Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 59 (23.7.1896)
- Date
- 1896-07-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1120 nung und diesen Wunsch kleidet, charakterisiren seinen tiefen religiösen Fond viel zutreffender, als die breitspurigste Abhandlung. Diese Abreviatur giebt dem aufmerksamen Lehrer witlkominenen Anlast, ein Moment in seinen Unterricht zu ziehen, das in den modernen Religions büchern meistens nur als ein Aschenbrödel behandelt wird: ltnferc Zukunft, unsere Wiedervereinigung durch den von Gott gesandten Messias im Lande der Väter, den Wiederaufbau der heiligen Stadt und der verödeten Tempelftätte. Jenen ist dieser Punkt unserer israelitischen Katechismen ein Stein des Anstoßes, dem sie vorsichtig ans dein Wege gehen und den sie jedenfalls nur mit Glacehandschuhen anfassen. Grund genug für den Lehrer, der seine Schüler durch ihren Religionsunterricht wirklich religiös machen möchte, dieses Moment recht eingehend und eindringlich in die jugendlicheu Seelen zu senken. Wenn die ganze Richtung der Zeit diese Hoff nung als eine Utopie belächelt, so bietet eine andere Abreviatur, der wir schon auf dem Titelblatt begegnen, und mit dem unser fS beit letzten seiner verzeichnten Tage begleitet, Anlaß zu einem Ercurs wie in der Anschauung, welche diese Abreviatur verkörpert, die Zeit doch in einem wesentlich anderen Lichte erscheint, als dies gemeinhin der Fall ist. llitfer begleitet die künftige Zeit mit ihrem stereotypen: b">-n und sagt uns damit, daß nicht wilder Zeit entgegengehen, foubevu daß sie uns ent gegenkommt und zwar nrvvib '.ybv xan „tent ml s ie nitö 5um Guten entgegen." „Z tt m Guten!" Welcher OpitimiSmus, wel cheS Vertrauen in die Zeit athmen diese Worte, deren Wahrheit sich so tief in das Denken und Fühlen des Juden hineingelebt hat, daß sie §nr stehenden Redensart geworden find! Von ihr durchdrungen, gedenkt er alles was er erhofft imb ersehnt, alles was er besitzt und ihn erfreut, „zu Gutem." Er zählt „zu Gutem" seine Lebensjahre, er sieht „zu Gutem" seine Kinder heranblühen, er gedenkt jeden Plan, jedes Vorhaben „zu Gutem" auszuführen, er sieht jeder Zeit und ihren Geschehnissen „zu Gutent" entgegeil. Unserer gewöhnlichen Auffassung ist die Zeit tut wandelbar feststehend. „Ruhig und im gleichen G'leist rollt des Tages sicherer Wagen." Den Kindertl unserer Zeit scheint eS daher von der Klugheit geboten, dieses Geleise nicht zu verlassen und mit diesem Wagen zu taufen, jedenfalls nicht in die Speichelt zu fallen, da der Macht der Zeit Niemand widerstehen kann. Aber uns lehrt schon der unaussprechliche GotteSname, der er, wie ihn uns die Weisen als r-L'-in .thc deutelt, Gott als denjenigen, dessen Allmacht gegenüber, auch, die Macht der Zeit sich ohnmächtig crtveist. Er, vw tps itrx, in dessen mächtiger Hand alle Zeiten und ihre Entwickelung liegen, gestaltet jeden künftigen Moment für seine Welt unb Menschen erziehende Zwecke und Ziele. Er ist der ciem rix r^nei avr; nitre, der alle Zeiten imb Zeitverhältnisse, die sonst für unwandelbar gelten, nach seinem Ermessen wechselt imb ändert. Die Vergangenheit und selbst die Gegenwart mag uns feindlich entgegenstchen, die Ztlkttnft konlnrt uilS entg e g e n. So linabänberlid) die Gesetze der Zeit auch scheinen, sie scheitien es nur. Wir haben z. B. keine Ahnung voll der Möglichkeit, eine bestintntte, zttge messene Zeitspanne künstlich zu verlängertt. Was aber im Leben unmöglich erscheint, vollzieht sich unzählige Male, sobald tvir nur ailS dem Leben zurücktret cm und uns dem Schlafe und Traume hingeben. In wenigen Minuten Schlaf läßt der Traum Jahre vmb Jahrzehnte an uns vorüberziehen, und hebt so spielend das eherne Gesetz der Zeit aus. Wenn wir daher z. B. die Rückkehr nach Bijou nach allen Eonstellationen der Zeit für unmöglich zu halten geneigt wären, so erinnert uns der IW. Psalm daran, daß die Gesetze der Zeit vor diesem Ereigniß zurücktreten, wie sie über Schlaf uitb Traum teilte Gewalt haben, a'ad'na '.rn }vs rrtr ns* ’n rn. Freilich ha beit nur von der Möglichkeit dieses Vorgangs keilte Vorstellltng, aber wir haben sie auch nicht vom -Aöachsen des Grases und von tausend alt deren Erscheinuitgeu, die deshalb in Abrede stellen zu wollen, offenbar absurd wäre. Weitn man Kindern dies alles begreiflich ntachen will, mtrst man zu ihnen hiltabfteigelt unb es ihnen in einer ihneit geläufigett Erfahrung demoitstrirett. Alan ntttst ihnen z. B. sagen: Es liegt nicht in unserer Hand eilte Stunde oder aitch nur eilte Miitttle zu streichelt unb z. B. zit wünschen, die Z,eit sei nur eine halbe Stunde weiter gerückt, als sie thatsächlich ist. Und doch hat sich dies vor einigen Jahren vollzogen, als es sich um Einführultg einer allgemeinen, einheitlichen Zeit einrichtung bandelte. Und wie bat sich das scheilt bar Unmögliche so leicht tmb eiltfach vollzogen! In einer einzigen MitternachtSstunde haben die Thurm Wächter die Uhreuzeiger um eilte viertel, eilte halbe, eilte gattze Stunde vorwärts und rückivärts gerückt und die einheitliche Zeit war fertig. Rach dieser VorauSfetzuttg braucht man den Kindern nicht mehr ztt sagen, wie leicht der hohe Wächteraller Zeiten dieselben beschleunigen unb zurückhattelt kamt, je nachdem er die Zeiger seiner Weltuhr vorwärts oder rückwärts bewegt. Die Gegenwart kann in trägem Schneckengang sich vorwärts bewegen, aber Gottes mächtige Vaterhand hat Mittel und Wege, die Zukunft zur Gegenwart zu führen, wenn die