Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 56 (13.7.1896)
- Date
- 1896-07-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1072 (rtOTUtf von einigen emo von (Herneinden zu überwachen und zu regeln sind, eine solche Fülle geradezu aufreibender Pflichten, daß sie bei ihrer Gewissenhaftigkeit damit schon vollauf zu thun haben. Dazu kommen die Pflichten in der Gemeinde der Universitätsstadt selbst, die DH1JW in den von ihnen zu erhaltenen Vereinen, die Verwaltung zu den manigfaltigsten, wohlthätigen Zwecken bestimmten Gelder, womöglich noch die Fürsorge für ein jüdisches Institut, das zahlreichen Gemeinden in Jsr. die Rcligionslehrer zu liefern bestimmt ist. Bei einer solchen Ueberlastung müssen wir die Männer, die all diesen Pflichten mit einer geradezu peinlichen Pünktlichkeit Nachkommen, bewundern, anstatt daß man,wie es in dem Artikel geschieht, den Tadel der Pflichtversäumnrß gegen dieselben erhebt. — Um dem dort gerügten Uebelftand, dessen Vorhandensein Niemand, der die Verbältnisse kennt, leugnen wird, abzuhelfen, darf nicht der Rabbiner angegangen werden, der durch die Menge seiner Amtspflichten kaum zu sich kommt, sondern da müssen andere Kräfte herangezogen werden. Ich will mich keiner Utopie hingeben, aber durchführ bar wäre es, daß in den betreffenden Städten die Einrichtung getroffen würde, einen CD!-! “npn, der auch den modernen Ansprüchen auf gediegene wissenschaftliche Ausbildung genügt, zu dem Zwecke anzustellcn, in der Art und Weise früherer Klausrabbiner den Wissensdurstigen stets zur Verfügung zu stehen, auch aus eigener Initiative die Fernstehenden durch Wort und Vorbild für unsere heilige Thora zu erwärmen. Derselbe müßte natürlich nicht nur in erster Reihe in D’pDiD) unterrichten können, sondern er müßte auch in dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Literatur erfahren und in einer auch den Forderungen der Wissenschaft genügenden Interpretation der heiligen Schriften wohl bewandert sein. — Die Mittel zur Besoldung des betreffenden Klausrabbiners, wenn er einmal so genannt werden soll, sowie zur Beschaffung einer entsp.echenden Bibliothek müßten von unseren besser situirten Glaubensgenossen, die jederzeit zur Förderung des Guten und zur Beseitigung von Uebelständen bereit sind, aufgebracht werden, und d e edlen Spender würden dabei vielleicht häufig in ihrem eigensten Interesse handeln, wenn sie in der beruhigenden Ueberzeugung leben können,'daß ihre studirenden Söhne den im Elternhause ihnen eingepflanzten Lehren und Grundsätzen treu geblieben sind und auch in religiöser Beziehung gefördert in dasselbe zurückkehren. „Es bedarf nur der Anregung eines überzeugungstreuen Jehudi, der keinen Aufwand an Zeit und Mühe scheut, wenn es gilt ein so hohes und edles Ziel zu erstreben: '*o? ’T ro Geehrter Herr Redakteur! In Nr. 53 Ihres gesch. Blattes wurde in einem Art. „Aus Süddeutschland" versucht, die Aufmerksamkeit der gesch. Leser auf die jüd. Studenten zu lenken. Da Ihr Herr Korrespondent bei dieser Gelegenheit von dem unbedeutenden Wissen so mancher jüd. Seelsorger spricht, so so möchte ich mir zu diesem Kapitel einige Bemerkungen erlauben, hoffend, daß endlich einmal unsere hervorragenden Rabbiner eintreten für diese hochheilige Sache, von der nichts Geringeres abhängt, als die Existenz des unverfälschten traditionellen Judenthums. Daß diese Behauptung vollauf berechtigt ist, glaube ich nicht er st beweisen zu müssen. Gerade bei uns in Württemberg sind jetzt, da die religiösen Verhältnisse sich G. s. D. zusehends bessern, orthodoxe, mit reichem Wissen ausgestattete Rabbiner dringend nothwendig. Deren Aufgabe wäre es dann, die vielen der Religion Entfremdeten ihr wieder zuzuführen. Dazu muß aber der Seelsorger im Stande sein, die Leute ju überzeugen und überzeugen kann er r ur, wenn er über ein gehöriges Wisse > verfügt, in erster Linie über ein gehöriges Wissen in umin nt£Tipn. Selbstverständlich spreche ich nicht im Interesse Württembergs allein, es ist die Ausbildung befähigter orthodoxer Rabbiner gleichwichtig für alle jüd. Kreise Deutschlands. Was kann cs nützen, wenn der Rabbiner eine Ausbildung erhält, durch die er nur in der Philosophie, in der jüd. Geschichte oder in der Geographie von Palästina rc. zu Hause ist, dagegen er sich rathlos fühlt einer Frage gegenüber, die nur mit O'pOwl D"iy erledigt werden kann? Daß es vielfach mit unseren jungen orthodoxen Rabbinern, die ihre Ausbildung in der angedeuteten Weise erhalten, so aussicht, ist leider Thatsache. Wenn diese Zeilen irgendwie dazu beitragen würden, eine Besserung der Verhältnisse herbcizufübren, würde es mich innig freuen. Die Aufforderung Ihres Herrn Korresp. in Nr. 53 will ich aber dahin ergänzen, daß man bei der Wahl der Rabbiner zunächst Gewicht legen möge auf seine Fähigkeit bezüglich der nioin, auf sein ms’pD in o’pDiDi D"t£f. .Tyan > vermischtes. < London. Der hiesige Verein für jüdische Geschichte hat an Stelle des zurückgetretenen Mr. Lucien Adolf, den Chief Rabbi Dr. Adler gewählt, der sich diese Wahl durch fein lebhaftes Interesse für den Verein verdient hat. Australien« In Perth fand Ende Mai eine Generalversammlung der jüdischen Gemeinde statt, in der über die Errichtung einer Synagoge abgeschlossen wurde. Dieselbe wird 4l0 Plätze erhalten und sind von verschiedenen reichen Mitgliedern der Gemeinde schon Geschenke, Sefer-Thora rc. angeboten worden. Für die ausgeschriebene Stelle eines Ministers sind aus England eine große Anzahl von Bewerbungen eingegangeu, doch sollen noch weitere abgewartet werden Feuilleton. Auf des Lebens Aöh'. Erzählung von S. B. R o s n e r. 16) (Alle Rechte Vorbehalten.) „Sofort Ew. Gnaden," keuchte dieser dienstfertig, noch immer auf dem Bauche liegend, „wenn, wenn-" Wenn er nur wüßte, wie er das anfangen soll, wollte er sagen, denn als er versuchte, sich auf die Arme gestützt, zu erheben, knickten diese unter seiner immensen Last kraftlos zusammen. Da wälzte er sich aus dem Rücken hermn, setzte sich auf und so gelang es ihm schließlich nicht ohne Keuchen und Stöhnen, sich in die Höhe zu arbeiten. Doch der Pfarrer war ein unendlich liebenswürdiger Mann; kaum stand er wieder auf den Füßen, als auch schon das gutmüthigste Lächeln sein Angesicht verklärte. „Thut nichts, Ew. Gnaden," sprach er beruhigend und verneigte sich wie ein Kavalier, „das Ausgleiten auf den irdischen Pfaden hat nichts zu sagen, wenn wir nnr sonst auf den himmlischen sicher wandeln." ..Sehr wahr," versetzte das Fräulein von so