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Der Israelit · 1896-07-13 · Heft 56 (13.7.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 56 (13.7.1896)
Date
1896-07-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1071 pW tocrfagt sei, seinen und der Angehörigen, sowie aller Freunde der Verstorbenen schmerzlichen Gefühlen Ausdruck zu verleihen und das fromme Leben und Wirken der Verblichenen zu schildern, das ihm reichlichen Stoff zu einem “iccn geboten haben würde. Kinder und Verwandte, die jetzigen und ehemaligen Schüler der Höchberger Präparanden-Anstalt, sowie ein großer Kreis von Freunden betrauern den Verlust dieser wahrhaft frommen, liebevollen Frau, die ihrem so früh verstorbenen Gatten 8", eine treue Stütze, ihren Kindern eine sie gottesfürchtig erziehende Mutter, allen eine treue Beratherin und Freundin war. rcawri R. Sprechsaal. Zu unserer Eorrespondcnz aus „Süddcutschland", die jiid Studenten betreffend, sind uns eine Neide Zuschriften zugegangcn, aus welchen wir die folgenden drei, die den Gegenstand von verschiedenen Seiten behandeln, herausgegriffen haben. Berlin, <> Juli. Hochgeehrter Herr Nedalteur! Ein mit dem Kennwortc „Aus Süddentschland" versehener Artikel in der zweiten Beilagedcr Nr 53 des „Israelit" veranlaßt mich, Sie um ein Plätzchen in Ihrem gesch. Blatte für ,'olgcnde Zeilen zu bitte«. Der Herr Verfasser, der „endlich einmal" «als wenn cs ein unabweisbares Bedmsniß gewesen iväre) eine donnernde Tiradc gegen die jüdischen Studenten loslätzt und über die meisten von ihnen ein summarisches Bcrdammungsnrtheil ansspricht, scheint mir entweder ganz außerhalb des akademischen Lebens zu stehen, oder eine sehr geringe Beobachtungsgabe zu besitzen. Garrz abgesehen davon, daß ihm in keiner Weise d.s Recht zusteht, bei der Erwähnung der jüdischen Studenten das Attribut „gebildet" in Anführungszeichen zu setzen, muß ich gegen die Behausung einer „moralischen Versumpfung unter den jüdischen Studenten" entschieden Verwahrung einlegcn. Denn cs leuchtet doch Folgendes ein: Wenn ich in diescnr letzten Passus das Wort „jüdischen" betone, so sollen die Studenten anderer Konfessionen ihren jüdischen Commilitoncn an moralischenr Werth überlegen fein; umb aber „Studenten" hervorgehoben, so sind damit die jüdischen Studenten im Vergleiche mit allen ihren übrigen Glanbcnsgenassen als Juden zweiter Klasse gekennzeichnet. Das Erste zn widerlegen, wird auch der Herr Verfasser wohl für unnölhig halten, und was das Zweite betrisst, so könnte ick leicht das Gegentheil beweisen, wenn ich dieses unleidliche Thema weiterspinnen wollte. Ich konstatire vielmehr, daß die überwiegende Mehrzahl der jüdischen Studenten aus strebsamen und gesetzten Männern besteht, welche lärmenden und unlauteren Vergnügungen abhold, Studenten im wahren Sinne des Wortes sein wollen — und welche uch noch zu einem guten Thcilc der angestammten Neligion treu geblieben sind! Ungeheuerlich, nicht wahr? Und doch wage ich cs zu behaupten gegenüber der „bitteren Wahrheit" des Herrn aus Süddcutschland. Bezahlen Sie mir Zeit und Papier, so will ich mich der Mühe unterziehen, Ihnen alle die nomina amabilia der betreffenden mir b. kannten stndd. jur., med., phil. zur Kenntnis;- nähme cinzusenden, ganz zu geschweige« von den Theologen, die sich die Aufrechtcrhaltung des jüdischen Glaubens durch Wort und That zur Lebensaufgabe gewählt haben. Dagegen isi die Thatsachc nicht himvegzuleugncn, daß der andere, weitaus größere Thcil, den: Zuge der Zeit folgend, gleich vielen christlichen Studiengenossen d in Unglauben anheimgefallen