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Der Israelit · 1896-07-20 · Heft 58 (20.7.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 58 (20.7.1896)
Date
1896-07-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1107 sondere sah sich ein polnischer Geistlicher, P. Mary an Morawski veranlaßt, die Terminologie der Hepp! Hepp l-Moral um einen neuen Aufdruck zu bereichern. „Asemitismus" heißt die neugeborene Idee, die au Stelle des verdammenswerthen, weil „mit der christlichen Nächstenliebe nicht vereinbarten Antisemitismus" treten soll. Der genannte Priester hat sie zuerst in einem Krakauer Journal vei kündigt, dann in einer Broschüre, *) die von einem großen Theile der polnischen Blätter mit sichtbarem Wohlgefallen auszugsweise reproduzirt wurde. Die christliche Liebe diklirt dem P. Morawski die erhebendsten Ausdrücke in die Feder, um die Judenhetze zu verdammen, sie begeistert ihn sogar zur Abwehr einer etwaigen Invasion des „deutschen Antisemitisvlus", aber — der Jnde wird doch verbrannt! Wir lassen hier einige Stellen aus der Broschüre folgen: „Der jüdische Stamm ist von Natur reich begabt; der Jude besitzt im Allgemeinen ein großes Maß von Willensstärke, sowie Ausoauer im Streben nach dem vorgesteckten Ziele. Jeder Gefahr trotzend, vermag er jedes noch so kühne Unternehmen zu beginnen und Alles aufs Spiel zu setzen, sobald es gilt, etwas Vorgefaßtes zu erreichen." . . . „In früheren Zeiten standen die Juoen unter Auonahmsgesetzen, heute ist das nicht mehr der Fall. Die Begriffe politischer Gleichberechtigung aller Staatsbürger wurzeln zu tief in der allgemeinen Anschauung und gehören zu den Nornten einer modernen Gesellschaftsordnung. Mag Jemand auch der Ansicht sein, daß die Emancipatwn der Juden übereilt wurde, daran kann doch kein Mensch ernstlich denken, die dem Juden bereits gewährten Rechte rückgängig zu machen; die Geschichte schreitet nicht nach rückwärts, und die Gleichberechtigung ist nun einmal zu sehr lleberzeugung geworden, als daß man da auch nur Brescheschlagen konnte." . . . . „Es geziemt sich daher keinesfalls, gegen die Juden gewaltthätig vorzugehen, folgerichtig auch nicht, die Bevölkerung gegen sie aufzureizen, zu verhetzen, d. h. in Wort und Schrift auf die Leidenschaften des Volkes in dem Sinne einzuwirken, daß sie zum Haß und zur Verfolgung der Juden angeregt werden. Warum geziemt es sich nicht? Weil die Verhetzung zu Gewaltthaten führt und schon der Haß an und für sich unchristlich ist. Die Gewaltthat hat das Verbrechen zur Folge, und das Verbrechen bleibt Verbrechen nnd ist dem gesellschaftlichen Leben viel schädlicher als jedes noch so große Nebel. Solche Verbrechen könnten wohl durch die jüdischen Uebergriffe und Mißbräuche als psychologisch begründet erklärt werden, in moralischer Hinsicht können jedoch solche Verbrechen niemals gerechtfertigt werden. Jeder Christ und jeder christliche Staat muß solche Thaten *) ,,AsemitYznik‘, przez ks. Maryana Morawskiego T. .1. Krakow 1806. im Herzen sowie in Worten entschieden ganz unbedingt und rückhaltlos verdammen. Und wenn — Gott behüte es! — bei den Polen etwas Aehnliches wie in Deutschland Vorkommen sollte, so würde uns nichts übrig bleiben, als auf die Straße hinauszutreten und unter eigener Lebensgefahr, mit dem heiligen Kreuze in der Hand, die Juden vor Unrecht zu beschützen und die Polen von Verbrechen abzuhalten." So weit die christliche Liebe des hochwürdigen Herrn Morawski. Nun folgt der Plan des „Asemitismus", der den jüdischen Einfluß unschädlich machen und die polnische Bevölkerung befreien soll. „Die Selbstmehr," wird uns gesagt, „kann niemals als Angriff betrachtet werden; sie soll darin bestehen, daß das christliche Volk vor jüdischem Einfluß und deffen schädlichen Uebergriffen beschützt werde. Das ist keinesfalls eine Unbill im Sinne des staatlichen Rechtes, denn es ist ja nur von einer Action innerhalb der Schranken der staatlichen Gleichberechtigung die Rede. Aber auch vom menschlichen Stand punkte, sowie von dem der christlichen Gerechtigkeit begeht man durchaus keinen Fehler, wenn man z. B. beim Verkaufe eines Landgutes, bei Verpachtung von Wirlhschaften den Juden abweist und lieber den Christen aufsucht. Das kann ja geschehen, da wir überhaupt rechtlich nicht verpflichtet sind, dem Inden etwas zu geben. Es muß daher vor dem Juden jeder Familienkreis abgesperrt werden. Der Jude soll vom christlichen Familienherde ferngehalten werden, man verschließe dem jüdischen Elemente alle Clubs und Vereinigungen der Jugend, alle Schulen (!); man sorge dafür, daß alle geschäftlichen Unternehmungen, die sich in jüdischen Händen befinden, in christliche übergehen; man gründe christliche Gast- und Wirthshäuser, Consumvereine, Verschleißstellen am Lande, Ereditinstitute, man beschütze das christliche Volk, ermahne die Behörden vor den Juden. . . Endlich bekämpfe man in der Presse und Literatur, sowie in gesetzgebenden Körpern jede jüdische Doctrin und Beeinflussung." . . . Wie sich dieses Programm mit der „christlichen Nächstenliebe verträgt, bleibt immerhin räthselhaft. Eines läßt sich jedoch mit Bestimmtheit behaupten, daß der sogenannte „deutsche Antisemitismus" sich dieses seines „Asemitismus" genannten Nachwuchses nicht zu schämen hat. Letzterer ist nur noch widerwärtiger, weil er sich gleißnerisch in den Mantel christlicher Liebe und Gerechtigkeit hüllt. England. London. (Th. Hcrzl bei den Maccabaeaus.) Am 7. Juli war, wie nur bereits unter Wahrung unseres Standpunktes kurz berichteten, Dr. Theodor Herzl, der Autor der bekannten Broschüre „Ueber den jüdischen Staat," der Gast des Maccabäerclubs in London und nach der schönen Sitte

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