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Der Israelit · 1896-07-23 · Heft 59 (23.7.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 59 (23.7.1896)
Date
1896-07-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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?A^M^L'/^M^MV!M»MWWVMPWWMWWWWWWWWWWWWWMMDDM 1128 heiligen Lande sind Glaubensgenoffen hierhergekommen, um vom Goldregen, den die Ausstellung bringen soll, sür sich ein Theil zu erhalten. Am Schabbos ist die Zahl der geschloffenen Geschäfte nicht unbedeutend, auch der bekannte Schlächter Breslauer hat hier eine Wurstbude errichtet, übrigens sind auch von den Aeteuren des Theaters resp. von den Actricen des Bauchtanzes mehrere» Juden. Daß dies Bild des Orients hier so geschickt wiedergegeben wurde, ist in erster Linie das Verdienst des Baumeisters Wohlgemuth, aber auch in zweiter Linie sind einige Juden daran hervorragend betheiligt. Da ist zunächst der Bauführer Rosenwald, der Orient-Maler Lehmann, ferner der Zimmermeister Adler und das Dekorationsgeschäft von Bodenstein, der Schriftmaler Segall k. Wir gehen gewiß nicht zu weit, wenn wir behaupten, daß nur Juden den orientalischen Geist so kühn erfassen, ihn im fremden Lande so gut wiedergeben konnten, wie dies hier geschehen ist, im Juden ist eben noch ein wenig vom Orientalen zurückgeblieben, was ihn befähigt, den Orient beffer zu verstehen als der christliche, urgermanisch Deutsche. Neben dem interessanten Bilde ägyptischen oder eigentlich allgemein orientalischen Lebens bietet eben Kairo noch eine Reihe ernster Sammlungen, weniger zum Vergnügen, als zum Studium geeignet. Da sind der Salon der Orientmaler, die Massensammlung des Khedive, die Ausstellung der Börse in Alexandrien, der Zuckerindustriellen Aegyptens und die Palästina - Ausstellung. Während die anderen Sammlungen für uns Juden nichts besonderes Interessantes aufzuweisen haben, verdient die letztgenannte eine eingehende Würdigung. „Du, det is die Pyramide, die die Juden in Aegypten bauen mußten", bemerkt auf dem großen Platze von Kairo, Pyramidenplatz genannt, ein Soldat zu seiner Freundin, anscheinend einer wohlgenährten Köchin. „Ha und da drin sind die jüdischen Dörfer zu sehen, Karle, da müssen wir rin", sagt dieselbe und zeigt auf einen Bau, der sich an die auf demselben Platze stehende Kait-Bey anlehnt. Ein viereckiges Gebäude aus mächtigen unbehauenen Steinen, freilich nur bis zum ersten Stockwerk ausgeführt, in den Lücken der Steine frisches Grün, die Wände von wilden Weinranken umsponnen, vor der Thür ein roh gezimmertes Holzdach auf einigen Baumstämmen ruhend, auch diese von Weinranken um zogen, so präsentirt sich uns die Ausstellung der Produkte jüdischer Dörfer in Palästina. Ein großes Schild, auf dem diese Firma deutsch und hebräisch steht und einige kleinere verrathen dem Beschauer, was in den Jnnenräumen zu sehen ist. Die große Mehrzahl der Vorübergehenden tritt denn auch hinein in die freundlichen Räume und meist zuerst in die Weinstube, um den „Judenwein" zu probiren. Lechaim, Wohl bekomm's! steht über dem Eingang und auch wir wollen dem Menschenstrome folgen. Es ist gut, daß wir zeitig am Tage gekommen sind, denn Abends und gar erst Sonntag ist es zu voll, da hat man nicht die nöthige Muße alles zu betrachten, denn die Besucher drängen sich und wollen selbst alles sehen und dann gleich weiter. Kommen schon an gewöhnlichen Wochentagen in der Zeit von 7—111 /2 Uhr Abends wohl 3000 Personen in die Palästinaausstellung, so erreicht an manchem Sonntag die Ziffer derselben auch 10 000 und an den beiden Psingsttagen mögen wohl 30 000 Menschen in den verhältnißmäßig kleinen Räumen gewesen sein. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. O e ft e rr.-Un gar- Monarchie. Wien, 19. Juli. Innerhalb weniger Wochen hat die Auffassung, es könne nur vortheilhast sein, die Antisemiten eine Zeit lang die Gemeindeherrschaft üben zu lassen, ihre Bestätigung erhalten. Die Strobach, Lueger, Geßmann und Genossen machen von ihrer Macht einen derartigen Gebrauch, daß auf die Dauer all jenen unter ihren Anhängern, die sich einen Rest von Anstandsgefühl bewahrt haben, die Augen auf- und übergehen müssen. So lange der antisemitische Gemeindehammer blos auf die politischen Gegner niedersaust, nimmt der verwilderte antiliberale Heerbann Luegers keinen Anstoß selbst an ausgesuchten Rohheiten. Aber ver Thatendrang der neuen Gemeindevertreter wendet sich auch gegen Einrichtungen, die mit dem politischen Parteienftreit nicht das Mindeste zu thun haben. Da wurde vor ein paar Wochen dem Niederöi'terreichischen Volksbildungsverein, der seit langen Jahren die segensreiche Thätigkeit im Interesse der Volksaufklärung entfaltet, die bisher gewährte Unterstützung durch die Neichshauptstadt entzogen, ein Beschluß der Gemeindevertretung, der selbst in streng antisemitischen, aber noch nicht ganz dem ultcamontanen Finsterlingthum verfallenen Bevölkerungskreisen peinlichen Eindruck machte. Aber es sollte noch besser kommen. In Wien besteh!, durch die aufopfernde Menschenfreundlichkeit edler Männer geschaffen und mühsam genug erhalten, seit etwa einem Jahrzehnt die weit über die Grenzen Wiens und Oesterreichs hinaus berühmte Freiwillige Rettungsgesellschaft, die mit ihren kargen Mitteln geradezu Großartiges auf dem Gebiete des Rettungs- und Hilfswesens leistet und für Wien eine unbedingte Nothwendigkeit ist, da es an jeder derartigen städtischen Einrichtung gebricht. Diese Gesellschaft erhielt bisher von der Stadt Wien eine Jahresunterstützung

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