Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 56 (13.7.1896)
- Date
- 1896-07-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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beim Schächten zugegen sein und sich durch eigene Anschauung von der Qualification des Schochet überzeugen. Der betr. Schochet, der schon in vorgerückten Jahren ist, war jedoch nicht im Stande, das Messer gut zu stellen. Nachdem er sich 8U Stunden erfolglos bemüht hatte, blieb Herrn Dr. Korufein nichts übrig, als das Messer selbst in Stand zu setzen. Nachdem dies geschehen war, schachtete der Schochet. Das Messer war auch nach der Schechita noch gut, aber Herr Dr. Kornfein brachte demselben zwei große Scharten bei, die der ebenfalls asiftirende Rabbinats- Candidal Bamberger und sogar der Metzger sofort fanden, von dem Schochet aber nicht wahrgenommen wurden. — Es kam dann ein anderer Schochet, der einem anderen Rabbiner unterstellt ist; dieser war bereit, mit einem Messer zu schachten, in welchem Herr Dr. Kornfein ebenfalls zwei mwe eonstatirte. — Herr Dr. Kornfein setzte den Vorgesetzten Rabbiner des zweiten Schochet, und Herr Bamberger den des ersten Schochet von dem Vorgefallenen in Kenntniß. Der Züricher Metzger hat nach dem Vorgefallenen selbstredend darauf verzichten müssen, von solchen Schochtim an der badischen Grenze schachten zu lasten. — Aber für uns scheinen die beiden Schochtim noch gut genug zu sein. Sie praktiziren nach wie vor weiter. Der zuerst genannte Schochet soll sogar in Folge dieses Vorfalls neuerdings von dem zuständigen Rabbiner zum Schächten autorisirt worden sein. Thatsache ist jedenfalls, daß der Rabbiner an die Vorsteher der Synagogengemeinden ein Rundschreiben gerichtet hat, worin er dieselben anweist, den Schochtim zu verbieten, daß sie sich von keinem anderen Rabbiner als dem zuständigen prüfen lasten!! Wir beschränken uns diesmal auf die bloße Widergabe der Thatsachen. — Wenn sich die Gemeinden diese Zustände gefallen lasten, wenn die Herren Rabbinen diese Geschehnisse durch ihr Schweigen bestätigen, dann werden wir uns erlauben, auf die Sache mit Nennung der Namen zurückzukommen. O e st er r. -Ungar. Monarchie. Budapest, 12. Juli. (E i n e j ü d i s ch e D eputation an Bischof Bubi cs). Eine Deputation der Kaschauer Judengemeinde begab sich unter der Führung des Ober-Rabbiners Simon Händler zürn dortigen römisch-katholischen Bischof, Dr. Sigmund Bubics, um denselben aus Anlaß seiner Ernennung zum Wirklichen Geheimen Rathe zu beglückwünschen. Auf die Ansprache des Ober-Rabbiners erwiderte Bischof Bubies ungefähr Folgendes: „Ich sage Sr. Ehrwürden dem Herrn Redner für seine glänzende Ansprache meinen besten Dank. Seine Worte haben auf mich einen unvergeßlichen Eindruck gemacht. Der Allmächtige erhalte ihn noch lange im Besitze seiner Kraft und seiner geistigen Fähigkeiten. Sofern die! geehrte Deputation Ihre Religions-Gemeinde vertritt, wollen Sie derselben meinen Segen überbringen. Ich weiß, daß die größte Glückseligkeit eines Menschen die Religion bildet, und sowie es unstatthaft ist, das Glück des Anderen zu stören, so ist es auch nicht erlaubt, seine Religion zu stören. Als Functionär unserer Kirche habe ich immer dahin gestrebt, daß alle meine Gläubigen die Religion und die Neberzcugung des Andersgläubigen in Ehren halten. Ich persönlich empfinde für die israelitische Confession große Hochachtung, nicht nur weil ihre heiligen Bücher auch unsere heiligen Bücher sind, sondern weil ihre Angehörigen Gott in so hohem Maße ehren, daß sie, obgleich sie eine Vorstellung von ihm haben und ihn auffassen, soweit es der menschlichen Vernunft möglich ist, aus Ehrfurcht seinen Namen niemals allssprechen. Nachdem es meine Ueberzeugung ist, daß auch im Staatsleben die Achtung der lebensfähigen Kräfte, sei es auf dem Gebiete der Wissenschaft oder des Handels und der Industrie, außerordentlich wichtig ist, halte ich es für wünschenswerth, daß sich auch in unserer Stadt die Kräfte vereinigeil, und daß insbesondere die gebildeten und befähigten Individuen einander gegenseitig unterstützen. Damit allein wird der Fortschritt gesichert. Seien Sie überzeugt, daß mir Ihr Glückwünsch große Freude bereitet, und daß sich die beredten Worte Ihres ehrwürdigen Sprechers, welche auf mich so große Wirkung übten, niemals vergessen werde." Rußland. Petersburg. Verschiedene Thatsachen weisen darauf hin, daß die russische Regierung mit dem Regierungsantritt des jetzigen Kaisers den Juden gegenüber eine weniger schroffe Haltung einnimmt, als dies unter dem früheren Kaiser der Fall gewesen war. Der „Odeskij Llstok" verzeichnet soeben wieder eine weitere derartige Thatsache. Danach hat das Medizinaldepartement aus Veranlassung eines speziellen Falles angeordnet, daß diejenigen Juden, welche vier Klassen eines Gy nuasiums absolvirt haben, in unbeschränkter Anzahl bei den Apotheken als Praktikanten behufs der Ausbildung zu Apothekern eintreten können, und daß die in den letzten Jahren vorgeschriebene Norm, welche die Zahl der Mischen Praktikanten auf 5 pCt. beschränkte, nicht lveiter eingehalten zu werden braucht. > Derfonatien. -f Aus Unterfrauken. Von Nah und Fern waren pw rer r'3 Verwandte, Freunde lind Bckanltte herbeigeeilt, uni Frau Bella Ehrenreich m*, der Wittwe des Rabbiners Jak. Ehrenreich in Höchberg die letzten Ehre zu ertveisen. Am Grabe.sprach Sr. Ehrw. Herr Distr.-Rabb. Bamberger^ausiWürzburg sein Bedauern aus, daß es ihnr wegen des