Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 59 (23.7.1896)
- Date
- 1896-07-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1130 statt und der Oberrabbiner Salant sandte ein Glückwunschtelegramm durch das russische Consulat an den Czaren. Darauf erhielt der russische Consul vom Fürsten Lobanoff die Antwort: „Sprechet dem Oberrabbiner Salant den Dank Sr. Majestät für seine guten Wünsche aus." Literarische Notiz. Der literarische Bericht Ihres Herrn 8-Correspondenten in Nr. 53 Ihrer geschätzten Zeitschrift über das von Herrn Dr. Dünner in Amsterdam verfaßte ncc — welches mir, wie ich vorausschicke, nicht vorliegt — giebt mir zu solgenden Bemerkungen Veranlassung; Mit dem Verfasser des erwähnten Berichtes stimme ich darin vollkommen überein, daß die Forschung auf talmudischem Gebiete nicht blos gestattet, sondern auch Pflicht jedes Befähigten ist. Allein auch eine Grenze ist dieser Art von Forschung gesetzt, wie wohl jeder Sachkundige einräumen wird. Von diesem Gesichtspunkte aus darf der maßgebenden Beurtheilung der Fachmänner überlassen bleiben, eine Talmudforschung, die zu dem seltsamen Resultate führt, daß einer twe eine richtigere Erklärung gegeben werden muß, als die ihr von der xnej ertheilten. Kommen wir zur Sache. Herr Dr. Dünner glaubt den in der nrn njera xua h aufgestellten Satz: mi:en nx pspn px dahin verstehen zu müssen, daß man am et ebensowenig wie am rav Licht angünben darf. Zwar handelt es sich hier nur um die uns nicht maßgebende Ansicht ’xotp jto, dennoch aber dürfte die Auffassung dieser Stelle uns nicht gleichgiltig sein; hat ja doch auch der Talmud unmittelbar vorher sich bemüht, die Ansicht des 'xrrw rva kennen zu lernen. Nach der Auffassung des Herrn Dr. Dünner gestattet also trs das Lichtanzünden ETa nicht. Dem steht aber entgegen, daß '"sn in nain m : rra n rav und ebenso rwa n^n m;r'5 "i das Lichtanzünden als tre^aix-jmai erklärt. Herr Dr. Dünner wird freilich als Kritikus vor nri noch viel weniger zurücktreten als vor xrn (n x:v'3 na. Führen wir also den gesunden Menschenverstand ins Feld: Dieses Verbot des Lichtanzündens würde für sra zur Folge haben, daß sie an einem rotr, der unmittelbar auf einen et folgt, im Finstern sitzen müßten. Ein etwaiger p^tsori amn? müßte wirkungslos bleiben, weil ein solcher nur das für nat? herzurichten geftattet, was auch für et erlaubt ist, also nicht das Lichtanzünden, das ja Herrn Dr. Dünner zufolge für ira auch am et verboten ist. In einem solchen Falle müßten also die tp-a, wenn sie es nicht vorziehen, im Finstern nz& zu feiern, schon am Donnerstag oder gar schon Mittwoch die rian-Lichter anzünden. Sollte nun Herr Dr. Dünner behaupten, so sei es auch thatsächlich im Hause des 'xvir> geschehen, so wäre jene xrvna in t rora räthselhaft, die alle erschwerenden Seiten anführt, die tra dem p^npan arry geben und gerade diese xnisin übergeht? Ferner würde aus der von Herrn Dr. Dünner aufgestellten Behauptung folgen, daß *ra auch an den beiden unmittelbar auf rctr folgenden Nächten eines Er> ihre Wohnung nicht beleuchteten, wenn dies nicht schon am Freitag vorher geschehen war. Und dies Alles sollte der Talmud unerwähnt gelassen haben, trotz aller Sonderbarkeit? Nein, sondern nur der Erklärung des xaca na xron *n muß man beipflichten. Um jedoch nicht allzuviel Raum für meine Gegenkritik in Anspruch zu nehmen, will ich auf die weitere Besprechung des gedachten Berichts für heute verzichten. F. (Eine Reihe weiterer Zuschriften bctr. diesen Gegenstand folgen, sobald Raum vorhanden. Red. d. Israelit.) vermischtes. Berlin. Der fast verschollene Volksvertreter Ahlwardt betreibt in Amerika das Verlegergeschäft im Großen. Er zeigt in amerikanischen Blättern an, daß er Ende d. Mts. eine neue antisemitische Zeitung in englischer Sprache unter dem Mittel „The Anti-Jevv.“ (Der Anti-Jude» herausgeben werde. Wie aber böse Zungen behaupten wollen, bat Ahlwardt das Geld zur Blattgründung von einem Semiten ausgenommen. Soden, 14. Juli. Nach dem unlängst erschienenen Jahresbericht der Verwaltung der Kuranstalt für arme Israeliten Hierselbst sind die Bestrebungen des Verwaltungsrathcs darauf gerichtet, möglichst vielen Lungenleidenden Gelegenheit zu geben, durch eine zweckdienliche Kur Milderung oder Heilung ihrer schweren Leiden zu erzielen. Von Freifrau W. E. von Rothschild wurden in 1893 durch ein Geschenk von 50,000 M. die Mittel zur Verfügung gestellt, um über dem seitherigen Speisesaal neue Wohnräume — 12 Zimmer — bauen zu lassen. Auch in 1895 hat dieselbe 3000 M. zum Baufonds gegeben und ein Geschenk von 5000 M. gemacht. Die Ausgaben der Anstalt in 1895 betrugen 58,614 M, darunter belaufen sich diejenigen für die Haushaltung aus 20,248 M. und die für Arzt, Apotheke und Bäder 2134, für Erweiterungsbauten 7000 M. Unter den 150 Geschenken sind Beträge von 10,000 M., 5000 M>, 2000 und 1000 M., zusammen 24,623 M. Davon kommen 132 Geschenke auf Frankfurt und 28 auf Berlin, letztere sämmtlich unter je 100 M. — Von den 402 Jahresbeiträgen der 'tändigen Mitglieder sind 304 aus Frankfurt, 56 aus Berlin, 42 aus Darmstadt, Wiesbaden, Friedberg, Höchst (Herr B. S. Ettinghausen mit 25 M.) — Das Ehrenmitglied Herr W. A. W ein großer Wohlthäter der Anstalt, hat derselben am 2. Septbr. 1895 wieder 10,000 M. geschenkt. Der Vorland hat beschlossen, ihm im Anstaltsgebäude zum bleibenden Gedächtnisse eine Marmortasel mit entsprechender Inschrift zu widmen Im Laufe des Sommers 1695 fanden 199 Patienten unentgeltliche Aufnahme. In 18 Fällen wurden ausgezeichnete Erfolge erzielt, 89 Patienten machten gute Fortschritte, bei 76 Kranken war eine bedeutende Besserung zu bemerken und nur 16 Kranke mußten ungebessert entlassen werden. — Die Verpflegung in der Anstalt ist eine ausgezeichnete. Leitender Anstaltsarzt ist Herr Dr. med. Hughes.