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Der Israelit · 1896-07-16 · Heft 57 (16.7.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 57 (16.7.1896)
Date
1896-07-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1088 zu umgehen, die ihnen von den ehemaligen Herren des Landes auferlegt werden. Daher die Unruhen, die Aufstände und die Vorgänge, die wir zn beklagen haben. Es ist daher anzunehmen, daß die Israeliten von Koi sich geweigert haben, dem kurdischen Cheik den Tribut zu zahlen, der, sei es aus Rache, als Einschüchterung oder Warnung den Rabbiner Pinhas morden ließ. Ist es nicht in der Thal bedeutsam, daß man das Haupt der Gemeinde als Opfer auserlesen hatte, und daß die Mörder nach gethaner Arbeit sich zurückgezogen haben, ohne das Mindeste milzunehmen? Gerichtszeitrrng. Kehl, 9. Juli. Unter dem Vorsitz des Amtsrichters Dr. Rinteler begann heute früh die Schössengeri i tsverhandlung gegen 19 Angeklagte aus Bodersweier und Kehl wegen Körperverletzung, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Hausfriedensbruch, Gefangenenbefreiung, Ruhestörung, groben Unfug und Thätlichkeiten. Die Vertheidigung sämmtlicher Angeklagten lührte der Rechtsanwalt Muser von Offenburg. Der antisemitische Agitator und Redakteur Reuther aus Karlsruhe, der seit einiger Zeit das Hanauer Land zur Agitation auserkoren, hielt am 31. Mai in Bodersweier eine amisemitische Versammlung ab, die bekanntlich wegen Tumult der Auflösung verfiel. Den Angeklagten wird zur Last gelegt, den Tumult verursacht und dem Reuther Bier ins Gesicht gespuckt zu haben. Als Reuther in Bodersweier nicht zu Worte kam, zog er nach dem 3U Stunden entfernten Linx, wo von den nachgezogenen Bodesweierern eine gehörige Prügelei inscenirt wurde, bei der Reuther getreten und zu Bod m geworfen wurde, so daß er stark blutete. Bei der Schlägerei, die bald eine allgemeine wurde, machten sich auch einige Angeklagte des Widerstands gegen die Staatsgewalt und Gefangenenbefreiung schuldig. Ueber den Gang der Verhandlung wird berichtet: Die Angeklagten, zum Theil Viehtreiber und Knechte, zum Theil jüdische Handelsleute, bestreiten in der Hauptsache die erhobenen Beschuldigungen, andererseits wollen sie ohne eigene Schuld in die Schlägerei verwickelt worden sein. Durch den Zeugen, Gcnsdarm Baumgartner, ist festgestellt worden, daß in drei Wirthschaften in Bodersweier vor der Versammlung Freibier gespendet wurde im Werthe von 400 Mk., welches Karl Bensinger, der Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Bodersweier, und Leo Wertheimer bezahlt haben. Die Aussagen der Söhne des Wirthes, bei dem die Versammlung abgehalten wurde, sind so widersprechend, daß es schwer ist, die objektive Wahrheit sestzustellen. Zeuge Reuther erklärt, daß er im Aufträge der deutsch-sozialen Reformpartei den siebenten Reichstagsrvahlkreis zu bearbeiten habe, da bei der nächsten Reichstagswahl in diesem Bezirk ein Kandidat aufgestellt werde. Er wurde in Linx zu Boden geworfen und mit Füßen getreten, und habe stark geblutet. Die Schlägerei in Linx. die von den Viehtreibern inscenirt war, geben die Angeklagten zu, ebenso, daß sie Reuther blutig geschlagen haben. In der weiteren Zeugenvernehmung wird it. A. festgestellt, daß Reuther in sehr verletzender Weise gegen die Juden in seinen Versammlungen losgezogen ist, so z, B. in Scherzheim sich geäußert, die jüdischen Soldaten hätten auf dem Schlachtfelde tobten Soldaten die Finger abgeschnitten, um die Ringe stehlen zu können. Muser führte als Vertheidiger aus, die verletzende Art der antisemitischen Agitation und zwar speziell Reuthers, habe im Hanauer Land eine berechtigte Erbitterung hervorgeruscn. Gerade das Generalisiren sei das Niederträchtigste der Agitation. Reuther sei schon wegen Verbrechen gegen den 8 130 des Reichsgesetzbuches zu 6 Wochen Gefängniß verurtheilt worden. Nach nahezu siebenstündiger Verhandlung wurden die Angeklagten zn 14 Tagen Gefängniß und zu 2 Tagen Haft verurtheilt, von der Anklage des Hausfriedensbruches freigesprochen. In der Urthcilsbegründung heißt es zuni Schlüsse, daß die widerlichen Ausschreitungen nicht vorgekommen wären, wenn nicht von gewisser Seite in reichlichem Maße Freibier gespendet worden wäre. Das Gericht lasse es dahingestellt sein, wer das Bier bezahlt habe. Gprechsaal. Ober-Elsaß, 14. Juli. Geehrter Herr Redakteur! In meiner Jugend hörte ich oft folgende Bemerkung: Es wird mit der Unwissenheit der Rabbiner noch so weit kommen, daß ein Rabbiner aus die an ihn gerichtete Frage, welche miD künftigen rotP gelesen wird, antwortet: Ich bin kein N’dj. — Daß sich diese Aeuß^rung so rasch bewahrheitet, glaubte ich nicht. Wie erstaunt war ich jedoch, zu erfahren, daß in der Gemeinde Sulz ( Ober-Elsaß) in Gegenwart des Rabbiners am npn 'D m die zw ei SidrospyIi npn gelesen wurden, so daß der dortige Rabbiner auf eine diesbezügliche Anfrage wohl die gleiche Antwort hätte geben können. Mit Hochachtung -Ml m ’D Feuilleton. Auf des Leöens Köh'. Erzählung von S. B. Rosner. 17) (Alle Rechte Vorbehalten.) „Ah" — flog es leise über die Lippen Helenens, während sie tief erblaßte und ein Beben durch ihre Gestalt ging, „er meidet mich wie eine Verpestete! — Wohlan denn," fügte sie dann mit bitterem Hohn hinzu, „beglückwünschen Sie Ihren Herrn Neffen und sagen Sie ihnr, daß er vortrefflich gezielt hat. Der Hieb sitzt — sitzt hier tief in diesem armen, zu Tode gefolterten Herzen Sie kämpfte gegen eine mächtige Erregung. Ihr Mund zuckte und sie konnte es nicht verhindern, daß zwei verstohlene Thrünen an ihren Wimpern hinab glitten. „Bitte — verzeihen Sie gütigst," brachte der alte Mann verwirrt hervor, „wenn ich — will sagen mein — Neffe Ihnen wehe gethan — „Ja, es Ihm weh," sprach sie leise zu sich selbst, auch noch verachtet zu werden, nachdem man am grünen Tisch des Lebens Bankerott geworden!" Es erging Onkel Jsak in diesem MMeMe'nicht anders, als es auch Gottfried ergangen war, da sich

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