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Der Israelit · 1896-07-16 · Heft 57 (16.7.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 57 (16.7.1896)
Date
1896-07-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXWt JahrMA. M 87. Der Zsraelit. Ein Uentrat-Urgan für das orthodoxe Tudenthum. Begründet von Dr. fe^mann in Ifttaiuf. Donnerstag, den 16. Juli 5656 (1896). Leitender Artikel. Mein Religionsbuch. Von Bezirks-Rabbiner D r. E h r in a n n in Baden (Schweiz). IV. 5657! Jetzt greift Alles gierig nach dem Büchlein; da steht es schwarz auf weiß. Hätten die Schüler eine Ahnung davon, daß sie die ganze Zeit Religionsunterricht hatten, ein Buch, das die älteste, höchste Wahrheit c^yn erm, die Erschaffung der Welt durch Gott, so ohne Commentar und Zuthat an der Stirne trägt, müßte ihnen als das Religionsbuch par exceP lence erscheinen! Welche Anerkennung und Huldigung Gottes als Weltschöpfer in der bloßen Thatsache liegt, daß wir unsere Jahre nach der Erschaffung der 'Welt zählen, daß wir sagen: mit nächstem Rosch Haschono werden es 5657 Jahre, seitdem Gott die Welt erschaffen hat, das sage ich meinetl Schülern — nicht. Das ist wiederum etwas, was sie von selbst fühlen und erfahren müssen, wenn es nicht etwas Gemachtes und Erkünsteltes sein soll. Dafür greise ich eine der bekanntesten kindlichen Schwächen heraus, daß nämlich die Kleinen ä tout prix für größer und älter gelten möchten, als sie wirklich sind, und mache sie auf das Wunder aufmerksam, das diese Erfahrung zu Wege gebracht hat. Sie sind in diesem Augenblick genau dreimal so alt geworden, als sie sich bisher hielten. Sic glaubten, wir lebten im 19. Jahrhundert und nun erfahren sie, daß wir im 57. Jahrhundert leben! Das ist ein Sprung; und das Büchlein, das ihn mit seinem bloßen Titel zu Wege gebracht hat, braucht den Kleinen nicht mehr zur Beachtung und Achtung empfohlen zu werden. Da aber gleich darunter auch die gewöhnlichen Jahreszahlen 1896 und 1897 stehen, so müssen wir uns auch mit ihnen abfinden. Die Kinder erfahren nun, daß die Bekenner des Christenthums ihre Jahre nach dem Auftreten ihres Stifters zählen, und daß nach der gewöhnlichen Annahme seitdem 1896 Jahre verflossen find. Auch die Mohammedaner zählen ihre Jahre nach einem bedeutungsvollen Akte aus dem Leben ihres Propheten. Daß dies ohne jeden Anflug einer Polemik gegen diese beiden Tochterreligionen des Judenthums erörtert wird, braucht nicht erst gesagt zu werden. Man kann diese Zählung vom christlichen Standpunkte begreiflich finden. Wenn diese allgemein übliche Jahreszählung im geschäftlichen, gesellschaftlichen und amtlichen Verkehr auch vom Juden angewendet werden muß, so wird daran Niemand Anstoß nehmen. Wenn aber Juden im Verkehr unter sich, in ihrer Korrespondenz und ihrer Unterhaltung ihre Jahre ebenfalls nach dem Stifter der christlichen Religion zählen, so werden meine Schüler das nach ihrem ersten Unterricht aus meinem Religionsbuch mindestens als eine Gedankenlosigkeit ansehen. Es wird sich sonderbar anmuthen auf jüdischen Gotteshäusern, auf jüdischen Grabsteinen, in den Statuten jüdischer Gemeinden und Vereinen die Jahre angegeben zu finden, die seit dem Auftreten des Stifters der christlichen Religion dahingegangen sind und die Gottesheiligung zu vermissen, welche die bloße Zählung der Jahre nach Erschaffung der Welt durch Gott bedeutet. Meine Kleinen sind nun damit nicht nur einverstanden, sondern es erfüllt sie mit vieler Befriedigung, ganz genau das Alter der Welt zu wissen. Unser „gebildeter" Obersekundaner giebt sich dagegen nicht so leicht zufrieden. Diese Spezies von „Religionsschulen" verdient eine besondere Monographie,

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