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Der Israelit · 1896-07-16 · Heft 57 (16.7.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 57 (16.7.1896)
Date
1896-07-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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■ -- - - >.*.7 1093 auf daß wir würdig befunden werden, die Zeit zu erleben, von der es heißt: .712^2 rrnx nsr^ rse trx nwn "? ex; nS rrnx >;x' „Und auch ich werde fein, spricht Gott, wie Mauer aus Feuer ringsum und zur Ehre werde ich sein in ihr." Bkklitt, 11- Juli. Die hiesige „Auskunstsstelle der deutschen Gesellschaft für ethische Kultur" hat (im Verlage von Karl Heymann, Berlin) soeben ein Werk, betitelt „die Wohlsahrtseinrichtungen Berlin'»", erscheinen lassen, das über alle Vereine, Stiftungen uns Einrichtungen, welche die werkthatige Nächstenliebe und Mildherzigkeit der Bewohner unserer Stadt geschaffen hat und erhält, in systematischer Anordnung und Uebersichtlichkeit Auskunft gibt. Daß unsere Glaubensgenossen nicht nur in den Wohlfahrts-Instituten, welche den Angehörigen des eigenen Bekenntnisses dienen, sondern auch in denjenigen, welche interkonfessionell sind oder selbst ausschließlich andersgläubigen Hilfsbedürftigen zu Gute kommen, in erster Reihe mitrathen und mitthun, ist nicht überraschend, denn der Wohlthuensdrang ist immer noch das edle Erbgut der Gemeinde Jakob's; aber selbst der Kundige dürste vor der überwältigenden Fülle mildgesinnter Bruderliebe, die hier zum ersten Male voll übersehen werden kann, staunende Hochachtung und Bewunderung empfinden. Die Wohlfahrts-Einrichtungen der jüdischen Gemeinde umfassen nicht weniger als sechzehn enggedruckte Seiten; die ausschließlich für Personen jüdischen Glaubens bestimmten Stiftungen acht Seiten; dazu treten vierunddreißig dem gleichen Zwecke dienende Vereinigungen und Einzel-Stiftungen. Interkonfessionell sind vierundzwanzig von Juden begründete Stiftungen, Juden und Christen zu gleichen Th eilen sind fünf gewidmet und eine sogar nur Christen! Außerdem sind in der Verwaltung sämmtlicher interkonfessioneller Stiftungen und Vereine unsere Glaubensgenossen theilweise an erster Stelle thätig, mögen es nun die landsmannschaftlichen, oder die Asylvereine für Obdachlose oder welche Wohlthätigkeits-Anftalten immer sein. Sehr bezeichnend ist die Bestimmung bei dem Cohn- und Benoir'schen Fonds für das „Nikolaus-Bürger-Hospital": „Die Zinsen sollen so lange zum Kapital geschlagen werden, bis ein Jude in das Hospital ausgenommen worden ist", und die nachfolgende Bemerkung: „Bis jetzt war dies nicht der Fall"! Dieser Satz berührt um so eigenthümlicher im Rahmen eines Buches, das der alle Bekenntnisse umfassenden opferwilligen Menschenliebe der Juden ein so glänzendes Ehrenzeugniß aus stellt. Frankfurt a. M. (Polizeilich überwacht.) Am Montag fand in Bockenheim im „Rheingauer Hof" die 28. Jahresversammlung der israelitischen Lehrer Kurhessens statt. Staatsgefährliche Dinge standen dabei wahrhaftig nicht zur Verhandlung. Umsomehr war eine große Anzahl der Konferenzbesucher erstaunt, daß die Versammlung von Anfang bis zu Ende von zwei Schutzleuten polizeilich überwacht war. Es ist rührend, daß die Polizei ihre Fürsorge nunmehr auch aus die wissenschaftlichen Versammlungen erstreckt. England. X. London, 12. Juli. Nachdem sich Herr Dr. Theodor Herzl, der in so kurzer Zeit zur Berühmtheit gelangte Verfasser des „Judenstaat" in voriger Woche der geistigen Elite der englischen Judenbeit, wie solche i:n Club der ..Makkabäer" vertreten ist, vorgestellt hatte, sprach derselbe heute im „Jewish Working Men's ('lub" vor einem zahlreich erschienenen und zum größten Theil aus „sogenannten" Nationaljuden bestehenden Publikum über seine Pläne zur Gründung eines jüdischen Staats in Palästina. Wir dürfen bei dem allseitig zum Ausdruck gebrachten Interesse, die Dr. Herzl's Schrift hervorgerufen hat, deren Inhalt als bekannt voraussetzen und können uns darauf beschränken, mitzutheilen, daß auch derjenige, welcher der Verwirklichung dieser Pläne aus religiösen Gründen keine Sympathie entgegenbringt, dem Redner und ssinen Ausführungen den ihm zu Theil gewordenen Beifall, der sich in lautem Enthusiasmus, des heiß-blütigen russisch-polnischen Elementes, äußerte, gerne gönnen mag. Die Ausführungen des sicherlich die „Judennoth" tief fühlenden Mannes waren klar, sachlich und für Alle verständlich gehalten. Seine äußere Ruhe bei einem Gegenstände, der alle Hörer begeisterte, bewiesen den Ernst eines praktisch denkenden Nationalökonomen, der von vornherein auf die Zurückweisung aller erdenklichen Einwürse gegen seine Pläne und Theorien gewappnet ist. Eines Nationalökonomen, aber keines Juden, denn Dr. Herzl kennt weder die jüdische Geschichte, auf deren Helden er hinwies, noch den Character des jüdischen Proletarierelements, mit welchem die Staatsgründung seinen eigenen Worten nach beginnen müßte. Nicht religiöses Empfinden ist es, das Herrn Dr. Herzl seinem Plan zu Grunde legt, sondern Motive sozialpolitischer Natur haben ihn zur Ausarbeitung eines großartigen Gedankens geführt, dessen Erhabenheit aber daran scheitern muß, daß die Verwirklichung desselben keinen Judenstaat Hervorrufen würde, sondern einen Staat von Menschen, die „zufällig" als Bürger nicht jüdischen G l a üben s, sondern jüdischer Rassenzugebörigkeit aus die Welt kamen. Daß Herr Dr. Gaster, der Chacham der Portugiesen, Herrn Dr. Herzl verherrlichte, nimmt uns doch Wunder, umsomehr, als Herr Oswald John Simon, ein Mann, dem grade nicht der Ruf eines Orthodoxen vorausgeht, seine Verurtheilung der Herzlichen Bestrebung

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