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Der Israelit · 1896-07-16 · Heft 57 (16.7.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 57 (16.7.1896)
Date
1896-07-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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/ 1087 Angelegenheit als erledigt betrachten. Der Gemeinderath nahm mit geringfügiger Majorität den Antrag an. Littau, 12. Juli. (Gegen den Boycott der Deutschen und Juden.) Der Bezirkshauptmann von Littau hat den Gemeindevorstehern seines Bezirkes die folgende „Warnung" zur Publicirung zugeschickt: Warnung: In letzterer Zeit wiederholen sich Fälle, daß in einzelnen Gemeinden die Bevölkerung von Agitatoren aus Littau zu dem Zwecke aufgehetzt wurde, um bei den deutschen Geschäftsleuten in Littau und bei Geschäftsleuten jüdischer Confession dortselbst nichts mehr zu kaufen. Durch dieses Vorgehen werden gewiß die betreffenden Geschäftsleute und Gewerbetreibenden in ihrer Existenz bedrott, und ein solches Beginnen erscheint in jeder Beziehung als ein unerlaubtes Eingreifen in die geltende Rechtsordnung. Die Bevölkerung wird demnach im Jntereffe der Erhaltung des öffentlichen Friedens und der öffentlichen Ordnung vor jeder Theilnahme an einer solchen Verhetzung mit dem Bemerken auf das strengste gewarnt, daß jedes dagegenzielcnde Beginnen nach dem Gesetze verfolgt wird. K. k. Bezirkshauptmann Jelinek m. p. Wie bereits berichtet wurde, hat dieselbe Bezirkshauptmannschaft bei allen jenen Geschäftsleuten und Gewerbetreibenden, die ihre Geschäfte durch Tafeln in den nationalen Farben und mit der Aufschrift „CzechischeS Geschäft" versehen hatten, diese Tafeln entfernen lassen. Türkei. Bagdad. (Isra e li ten d er Tü rkei.) Die Vorgänge, die mehrere Monate hindurch gewiffe Regionen der asiatischen Türkei beunruhigten, haben selbstredend auch ihre Wirkung auf die Lage der Israeliten nicht verfehlt. In verschiedenen Ortschaften hatten dieselben unter der Erregung zu leiden, welche der Kriegszustand und das Elend hervorbrachten. Das vollständige Darniederliegen der Geschäfte hat sie in die jammervollste Armuth versetzt. Die „isr. Alliance" jedoch hat ihnen Hilfsmittel zukommen laffen. Diese Vorgänge haben ihren Rückschlag bis in die entferntesten Theile des Reiches ausgcübt. Ein Correfpondent aus Bagdad schrieb kürzlich darüber an das Central-Comitö: Koi-Sandjac. — In dieser Ortschaft hat sich ein beklagenswerther Vorgang abgespielt, von dem ich Sie unterrichten zu müffen glaube. Koi-Sandjac gehört zum türkischen Kurdistan und liegt am Altoun- Sou oder kleinen Zob, einem Nebenfluß des Tigris. Die Stadt zählt ungefähr 200 Israeliten. Diese kleine Gemeinde hatte an ihrer Spitze Hachom Pinhas, der zugleich als Rabbiner und als Schochet fungirte. In der Nacht vom 29. zum 30. März (16. Nissan), indeffen alles in Koi schlief, drangen drei Kurden in das Haus des Pinhas, gingen direkt auf das Bett los, in welchem der arme Rabbi ruhte, und ermordeten ihn. Sobald düse entsetzliche Nachricht sich im israel. Viertel verbreitete, geriethen alle Israeliten in Verzweiflung und Aengsten. Sie fürchteten, daß der Tod ihres Oberhauptes das Vorspiel eines allgemeinen Blutbades sei. Alle schloffen sich in ihre Häuser ein und riefen die göttliche Vorsehung an. Sie können sich vorftellen, in welcher Trauer unsere Glaubensgenoffen nach dem Paffathfeste an den Bali von Moffoul telegraphirten, um von ihur Schutz und Gerechtigkeit zu erflehen. Der Gouverneur von Moffoul ertheilte dem Caimeran von Koi- Sandjac den Befehl, gegen die Schuldigen aufs strengste zu verfahren. Dieser Beamte ließ zwei Kurden feftnehmen, von denen der eine am nächsten Tage freigegeben wurde. Was den anderen betrifft, so zweifle ich daran, daß ihm die Freiheit entzogen werde. Ja, die Kurden haben den Juden angedroht, sie sämmtlich zu vernichten, wenn sie nicht auf ihre Klage verzichteten. Unsere Glaubensgenossen haben sich an unseren Ober-Rabbiner gewendet und ihn um seine Unterstützung gebeten. Ich weiß, daß S. E. Redjeb Pascha, Commandant des 6. Armeekorps, deffen hoher Sinn und Duldsamkeit bekannt sind, strenge Befehle an die Militärbehörde von Koi gesandt hat, damit sie unseren armen Glaubensgenoffen zuverlässigen Schutz angedeihen laffe; auch S. E. der Vali ist dazwischen getreten, indessen nur officiös, da Koi-Sandjac nicht zum Vilajet von Bagdad gehört. Welches war der Grund zu diesem verbrecherischen Angriff? Die Notablen von Koi haben vergeffen, uns davon in Kenntniß zu setzen, oder hielten es für gerathen, daß wir ihn nicht erfahren sollten. Es ist indeffen ein leichtes, denselben zu errathen, ohne befürchten zu müffen, einen Jrrthum begangen zu haben. Die Kurden haben nur einen unklaren Begriff von den Beziehungen, die sie an ihre Mitbürger knüpfen, welchem Glaubensbekenntniß dieselben auch angehören mögen. Von den Türken unterjocht, betrachten sie sich als deren Vasallen und die Steuern, die sie zahlen, — wenn sie sie als einen Tribut an die ottomanifche Regierung zahlen. Aber die kurdischen Häuptlinge, die S. M. als ihr Oberhaupt ansehen, möchten ihrerseits auch gern Vasallen haben, und zwar die Juden, die Christen und die Muselmänner, die auf ihrem Territorium leben. Sie zwingen dieselben, ihnen Taxen zu zahlen; es ist begreiflich, daß diese Bevölkerung es sehr kostspielig findet, so vielen Ansprüchen zu genügen, und da sie sich nicht von den Steuern befreien können, die ihnen die Behörden auserlegen, sie es versuchen, diejenigen

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