sind. Uabaant sibi! Möge man doch nicht meinen daß diese Leute durch das von dem Herrn Verfasser vo,geschlagene Mittel der Belehrung über den Inhalt und die Ziele der jüdischen Religion auf den rechten Weg gebracht werden könnten; das geht nicht mehr bei erwachsenen Menschen, die von den prickelnden Rnzcn einer rationalistischen We tanschauung gefangen, die bei jeber Gelegenheit die bekannte Laplace'scke Phrase von sich zu ge en bereit sind. O, nein, nicht das Wissen allein macht selig. Nur wo dieVernnnst Licht und das Gefühl Wärme giebt, entspringt echte.Religiosität. Wissen und Glauben müssen eins sein; wie erst Religion den, Denken Richtung und Stoff giebt, so kann sie von der Philosophie, der Wissenschaft, dem Wissen nützt erzeugt werden Uebrigens kann jeder jüdische Studmt, an welcher Universität er auch studiereu möge, immer Belehrung über die Litteratur und das ganze geistige Leben seines Volkes erhalten, wenn er will In den meisten deutschen Universitätsstädten bestehen Vereine zum Studium der hebräischen Bibel, der jüdischen Literatur, in sehr vielen befinden sich Rabbiiicrscmiiiare, Talmndvercine u a m., kurz, wer lerne« will, der braucht nicht lange nach einem ihm zusagenden Rabbiner zu suchen, der das nöiluge Quantum an Bildung, an Lebensart, und was sonst diese geplagten Leute noch alles haben sollen, besitzt. Also nur wollen, liebe Eommilitonen! Und doch, wenn wirklich einmal ein solches Rabbinerphänoinen anfstände, der dem Herrn Verfasser als Ideal vorschwebt, und wenn wirklich alle Abspenstigen sich ihm anvertrauten, sollten dann etwa diese durch Darwin und Häckel im Atheismus Erstarkten plötzlich in nie gekannte oder doch schon längst verlassene Bahnen eintrcten?! Ich ivage nicht zu entscheiden, möchte aber dem, der cs wagt, den cum grano salis zu verstehenden Ausspruch mit auf de« Weg geben: «Koh 8., 8) nnn N17P8 nrD ü"?& DIN p«. Mit ausgezeichneter Hochachtung Berthold Qstcr, <tnd. phil. Mit Bezugnahme auf Ihren jüngsten Artikel ans Süddculschland erlaube ich mir, Sic um Aufnahme folgender Zeilen zu bitten: So sehr ich auch überzeugt bin, daß der Einsender genannten Artikels das Beste in, Auge hatte und durch seinen Nothschrci einem llebclstande abzuhelfen hoffte, umsomehr muß ein einigermaßen gründlich prüfender Beobachter die Wahrnehmung machen, daß die schweren Vorwürfe, die gegen einige Rabbinen in Universitätsstädten erhoben werden, ungerechtfertigt sind, und daß der bctrefserrde Einsender sich durch seinen heiligen Eifer zu einer nicht reiflich genug überlegten Handlung hat hinreißcn lassen. Denn wäre cs richtig, daß die betreffenden Rabbiner, infolge der dort gerügten Mängel nicht im Stande sind, die jüdischen Studenten der verschiedener, religiöser, Richtungen an sich zu fesseln und in religiöser Hin sicht zu fördern, so stehen wir eben vor einem zu bedauernden fait accompli, das durch keinen Zeitungsartikel gut gemacht werden kann, und die erhobene Anklage wäre zum mindesten verspätet und daher zwecklos. Aber noch schwerer wiegt der Vorwurf gegen den betreffenden Einsender, wenn nach ewicscn werden kann, daß ein Rabbiner, selbst ivcnn er in jeder Beziehung noch so tüchtig und fähig ist, durch die Last der ihm näher liegenden Pflichten gar nicht im Stande ist, in der zu wüi,schcndcn Weise auf die jüd. Studenten einznnirken. Gerade die Rabbinen in Universitätsstädten haben, wenn inich die mir vorschwebcnden Beispiele nicht täuschen, durch den zum Rabbinat gehörigen Bezirk, wo oft die rituellen Institutionen , mpD ,p“i IY3)

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