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Der Israelit · 1896-07-20 · Heft 58 (20.7.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 58 (20.7.1896)
Date
1896-07-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1112 berichtet habe. Wir sitzen hier ja an der Quelle, denn hier ist der Boden des Streites. Wir Deutsche spielen in dieser leidigen Angelegenheit eine nicht sehr schöne Rolle. Mit dem pin np'i2-Argumente hat man angefangen und einige Herren dafür so einzunehmen gewußt, daß sie sich bereitwillig hergegeben haben, die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Es ist aber Aergeres hinzugekommen, und dabei ist der Pferdefuß zu Tage getreten. Auch der holländischen »vv-Schechita wollte man einen Fußtritt versetzen, und da übertrug man einem unbekannten fremden cm», wahrscheinlich als Belohnung für journalistische Handlangerdienste, das Schlachten des Geflügels. Auch wegen pn npnn?? Die Geschichte thut mir und vielen Deutschen innig leid. Denn, wer sich ein wenig umsteht und informirt über die Gelehrsamkeit, Gewisienhaftigkeit und echte Religiosität der holländischen Oberrabbiner, der findet es geradezu absurd, an ihrer vollständigen Zuverlässigkeit zu zweifeln. Die Herren, welche die ganze Geschichte inscenirten, dürften sich kaum die Folgenschwere ihrer Handlungsweise klar gemacht haben; sie haben nichts weniger als einen ov'n hervorgerufen und führen die halben Juden, die unwissenden Juden auf Abwege, zum Abfall. Die Holländer scheinen nicht gerne zu schreiben. Ich hörte von zuverlässiger Seite, daß Herr Oberrabbiner Tal überhaupt geschwiegen hätte, wenn man nur einfach das fremde Fleisch eingeführt hätte, erst als der fremde Schochet zum Schlachten des Geflügels hcrgeschickt wurde, erfolgte seitens des Herrn Oberrabbiners die Warnung in den Blättern; des *rtnin *no, wie ich für die dwp nachdrücklich betonen möchte. Ich sprach einige Herren, die sich haben irresühren lassen, und die gaben mir zur Antwort, daß, wenn man von Jemand, den man als guten Jehudi kennt, über Andere, die man nicht kennt. Nachtheiliges vernimmt und noch dazu in einer Sache, die das größte religiöse Vertrauen erfordert, dann müsse man zweifeln, dann trete ein »»n ein, dann müsse man sich zurückhalten. Sehr richtig, war meine Antwort, dann muß man sich zurückhalten, d. h. wer an der holländischen Schechita zweifeln zu sollen glaubt, der bleibt von Holland fort, der gibt sich aber nicht dazu her, sämmtlichen holländischen Oberrabbinern geradezu einen Faustschlag in'S Angesicht zu versetzen, all' tue d^hj, die hier zu Lande gelebt und gewirkt, in ein falsches Licht zu setzen, daß sie entweder nicht so gut wie er die die Schechita zu beurtheilen vermochten, oder nicht in seinem Maße gewissenhaft waren. Denn nach seiner ne» hat z. B. selbst ein R a b b i A k i b a Lehren, ein RabbiHirschLehren nicht immer iv'2 gegessen, und zwar entweder aus Mangel an Wissen oder aus Mangel an Gewissenhaftigkeit. Und andererseits veraesse man doch nicht, daß diesem Jemand, von dem soeben die Sprache war, Männer gegenüberstehen, gleichwerthig und gleichberechtigt, darunter Männer von Weltruf. Doch nun genug von dieser unerquicklichen Geschichte. Ich mußte darauf zurückkommen, weil hier so viel darüber geredet wird, besonders nach den Anzeigen des Herrn Oberrabbiners Tal. Ich schließe für heute mit dem Gruße 2:2 by crbv* B. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzeu. Deutschland. Born Grabfeld. Wohl wird es — dem Allgütigen sei Dank — trüb und trüber am Horizonte des Antisemitismus, seine Hauvlhelden hat meistens das Schicksal getroffen, das sie verdient: Viele sind jämmerlich zu Grunde gegangen; andere liegen sich gegenseitig in den Haaren, sie sorgen selber dafür, daß das Lichtlein ihres zweifelhaften Ruhmes sich mehr und mehr verdüstert. Doch gibt es noch einige dieser Hetzapostel, denen das saubere Handwerk so lieb geworden, daß ihnen die Trennung gar zu schwer wird. „Es war' so schön gewesen," sagen sie sich immer wieder und durchstöbern um so eifriger die Pamphlete jener obskuren Geisteshelden, die mit ihren bodenlosen Lügen unsrem Volke alles Mögliche, nur nichts Gutes, anzudichten sich bestreben. So wird unser sonst friedliches Grabfeld mit seiner braven, geistig kerngesunden Bevölkerung von einer wahren Fluth solcher Schmähschriften überschwemmt. Und da die Märlein von Christenblut und ähnlichen wahnwitzigen Dingen zu abgenutzt sind und nicht mehr recht verfangen, hat die raffinirte Bosheit unsrer Hasser die neue Gemeinheit an das Tageslicht gefördert, das an Nichtjuden zu verkaufende Fleisch werde zuerst durch die israel. Verkäufer verunreinigt. Diese niederträchtige, gemeine Lüge verlas und kommentirte im Dorfe Gr. der dortige Polizeidiener öffentlich in einem Wirthshause. Den Gebildeten und Belesenen läßt wohl dieser Blödsinn kalt; er weiß, was er davon zu halten hat. Doch es gibt nicht wenige unter den Landleulen, die keine Ahnung haben von der Geschichte Israels, von seinen tausendjährigen Leiden, von der Schändlichkeit und Infamie, mit der man uns von je zu drücken, herabzuwürdigen und zu schaden sucht; sie befinden sich auf dem naiven Standpunkt, daß es „schwarz auf weiß" stehe und daher ganz oder doch

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