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Der Israelit · 1896-07-23 · Heft 59 (23.7.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 59 (23.7.1896)
Date
1896-07-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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MW WWWWWWMWM-??'^' 1129 von 10,000 Gulden, ein Pappenstiel im Vergleichs den Summen, welche die Stadt, bestände die Gesellschaft nicht, für deren Zwecke aufwenden müßte. Im April des nächsten Jahres muß die Gesellschaft ein neues Heim bauen, da sie in Folge des Stadtbahnbaues aus ihrem bisherigen auf dem Stubenring vertrieben wird. Sie ist deshalb um die Erneuerung der bisherigen Unterstützung und einen städtischen Beitrag zu ihrem Hausbau im Betrage von 5000 G. bittlich geworden. Nun besteht aber unter einem Theil der Antisemiten seit langem ein tödtlicher Haß gegen die Rettungsgesellschaft, weil sich unter deren zahlreichen Angestellten auch einige jüdische Aerzte befinden. Herr Lueger und Genofien glauben jetzt endlich den Augenblick gekommen, ihr Müthchen an der Gesellschaft zu üben und sie unter ihr Parteijoch zu zwingen. Sie haben deren Ansuchen damit beantwortet, daß sie die Gewährung der erbetenen Geldmittel an die Bedingung knüpfen, daß fortan ein Drittel sämmtlicher Ausschußstellen der Gesellschaft sowie das Vorschlagsrecht für alle von der Gesellschaft anzustellenden Aerzte, Gehilfen u. s. w. der Stadtvertretung eingeräumt werden. Selbstverständlich ist damit lediglich beabsichtigt, die Rettungsgesellschast unter den beherrschenden Einfluß des Antisemitismus zu bringen. Es ist nicht daran zu denken, daß die Freiwillige Rettungsgesellschaft trotz der steten Geldverlegenheiten, in denen sie sich befindet, sich diesen beleidigenden Bedingungen unterwirft. Gelingt es ihr, deren jährlicher Ausgabenetat 70,000 fl, also das Siebenfache des städtischen Zuschusses beträgt, nicht, sich auf andere Weise zu helfen, dann dürfte sie sich wohl eher auflösen, als sich zu einem Werkzeuge in der Hano der Lueger und Genossen herabzuwürvigen. Bei der außerordentlichen, bestverdienten Volksbeliebtheit, deren die „allgegenwärtige" Freiwillige Rettungsgesellschaft sich in Wien erfreut, könnte ein solcher Ausgang den Anfang vom Ende der Volksthümlichkeit Luegers bedeuten, die ohnehin schon durch die Verleihung der städtischen Salvatormedaille an den Denunzianten Pfister einen Stoß erhalten hat. England. London. Die Besitzer der Aknen der „Jewish Kolonisation Association" hielten am 7. Juli eine Versammlung ab, um dieser Gesellschaft den nach dem Tode des Barons Hirsch nothwendig werdenden neuen Verwaltungsrath zu geben. An dieser Versammlung nahmen Theil die Herren: H. G. Lousada— London, Narcisse Leveu — Paris, Salomon Reinach— Paris, als bisherige Verwaltungsrathsmitglieder, ferner F. D. Mocatta, Georges Kohn, als Aktionäre endlich für die Gemeinden von Brüssel Frau Philippsen, von Berlin Dr. Lachmann, von Frankfurt Rechtsanwalt Julius Plotke und für die Anglo Jewish Astociation Claude G. Montefiore und Leopold Schloß. Nicht stimmberechtigt waren die Anwesenden Dr. Sonnenfeld und Adler als Administratoren und Dr. Schwarzfeld als Sekretär der Gesellschaft. Nachdem der Vorsitzende, Dr. Lousada, dem Baron Hirsch ein tief empfundenes Wort des Andenkens gewidmet, und dann einen Ueberblick über den Stand der Gesellschaft gegeben hatte, wurde auf seinen Vorschlag die Wahl eines neuen Verwaltungsrathes beschlossen. Derselbe ist für eine Periode von 5 Jahren, zusammengesetzt aus den Herren: H. S. Goldschmidt, Narciffe Leveu, und Salomon Reinach in Paris und die Herren Alfred Louis Cohen und H. G. Lousada in London. Durch eine Aenderung der Statuten wurde noch festgestellt, daß jede Körperschaft, welche mehr als 3600 Aktien besitzt, berechtigt fein soll, einen Vertreter in den Verwaltungsrath zu entsenden. Die Gesellschaft hat bekanntlich bisher nur in Argentinien und Kannada kolonisirt. Gutem Vernehmen nach wird sie ihren Wirkungskreis in Zukunft erweitern und auch andere erprobte Kolonisationsgebiete in den Bereich ihrer Thätigkeit ziehen. Palästina. Jerusalem. Die Auslastung des neu erworbenen Grundstückes für die Evelina Rothschildschule an deren Vertreter ist nunmehr endgiltig erfolgt und hat der Umzug bereits stattgefunden. Derselbe wurde gefeiert mit einem Diner für 200 Arme, eine sehr schöne Form, das neue Haus einzuweihen. Die Jerusalemer Gemeinde hat Grund, sich zu dieser Veränderung zu gratuliren, denn abgesehen davon, daß die Mädchenschule ein ihrer würdiges Heim erhielt, kann sie durch die neuen Lokalitäten wesentlich vergrößert werden und wird dies zum Nutzen der Jerusalemer Juden auch zweifelsohne bald werden. Die türkische Regierung hat allen Schulen, deren Direktoren nicht Mohammedaner sind, verboten, mohammedanische Schüler aufzunehmen, eine Maßregel, die offenbar durch die Missionsschulen veranlaßt ist, und die wir andererseits nur gerne sehen können. Die wenigen mohammedanischen Kinder in unseren jüdischen Schulen verlangten und erhielten als Söhne oder Töchter sehr angesehener Persönlichkeiten, denn nur solche schicken ihre Kinder in die jüdischen Schulen, jederzeit besondere Rücksicht, und schädigten so die nöthige Disciplin. — Die große jüdische Bibliothek hat leider noch kein eigenes Haus, doch gelang es wenigstens, ihr ein neues größeres Heim zu miethen, wo sie einigermaßen würdig untergebracht ist. Hier fand auch kürzlich eine Trauerfeier für den Baron Hirsch statt, bei der Chacham Jacob Meier, sowie die Herren Luncz und Jellin hebräische Reden hielten. — Am Tage der Krönung des russischen Czaren fand in einer Synagoge eine Feier

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