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Der Israelit · 1896-07-16 · Heft 57 (16.7.1896) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 57 (16.7.1896)
Date
1896-07-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1094 damit kennzeichnete, daß er Nachdruck darauf legte, daß jede derartige Bewegung, der das richtige religiöse Empfinden und die Bethätigung dieses Empfindens fehle, von vornherein ein Fiasco sein müsie. Argentinien. (H.) Buenos-Ayres, 30. Juni. Nebst den zahlreichen polnischen und russischen sind in den vergangenen fünfzehn Jahren seit 1880 auch zahlreiche deutsche (ich rechne zu denselben auch jene, die aus Oesterreich-Ungarn kamen), rumänische, englische und französische Juden nach Argentinien eingewandert, die sich theils hier, theils in der neuaufblühenden Handelsstadt Rosario oder in den anderen Städten unserer Republik ansiedelten. Es sind so jetzt in Argentinien mehrere kleinere jüd. Gemeinden vorhanden, die sich stetig vergrößern und dabei auch an Reichthum und Wohlstand zunehmen. Sehr zu bedauern ist es daher, daß zwischen diesen Gemeinden und den Ansiedelungen des nun verewigten Baron Hirsch noch keine rechte Verbindung besteht, wie sie doch unter den Mitgliedern ein und derselben Familie vorhanden sein sollte. Jndeß ist die Ursache davon nicht in den verschiedenen religiösen Ansichten oder in den materiellen Stellungen, sondern einzig und allein nur in den sprachlichen Verhältnissen zu suchen, die aber hoffentlich im Laufe der Zeit, wenn unter allen diesen Emigranten die Kenntniß der Landessprache, d. h. des Spanischen, gleichmäßig verbreitet sein wird, bald ausgeglichen sein werden. Die Intelligenten unter den Israeliten hier sehen daher mir Strenge darauf, daß ihre Kinoer in den Schulen das Spanische regelrecht erlernen und zuhause ffeißig üben. Sehr erwünscht wäre es daher, wenn irgend eine jüdische Buchhandlung in Deutschland, Frankreich re. es unternehme, die fünf Bücher Moses und die Gebetbücher sowohl für die Wochenals auch für die Feiertage mit einer correcten spanischen Uebersetzung und zwar nicht mit hebräischen, sondern mit spanischen Lettern drucken zu laffen. Sie würde nicht nur einem allgemeinen Bedürfnisse hier abhelfen, sondern nebenbei auch ein gutes Geschäft machen. Schließlich würden ja auch die gebildeten spaniolischen Juden in Europa diese Bücher ankaufen. Vermischtes KR Berlin, 14. Juli. Gestern starb nach kurzem Krankenlager der langjährige Repräsentant der jüdischen Gemeinde, Herr Geheimer Sanitätsrath Dr. Moritz Kirstein. — Der durch Bergabsturz in Aussee verunglückte Dr. Max Reinhard Kausfmann wird morgen auf dem Friedhofe in der Schönhauser-Allee beerdigt. KR. Berlin. 14. Juli. Ein sehr verdienstvoller Beamter der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Eastellan Littauer, feiert am 17. Juli seinen achtzigsten Geburtstag. Derselbe ist bereits 46 Jahre im Amte. Wie wir hören, wird von Seiten des Rabbinats Herr Dr. Maybaum eine Ansprache an den Jubilar richten. Berlin. (Verbrüderung der Antisemiten von Berlin und Wien). Aus Anlaß der Gewerbe Ausstellung sind auch 400 Wiener Antisemiten nach Berlin über Dresden gekommen und von den Berliner Antisemiten auf dem Anhalter Bahnhof festlich empfangen worden. Die Abgg. Förster und Latze waren den Wiener Brüdern, unter denen der Reichsrathsabg. Vergani und die Gemeinderäthe Grünthal und Schwarz sich befanden, entgegengefahren. Vorausgegangen waren Festlichkeiten in Dr sden. Im Wirthshaus Askania wurde der Begrüßungsschoppen in Berlin gefeiert. Am Samstag Mittag fraternisirten die Berliner und und Wiener Antisemiten beim Mittagsmahl im Z lt 1. Die beiden Wiener Bürgermeister Strohbach und Lueger, Prinz Liechtenstein und andere antisemitische Häupter aus Oesterreich hat-en Bcgrüßungstelegramme gesandt. Die Wiener Antisemiten kommen mehr als zehn Jahre zu spät nach Berlin. In Berlin hat der Antisemitismus vollständig ausgespielt bis auf gelegentliche Radauszenen. Die Wichtigthuerei in der Absendung von Telegrammen wirkt umso komischer. Die Blätier aller Richtungen sind denn auch darüber einig, daß der Besuch der Wiener Antisemiten in Berlin für diese einen großen Reinfall bedeute. Fritzlar, 10. Juli. Heute fand die Grundsteinlegung für die neue Synagoge statt. Das Schulhaus, ein besonderer Bau, steht bereits im Rohbau fertig. Venedig Vor einigen Tagen starb hier der Sohn eines jüd Advokaten, der als Freigeist und Atheist bekannt ist. Nichtsdestoweniger bat er, man möge den Todten auf dem jüd. Friedhofe begraben, was die Chewra Kadischa hier auch gestattete. Während des Leichenbegängnisses stellte er jedoch plötzlich die Bedingung, daß am Grabe kein Gebet gesprochen werde. Die Chewra Kadischa erklärte iedoch, daß, wenn er keine Gebete brauche, so könne er seinen Sohn begraben, wo er wolle. Der Atheist willigte nun ein, daß man das D'On Tian sage. Petersburg. Die jüdischen Handwerker in Kursk haben zur Feier und zum Andenken der Kaiserkrönung eine ^efer-Thora schreiben lassen und sie der Synagoge geschenkt. Dies wurde dem Kaiser durch Vermittlung des Ministers des Innern mitgethcilt. Aus die Eingabe schrieb Se. Maj-stät eigenhändig: „Ich habe es mit Freude gelesen und danke von ganzem Herzen " Letzte Nachrichten. Mainz 13. Juli. Ju der Antisemiten-Partei gehen sonderbare Dinge vor. Ihr Fiasco während der Berathung des Bürgerlichen Gesetzbuches ist bekannt. Aber noch hübschere Dinge sind im Schoße der Fraclion vorgekommen. Ein Theil der Fraction, und zwar der größere, ist der Ansicht, daß mit der Aufhiffung der antisemitischen Fahne im Allgemeinen schlechte Geschäfte gemacht worden seien, und daß mancher duldsaniere Mann nicht Antisemit heißen wolle, der sonst in seinen mirthschaftlichen Anschauungen mit der Partei übercinstimmr. Aus diesem Grunde solle die Partei künftighin den Antisemitismus nicht stärker hervortreten lassen, als es z. B. die Conservativen thun, und dafür mehr den Charakter einer „Mittelstands-Partei" betonen. Bei den Nachwahlen ui Oldenburg und Ruppin-Templin wurde, da die

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