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Der Israelit · 1896-07-23 · Heft 59 (23.7.1896) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 59 (23.7.1896)
Date
1896-07-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1136 I den Vordergrund gedrängt; in Wahrheit habe es sich dabei aber um Vertretung der Interessen Anderer oder um Befriedigung persönlichen Ehrgeizes gehandelt Die Lehrer möchten doch solchen neuen Gründungen gegenüber sich vorsichtiger verhalten; der Fall „Ahawas Achim" gebe in dieser Beziehung reichlich zu denken. Die Versammlung folgte diesen Ausführungen mit gespanntester Aufmerksanrkeit und erhob sich zu Ehren ihres Delegirten und zum Zeichen des Dankes für den gediegenen Bericht von den Plätzen; gleichzeitig wählten sie denselben von neuem zum Vertreter für einen zweiten Delegirtentag — Ellgutter-Selum vertheidigt die Ziele des Reichsverbandes, dessen Mitglied er ist; dieselben werden ober von Steinhardt— M. und Horwitz—Dessau als einseitig geschildert. Es folgen nun Kassenbericht und einige Beschlüsse, innere Angelegenheiten des Vereins betretend. Die Tagesordnung ist somit erledigt und wird die nächste auf morgen früh 8llt Uhr festgesetzt. Versammlung vom 28. Mai. Der Vorsitzende eröffnet die Versammlung 83/4 Uhr Vormittags und ertheilt das Wort Herrn Nöthler—Gotha. Vorlesung des Referats des durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Lehrers Baumgart—Stadtlengsfeld über das Thema: „Schulfeiern und Schulandachten." Der Religionsunterricht, so führte das Referat unter anderem aus, unterscheidet sich dadurch von den anderen Disziplinen der Volksschule, daß es darauf ankommt, das kindliche Gefübl und Gemüth anzuregen, zu erwärmen, zu begeistern. Nicht trockene Wissensdarbietung vermag ihren Zweck zu erfüllen, sondern eine stetige, unbewußt auf das Seelenleben des Kindes einwirkende Behandlung des Stoffes ist durchaus unerläßlich, soll das wahre Ziel des Religions-Unterrichtes das Kind für die angestammte Religion zu begeistern, erreicht werden. Der Religions-Unterricht verlangt deshalb pä agogische, methodische Behandlung und muß darum das Streben der israel. Lehrer darauf gerichtet sein, die Errungenschaften der wissenschaftlichen Pädagogik auch für den israel. Religions-Unterricht nutzbar zu machen. Außerdem aber muß der Religionslehrer darauf bedacht sein, auf Mittel und Wege zu sinnen, die «sind. Jnterresse zu erwecken bei Schülern und Eltern. che Mittel empfiehlt der Referent die Erweiterung der ständigen Andacht am Beginn des Unterrichts, insbesondere bei verschiedenen religiösen Veranlassungen und die Abhaltung geeigneter Schulfeiern während des Schuljahres. Hierdurch gewinnt das Leoen in der Religionsschule religiös erziehende Momente, die das Jnterresse der Schüler und Elt rn wach rufen. — Mit größter Spannung folgte die Versammlung dem gedankenreichen Vortrage und spendete reichen Bestall de n Verfasser und dankte dem Vortragenden, daß er durch sein Entgegenkommen der Versammlung die Kenntnißnahme des Referates ermöglicht hat. Trotz der Abwesenheit des Referenten glaubt sich die Versammlung berechtigt, in eine Besprechung über den Vortrag einzutreten, und bethelligen sich an der anregenden und interressanten Debatte die Herren Rabbiner Dr. Feßler—Halle, Dr. Salzberger—Erfurt, Dr. Salzer—Stadtlengsfeld und die Herren Kollegen Stern—Halberstadt, Röthler—Gotha, Hofmann— Themar, Holländer—Berkach, Horwitz—Dessau und der Unterzeichnete. Wenn auch sämmtliche Forderungen des Referats in der Religionsschule bei ihrer beschränkten Zeit kaum zur Ausführung gelangen können, so sind doch alle Redner im Prinzip mit dem Referenten einverstanden. Die Versammlung schließt sich deshalb folgender Resolution, vom Unterzeichneten beantragt, einstimmig an. Die Versammlung nimmt dankend Kenntniß von dem gedankenreichen Vortrage und erblickt in den „Schulandachten und Schulfeiern" brauchbare Fingerzeige zu einer