bis jetzt waren wir nicht imstande derartige Leistungen zu übernehmen, da uns die Anzahl der erwachsenen Knaben fehlte, wie sie eine Gebeiversammlung verlangt. Durch die größere Frequenz unserer Anstalt und die Einrichtung, daß wir Zöglinge auch nach ihrem Austritt aus der Schule noch unter unserer Aufsicht im Hause behalten, ist es uns jetzt ermöglicht worden im Hause selbst einen regelmäßigen Morgen- und Abendgottesdienst abzuhalten, zu welchem uns Herr Leop. Mainz in Frankfurt a. M. eine schöne Thorarolle mit den dazu gehörigen Utensilien leihweise überwiesen hat, wofür ihm hier unser Dank gesagt sei. So sind wir also in den Stand gesetzt, Verpflichtungen zum Kadisch sagen zu übernehmen, und wir dürfen wohl die Erwartung aussprechen, daß mancher sich bei uns in dieser Weise ein ewiges Andenken zu stiften, bereit sein wird. Wir haben bereits im vorjährigen Berichte davon Mittheilung gemacht, daß Herr Alphons Jacobson in Leipzig uns zum Ankauf eines Gartenstücks eine Summe zur Verfügung gestellt hat, um zum ehrenden Andenken des ehemal. Vorstandsmitglied unsres „Kinderheims", des sel. Herrn Ferd. (Hamburg, einen Garten anzulegen, der dessen Namen tragen soll. Wir können jetzt nlittheilen, daß der Garten angekauft und feiner Bestinrmung, vornehmlich größer» Raum für die Ucbung unserer Zöglinge in der Gartenarbeit zu gewinnen, übergeben worden ist. Die Einnahmen betrugen 40678 Mk., die bis auf 3746 Mk. verausgabt wurden. O e st e r r. - N n g a r. M o n a r ch i e. Budapest. (Ein ungarischer Bischof über die Juden und den Antisemitismus.) Der evangelisch reformirte Bischof Karl Szüß weilte dieser Tage behufs Einweihung einer Kirche in der südungarischen Stadt O-Becse. Aus diesem Anlasse hat der ob seiner Toleranz rühmlichst bekannte Kirchenfiirst noch vor der Einweihung die dortige Synagoge besucht. In Erwiderung der an ihn gerichteten Ansprache des israelitischen Cultusgemcinde-Präses sagte der liberale Bischof unter Anderem Folgendes: „Mit großer und selbstbewußter Freude kann ich es sagen, daß an der Reception der jüdischen Religion auch ich einen Antheil habe. Aber noch lange vor der Reception gab es eine Zeit, in tvelcher eine aussätzige Krankheit den Frieden unseres Vaterlandes störte, und diese aussätzige Krankheit ist der sogenannte Antisemitismus. In dieser sehr kritischen Zeit habe ich selbst die 300 Eultusgemeinden meiner Confession bereist, dieselben mahnend und warnend, der Verbreitung dieses aussätzigen Nebels keine hilfreiche Hand zu bieten, und ich kann es mit Freude sagen, daß keine einzige Gemeinde meiner Diöccse den Antisemitismus unterstützte. Mit Freude that ich dies im Interesse der vaterländischen Judenheit, weil ich wahrhaftig davon überzeugt bin, daß die hierländischen Juden betreffs der Vaterlandsliebe und der Cultur jeder Confession als Musterbild dienen können." Schweiz. Aus ver Schweiz. Seit dem Verbot des Schächtens bezieht die jüdische Bevölkerung der Schweiz das Fleisch aus den Nachbarstaaten. Durch einen vorzüglich organisirten Versandt werden sämmtliche jtidischen Gemeinden der Schweiz drei- bis viermal wöchentlich mit frischem Fleisch versorgt. Selbstverständlich, so theilt uns die „Jüdische Volkszeitung", mit, bcburftc es hierzu bedeutender finanzieller Opfer. Während sich die jährliche Mehrausgabe für Basel, das seitdem nur prima deutsche Waare bezogen hat, aus rund 4",«"u> Fr. beziffert, oder bei 25«> Familien auf 1.6>> Fr. für jede, beträgt solche für die Eentralschweiz 120 Fr.; für die wenigen in Frage kommenden Gemeinden der französischen Schweiz und des Berner Jura, die theilweise ebenfalls über Basel, theilweise aus dem Savoyischen sich versorgen, etwa 133 Franken. B u l g a r i e n. Sofia, 2!. Juli. Die Entscheidung des Minnisteriums ist nunmehr erfolgt und lautet, wie der Ministerpräsident Dr. Stoilow bcu Leitern der spagnolischen Gemeinde mittheilte, dahin, daß weitere 46 Meter der Kirche zugesprochen werden und — matt höre! — daß in dem Hause keinesfalls ein jüdischer Betsaal errichtet werden dürfe, „weil dies die Enipfindungen der Rechtgläubigen verletze." Abgesehen von der nanrhaften Vermögensschädigung, welche für die jüdische Gemeinde eine jährliche

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