Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 57 (16.7.1896)
- Date
- 1896-07-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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WM :?r%xZfr^fi--; , •:y.riC»yr^gv/f 1084 die aber nicht in dem Rahmen dieser Darstellung unterzubringen ist. Er steht schon mit einem Fuße in den Flegeljahren, in welchen man leichter an einen Professor, als an Gott glaubt. Er schwört auf die Worte seines Professors, von dem er gehört hat, daß die Erde Millionen Jahre alt sein müsse. Die kühnsten Hypothesen der Wissenschaft verdichten sich in seinem jungen, warmen Kopf zu Thesen, an deren Unerschütterlichkeit er wie ein Dogma glaubt. Die glühende Erde, die zur Abkühlung ihrer Rinde Hundertausende von Jahren bedurfte, nimmt er auch nockganz ernsthaft. Denn er hat keine Ahnung davon, daß sie von den Vertretern der Wiffenschaft längst zu den Tobten geworfen wurde. Er vindicirt mit großem Eifer und viel scheinbarer Gelehrsamkeit der Erde ein Alter von einigen tausend Millionen Jahren, die nöthig sind, um den chemischen Vorgang der Kryftallbildung zu erklären, er hat mit Humboldt die Jahrringe an den Bäumen gezählt, ebenso die Diluvial-Schichten, die der austretende Nil alljährlich zurückläßt, alles weist auf ein höheres Alter hin als auf 5657 Jahre. Da er durch sein geringes jüdisches Wissen sonst im jüdischen Unterricht selbstredend zurückstehen muß, so thut er sich nicht wenig darauf zu Gute, das Judenthum mit einem Ruck aus dem Sattel werfen zu können. In seinem Interesse und in dem der übrigen Kinder, muß der Lehrer auf diese Einwände eingehen, ja der einsichtige Lehrer wird sie bei gereifteren Schülern von selbst zur Sprache bringen. Sie haben schon viel von ihrer Schärfe verloren, wenn die Schüler merken, daß ihnen der Lehrer nicht nur nicht ausweicht, daß er sogar die Gelegenheit aufsucht, sich darüber zu äußern. Es ist nun zunächst nothwendig darauf hinzuweisen, daß gerade in dieser Wissenschaft der Geologie jeder einzelne Vertreter eine andere Ansicht über das Alter der Erde hat, daß schlecht gerechnet, heute 100 verschiedene Ansichten über das Alter der Erde existiren, daß eine Wissenschaft, die mit sich selbst noch so wenig einig ist, billigerweise keinen Anstoß daran nehmen kann, wenn neben ihren 100 verschiedenen Ansichten die Chronologie der Thora als die 101. existirt. — Man thut unter solchen Umständen erfahrungsgemäß sehr gut, wenn man die geringe Meinung von dem vollendeten Abschluß der geologischen Wissenschaft und ihrer Zuverlässigkeit durch irgend ein klassisches Citat belegen kann. Es hat dies den großen Vortheil, daß der junge Weltweise das Bewußtsein bekommt, mit seiner angelernten Bildung könne er den jüdischen Lehrer nicht aus dem Conzept bringen. Ein Citat z. B. aus T i e d g e, den diese jungen Leutchen kaum dem Namen nach kennen, hat dann gewöhnlich den abkühlenden Erfolg eines kalten Strahls und sorgt dafür, daß der Lehrer beim Anprall dieser jungen Weisheit doch Herr der Situation bleibt. Vereinen mögen die Verfasser Des Weltbau's sich in ihrer Weisheit nie; Der Eine schafft die Welt aus Wasser, Aus Feuer schafft der Andre sie, Ein Dritter Welterschafser dünget Mit einer Urwelt dort die Schöpfung, wie ein Feld Und sie, von Neuem fruchtbar, bringet Mit frischer Kraft die Welt zur Welt. Der Eine sucht den Andern zu verrufen. Ein glückliches Vcrhältmß offenbar Ist: daß die Welt, bevor sie jene Herrn erschufen, Schon dastand und ganz fertig war. X Bd., 4. Buch. 1. Nach dieser kalten Douche fällt bei dem jugendlichen Vertreter der geologischen Forschung eine Mahnung zur Bescheidenheit schon auf empfänglicheren Boden. Wenn Jemand ein Haus kaufen und zur Orientirung über Alter, Werth und Umfang des Hauses nichts als einen Ziegelstein derselben vor sich hatte, so hätte er doch mehr von dem Hause als alle Experimente, Bohrungen und Ausgrabungen aller Forscher aller Zeiten zusammen Material für Beurtheilung des Erdballes und seines Alters liefern! Ob bei allen Evolutionen und Revolutionen die Baumringe, Erdschichten, Kristallbildungen sich immer in derselben Zeit und Weise vollzogen haben, wie dies heute der Fall ist, braucht non uns nicht untersucht zu werden, ist aber doch mindestens diskutirbar. Alle diese Argumente und Erwägungen brauchen noch nicht von der Autorität der Thora diktirt zu sein; sie haben ihre Berechtigung in sich selber. Handelt es sich nur um Vermeidung eines Conflikts zwischen Thora und Wissenschaft, so könnte die Erde Milliarden Jahre zählen. Es wäre ja immerhin denkbar, daß die zwei ersten Sätze der Thora Zustände, Schöpfungen und Veränderungen zum Gegenstand haben, welche vor Milliarden Jahren sich vollzogen, daß die 5657 Jahre aber mit dem jetzigen Zustande der Erde als Wohnplatz der Menschen beginnen, derm Darstellung mit den Worten rr "k laK" ‘w einleitet. Sagen doch auch die Weisen mpntr p’inoi rvübv nro, daß Gott Welten geschaffen und wieder zerstört habe, bis er die gegenwärtige ins Dasein gerufen habe! Jedenfalls wird der einsichtige Lehrer diesen Erörterungen nicht aus dem Wege gehen, zu welchen an der Schwelle unserer r:b die bloße Jahreszahl anregt. (Fortsetzung folgt.)