gedeihlichen Wechselbeziehung zwischen Religionsschule und Elternhaus." Darauf referirt S t e i n h a r d t—Magdeburg über das vom Vorstande des Verbandes vorgeschlagene Thema: Auf welche Weise läßt sich am besten und schnellsten die Forderung des Leitsatzes C h des Verbandes, betr. die lebenslängliche Anstellung sämmtlicher jüd. Lehrer, ihre Pensionirung und die Versorgung ihrer Hinterbliebenen auf gesetzlichem Wege erfüllen resp. welche Grundlagen sind zur Herbeiführung dieser Forderungen nothwendig? Dieser Gegenstand, führt Redner aus, sei spcciell in diesem Verein, der sich aus verschiedenen Landestheilen zusammensetze, schwierig zu behandeln, da sowohl die Schulals auch die Judengesetzgebung nicht Sache des Reiches, sondern der Einzelstaaten sei. Er wolle speciell die Verhältnisse Altpreußens in's Auge fassen. Hier sei seit reichlich einem Jahrhundert für die materielle und sociale Besserung des jüd. Lehrers so gut wie nichts geschehen. Ueber die Stellung des jüd. Lehrers hätten die Gemeinden heute noch vielfach dieselbe Auffassung, wie man sie vom Bachur aus dem Cheder des vorigen Jahrhunderts gehabt hätte. Es sei auch zweifelhaft, ob auf dem Wege der Petition von Seiten der Regierung etwas zu erhoffen sei; wenigstens halte es Redner für ausgeschlossen, daß, solange das Judengesetz von 1847 bestehe, die Negierung sich jemals in diese Privatangelegenheiten der jüd. Gemeindeverwaltung mischen würde. Man müsse denn schon in einer Eingabe an das Ministerium und an das Abgeordnetenhaus um Revision dieses veralteten Gesetzes petitioniren. Das aber sei angesichts der vorherrschenden antisemitischen Strömung unter Umständen eine zweischneidige Waffe, von der nur im äußersten Nothfalle Gebrauch zu machen sei. Es sei zunächst wohl der richtigere Weg, den Gemeinden die Hand zur Verständigung zu bieten. Der Vorstand des Verbandes solle statistisches Material von sämmtlichen jüd. Lehrern und aus sämmtlichen Gemeinden Deutschlands über Anstellungs- und Besoldungsverhältnisse der jüd. Lehrer sammeln. Diese Statistik würde Dinge zu Tage fördern, die von den Gemeinden nicht mit Stillschweigen übergangen werden könnten. Alsdann solle den Gemeinden ein Memorandum über diese unzulänglichen Verhältnisse unterbreitet, und schließlich an die Gemeinden die Forderung gestellt werden, daß diejenigen, deren Etat in Einnahme und Ausgabe auf mindestens 5000 M. balancirt, ihre Lehrer definitiv mit Alterszulagen, Pensionsberechtigung und Relictenversorgung ein stellen sollen. Auch sei mit dem Gemeindebund in Berathung zu treten, auf welche Weise eine Pensionskafse zu schaffen sei. die auch den Ansprüchen der an kleinen Gemeinden angestellten Lehrer gerecht würde. Sollten aber die Gemeinden diese Forderung ablehnen und somit die Hand, die zum Frieden geboten, zurückweisen, so bliebe allerdings nur der Weg zum Kampfe offen. Dann hieße es, mit Hilfe der Presse das gesammelte statistische Material der breiten Oeffentlichkeit übergeben und an das Ministerium, sowie an die beiden Abgeordnetenhäuser um Remsion des Judengesitzes von 1847 petitioniren. Die Gemeinden treffe alsdann die Verantwortung für etwaige unangenehme Wendung der Dinge, die preußische Regierung könne sich aber unmöglich auf die Dauer dazu verstehen, die von ihr geprüften jüd. Lehrer der Roth und dem Elend zu überlassen. Auf den zweiten Theil des Themas übergehend, bedauert Redner, daß die verschiedenen Grundlagen durchaus ungenügende seien. Hier gebe es eine brennende Frage, die nicht gut zu umgehen sei. Redner sei sich bewußt, in ein offenes Wespennest hinein zu greifen, doch könne ihn das nicht zurückhalten, im Interesse der Schule und des Lehrerstandes ein offenes Wort zu reden. Wolle man Gleichstellung der jüd. Lehrer mit den christlichen erzielen, so dürfe es nur staatlich geprüfte Lehrer geben; es sei undenkbar, daß die Regierung den Gemeinden gegenüber zu Gunsten

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