Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 59 (23.7.1896)
- Date
- 1896-07-23
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JLIItffiJH >SWWWSMWMWWW?Wff' 5WWBWWMS 1187 “-'-5! "1 ungebildeter, von ihr nicht geprüfter Elemente interveniren würde. Redner kommt bei dieser Gelegenheit aus die Verhandlungen des Delegirtentages zurück; es sei kaum glaublich, welche mittelalterlichen Anschauungen in pädagogischer Beziehung von einzelnen Herren Doktoren dort vertreten worden seien, und wie sehr diese eine feindliche Stellung dem Lehrerstande gegenüber eingenommen hätten. Schon das Wort, es dürfe kein Unterschied gemacht werden zwischen staatlich geprüften und nicht geprüften Lehrern, sei eine Beleidigung des Lehrerstandes. Man würde doch durch den Umstand, daß man einen Gemeinde-Kontrakt in Händen habe, laut welchen man Unterricht in der Religion und im Hebräischen ertheilen müsse, noch nicht zum Lehrer, und es sei doch eine Perfidie, von einem strebsamen Lehrer zu verlangen, seine Interessen mit denen eines solchen „Auch-Kollegen," zu indcntifiziren. Gewiß gebe es auch unter diesen Elementen solche, die nach einer langen Reihe von Jahren sich nunmehr in das Lehrfach ganz vorzüglich eingearbeitet hätten, diese Ausnahmen von der Regel könnten durchaus nichts beweisen. Nun könne man wiederum jene Hunderte von nicht geprüften Elementen aus dem Lehrfach nicht plötzlich hinausdrängen, und dadurch zahllose, wenn auch nur dürftige Existenzen ruiniren; allein es müsse diesem Treiben ein Ende gemacht werden und unter allen Umständen das weitere Eindringen ungebi'deter Elemente in das Lehrfach vermieden werden. Auch dadurch sei eine Grundlage zu schaffen, um auf staatlichem Wege definitive Anstellung mit ihren Conscqu nzm zu erzielen. Das Gesetz gebe auch hierzu eine Handhabe, sowohl das Judengesetz von 1847 als auch einzelne ministerielle Verfügungen, welche Redner verliest, gebieten ausdrücklich, daß an den von den Gemeinden unterhaltenen Religionsschulen nur solche Personen unterrichten dürfen, welche vom Staate zur Ausübung des Berufs eines Elementarlehrers die Erlaubniß haben. Der Verbandsvorftand solle darum an das Kultusministerium petitioniren, daß bei Neubesetzungen von Religionslehrerstellen den Gemeinden nur die Anstellung staatlich geprüfter Lehrer gestattet würde. Die Erreichung dieses Zieles käme auch den materiellen Interessen der Lehrer zu Gute; augenblicklich herrsche bei den Vakanzen ein unlauterer Wettbewerb. Längst schon hätten die Gemeinden, angesichts des fühlbaren Mangels an Lehrkräften, die Gehälter erhöhen müssen, wenn nicht das Angebot der nicht geprüften Elemente ein so großes wäre. Zur Zeit dürfe eine Gemeinde eine Vacanz mit noch so niedrigem Einkommen ausschreiben, sie sei sicher, mit Meldungen solcher Herren überschüttet zu werden. Redner schildert noch eine ganze Reihe von Mißständen, welche durch das immerwährende Eindringen beruflich nicht vorgebildeter Elemente in das Lehrfach hervorgerufen werden und unterbreitet der Versammlung schließlich eine Resolution und mehrere Anträge. Er bittet um eine sachgemäße Prüfung derselben, frei von persönlichen Interessen und Leidenschaftlichkeit, damit das Resultat der Berathung dem jüdischen Schulwesen und somit dem gesammten Judenthum zum Segen gereiche. (Lautes Bravo. Anhaltender, begeisterter Beifall!) — Der Vorsitzende dankt im Namen des Vereins und stellt das Referat zur Diskussion. Horwitz—Dessau ist gegen eine Diskussion, da die Sache spruchreif sei und wünscht die vorgeschlagenen Thesen ohne Veränderung anzunehmen, derselben Meinung ist Herr Dr. Salz b erg er— Erfurt. Dagegen wünscht Herr Dr. Spanier—Magdeburg redaktionelle Aenderungen, und beantragt deshalb der Referent Einzelberathung der