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Der Israelit · 1896-07-27 · Heft 60 (27.7.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 60 (27.7.1896)
Date
1896-07-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1150 vielleicht besser um unsere gefährdete, soziale Stellung stehen, wenn wir jene alte Weisung noch heute, und vielleicht heute mehr als je, die gebührende Würdigung entgegen zu bringen uns entschlössen!! Wie aber die Kinder unserer Zeit auch darüber denken mögen, sie dürfen sich nicht wundern, wenn der Thorageist sich nicht bei ihnen heimisch fühlt, wenn die Aneignung der Thora so schwer fällt, so lange Vergrößerung und Ausdehnung des Geschäfts die Parole des Tages bleibt, während die Weisheit der Väter, „Einschränkung des Geschäftes" für Erlangung der Thora als unerläßliche Vorbedingung erklärt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfporrdenzerr. Deutschland. Berlin. Am Mittwoch 8. Juli, besuchten 20 Knaben der jüdischen Knabenschule unter Leitung ihres Lehrers Herrn Weber die Gewerbe-Ausstellung, sowie Kairo mit der Spezial-Ausstellung Palästina. Dieser Ausflug ist ermöglicht worden, durch die Freigebigkeit des Vereins „Jung Israels", der der jüdischen Knaben- und Mädchenschule der Gemeinde, sowie der Religionsschule von Adaß Jisroel je 40 Billets zur Ausstellung, zu Kairo, Stadtbahnbillets h. zur Verfügung gestellt hatte. Die Herren Direktoren Holzmann, Meier und Hildesheimer nahmen das Anerbieten für ihre Schulen dankend an, nur Herr Dr. Adler lehnte es ab, mit dem Hinweis auf die nahen Ferien, obwohl doch diese gerade passendere Gelegenlegenheit geboten hätten, einen solchen Ausflug zu veranstalten, als die Schulzeit. Da indeß der Verein „Jung Israel" sein Geschenk auch für den August ausrecht erhält, wird Herr Dr. Adler wohl nach Wiederbeginn der Schule davon Gebrauch machen. Die Kinder erhielten in der Palästina-Ausstellung ein Glas guten Weines und ein Album mit Ansichten aus dem heiligen Lande. Dem Verein „Jung Israel" gebührt für seine Initiative in dieser guten Sache der Dank der Kinder, wie aller Freunde derselben; hoffentlich findet sein Beispiel viele Nachahmer. Berlin. Am 10. Juli sprach hier in einer Versammlung, in der außer 200 Christen auch viele Juden anwesend waren, der Propst Faltin aus Hischinew über seine Missionserfolge bei den Juden der dortigen Gegend. Seine Ausführungen nach dieser Richtung boten nichts Neues, wohl aber verdient hervorgehoben zu werden, was er von den dortigen Juden sagte. Nach seiner Auffassung seien in seinem Sprengel 75OO0 Juden in 430 Ortschaften und zwar seien diese meistens arm, trieben daher Ackerbau und Handwerk, sie boten daher ein ganz anderes Bild als ihre Stammesgenoffen in Deutschland. Er habe bisher 276 Juden getauft, von denen 5 Geistliche geworden seien, einer Reiseprediger und einige Missionäre. Diese Getauften „bezeichnenderweise sind dies meist Arme", werden aber der Taufe halber von ihren Familien verstoßen und von allen Juden boykottirt. Köln, 21, Juli. Von echtem Bürgersinn, welcher keine Schranken von Confession und Stand kennt, besonders wenn es gilt, bürgerliches Verdienst zu ehren, zeugt so recht der prächtige Verlauf des Festes, welches die Nachbarschaft den an der Severinstrnße wohnenden Eheleuten Aron Voß, gen. Leib, und seiner Ehefrau Henriette, geb. Leudesdorff, zu deren bOjährigem Ehejubiläum veranstaltet hat. Zur Vorbereitung der Festlichkeit hatte sich ein Comite gebildet, welches zunächst die Ausschmückung der Severinstraße in die Hand nahm. Von dem Garten des Friedrich-Wilhelm-GymnasiumS bis zur Kirche St. Johann ist die Straße durch Laubguirlanden in eine einzige Halle verwandelt; Fahnen, Embleme und Hunderte von Lampions vervollständigen den heitern Festschmuck. Gestern Abend begann die Feier mit einer wirkungsvollen Serenade, welche vom Männergesangverein Liederkranz und dem Musikverein Ossian vor dem Hause der Jubilare dargebracht wurde. Während derselben wogte eine vieltausendköpfige Menschenmenge durch die im Lichte der unzähligen Lampions erstrahlende Straße. Anschließend an diese Ehrung fand sodann im Gertrudensaale des Herrn Stauff ein Sommers statt, welcher ebenfalls durch prächtige Spenden des Liederkranz und des Ossian verschönert wurde. Eine Reihe von jubelnd aufgenommenen Toasten trug das ihrige zur Hebung der Stimmung bei. Von allen Rednern wurde sowohl der Beliebtheit Ausdruck gegeben, deren sich das gefeierte Ehepar infolge seines Biedersinns allgemein erfreut, als auch besonders der bei diesem Feste so herzerquickend zutage getretenen confessionellen Duldsamkeit. Es war längst Mitternacht vorüber, als sich die letzten Theilnehmer an dem glänzend verlaufenen Commerse trennten. Heute Vormittag um 1/210 Uhr begaben sich 5 Herren des Comites zu dem Jubelpaare, um demselben einen prachtvollen goldenen Kranz mit Widmung zu überreichen; später erschien bei ihnen eine Deputation der Kölner Fleischerinnung, welche Herrn Voß ein künstlerisch ausgeführtes Diplom über seine aus Anlaß des Jubelfestes erfolgte Ernennung zum Ehrenmitgliede der Innung überbrachte. Diez a. d. L. Dem Jahres-Bericht des Deutsch-Israelitischen Kinderheim (Verein zur Erziehung israelitischer Waisen und Kinder unbemittelter Eltern aus dem Deutschen Reich), für das Jahr 1895, entnehmen wir: Während des Schuljahres 1895/96 zählte das „Kinderheim" 34 Zöglinge, die sich folgendermaßen über das Deutsche Reich vertheilen: Preußen

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