Theken. Ueber Form und Inhalt einzelner Leitsätze, besonders 2b und 3 entsteht eine sehr lebhafte Aussprache, an welcher sich die Herren Dr. Feßler- Halle, Dr. Spanier—Magdeburg, Dr. Salzberger—Erfurt, Ellgutter—Plauen, Dr. Freudemhal—Dessau, Rosenberg— Halle, der Referent und der Unterzeichnete betheiligen. Sämmt- : liche Redner sind im Prinzip mit dem Referenten einver-? standen, nur erregt vor allem die Anrufung um Staats- | hülfe bei Herrn Dr. Feßler Bedenken, dem wird jedoch von J Herrn Dr. Salzberger widersprochen. Schließlich wird auf Antrag des Vorsitzenden die Debatte geschlossen und werden die von dem Referenten vorgelegten Leitsätze und Anträge - mit einigen unwesentlichen Veränderungen in folgender Form angenommen: ' 1. Der Verein isr. Lehrer Mitteldeutschlands erachtet j die gegenwärtige soziale und materielle Lage der jüdischen Lehrer in vielen Gemeinden Deutschlands als des Lehrerstandes unwürdig. 2. Er hält im Interesse einer gedeihlichen Entwickelung der jüdischen Volks- und Religionsschule und ihrer Lehrer die Erreichung folgender Ziele für durchaus nothwendig: a) Anstellung nur staatlich geprüfter Lehrer, b) definitive Anstellung nach längstens dreijähriger Amtsführung, v) eine den örtlichen Verhältnissen entsprechende Be- ' soldung mit Alterszulagen. Pensionsberechtigung und Versorgung der Hinterbliebenen. Zur Erreichung dieser Ziele richtet der Verein an den t Vorstand des Verbandes der Mischen Lehreroereine folgende Anträge; g 1. Der Vorstand wolle baldigst eine Petition an die « preußische Regierung event. auch an die einzelnen Bundes- Ü regierungen richten des Inhalts: „Die Regierung möge bei jj Neuanstellungen den Gemeinden untersagen, die Erthettung $ des Religionsunterrichtes nicht staatlich geprüften Lehrern zu! übertragen." \ 2) Er wolle ferner aus sämmtlichen jüdischen Gemein- \ den statistisches Material sammeln über die AnstellungS- 1 und Besoldungsverhältnisse ihrer Lehrer. j 3. Er wolle sodann den Gemeinden ein Memorandum j über die Unzulänglichkeit dieser Verhältnisse unterbreiten und \ am Schlüsse desselben die Forderung erheben, daß diejenigen ,< Gemeinden, deren Etat in Einnahme und Ausgabe auf ] mindestens 5000 Mk. balancirt, den Forderungen 2d und c ) aus eigenem Antriebe gerecht werden. 4. Er wolle schließlich mit dem Gemeindebund in Berathung treten, auf welche Weise eine Kasse zu schaffen sei. i mittelst welcher auch den Ansprüchen der an unbemittelten j Gemeinden angestellten Lehrer genügt werden kann. — Hör- - w i tz—Dessau beantragt, eine Kommission aus dem Verein j zu wählen, erschienene Schulbücher zu prüfen und darüber j zu referieren. Nach kurzer Aussprache zwischen dem Antrag- | steller und Herrn Dr. Salzberger wird der Antrag Horwitz i seitens der Versammlung angenommen und zu Kommissionsj Mitgliedern die Herren Dr. Spanier, Horwitz, Hellbronn j vorgeschlagen und gewählt. Als nächster Konferenzort wird Gotha in Aussicht genommen, Referate übernehmen die I Herren Dr. Feßler—Halle, Röthler—Gotha, Frank—Halle. j Der Herr Vorsitzende übermittelt der Versammlung noch die! Grüße des Verbandsvorsitzenden und schließt mit einem bel geisterten Hoch auf Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II., in { welches die Versammluug, die sich von den Plätzen erhoben hat, jubelnd einstimmt. Nachdem die Versammlung no tz auf Veranlassung des He rn Dr. Feßler der Gemeinde Halle und, auf Veranlassung des Herrn Steinhardt der Germania—Loge Dank durch Er^ heben von den Plätzen Ausdruck gegeben, und die Herren Delegirten ihre Anerkennung für den Gang der Verhandlungen, an welchem sie mit regem Interesse theilgenommen, in ehrenden Worten bekunden, schließt der Herr Vorsitzende die Konferenz 123/4 Uhr Nachmittags. S. Sommerfeld, Chemnitz.