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Der Israelit · 1896-07-09 · Heft 55 (9.7.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 55 (9.7.1896)
Date
1896-07-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1051 auf den ihm hingestellten Stuhl zu setzen, schritt der Offizier auf den Bauer zu und schimpfte in den gemeinsten Ausdrücken, weil derselbe sich nicht erhoben und der kaiserlichen Uniform nicht den gehörigen Respekt erwiesen habe. Der Bauer erwiederte höflich, daß er nicht verpflichtet sei, jeden Offizier zu grüßen, da er nicht Soldat sei. Darauf griff der Offizier den Bauer in brutaler Weise an, indem er mit seinen Fäusten den Kopf und die Brust desselben bearbeitete. Der Bauer leistete keinen Widerstand, sondern versuchte aus der Kneipe heraus zu kommen. Das setzte den Offizier noch mehr in Wuth und in wenigen Minuten war der Bauer bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen; Kopf und Gesicht desselben waren blutüberströmt. Der jüdische Gastwirth stürzte sich jetzt auf den Offizier, um ihn zurückzuhalten und erklärte ihm, daß er kein Recht habe, den Bauern anzugreifen. Der Offizier drohte zuerst, den Wirth niederzuschießen, stürzte dann aber plötzlich hinaus mit der drohenden Bemerkung, daß er gründlich Rache an dem Juden und seinem Volke nehmen werde. Er eilte darauf ins Lager und machte gegenüber seinen Untergebenen und den unter seinem Kommando stehenden Soldaten einige Bemerkungen, gab einem Unteroffizier und ungefähr 100 Mann Befehl, sich sofort in die Stadt zu begeben und den jüdischen Einwohnern eine „gründliche Lektion" zu ertheilen, wobei er es den Soldaten ganz freistellte, in welcher Weise sie die Züchtigung vornehmen wollten. Sechs Stunden später waren alle jüdischen und viele von Christen bewohnten Häuser zerstört oder geplündert. In den Straßen lagen zerbrochene Möbel, verheirathete Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt, mehrere Personen sollen getödtet und viele verwundet worden sein. Der gewaltthätige Offizier und seine Soldaten sollen später gefangen nach Kiew abgeführt worden sein. Den Provinzblättern wurde verboten, etwas über die Affaire zu veröffentlichen. Amerika. New-Uork. Kaum sind 3 Jahre verflossen, seitdem einige unserer wohlthätig gesinnten Glaubensgenossen, mit dem wohlbekannten Philantropen JonaS Weil an der Spitze, den löblichen Entschluß faßten, ein jüdisches Hospital zu gründen. Es sollte hiermit ein doppelter Zweck verbunden werden. Erstens war es evident, daß für die 250,000 Juden in der Stadt Rew-Aork ein jüdisches Hospital, das Mount Sinai, den Anforderungen nicht entsprechen könne. Zweitens war es eine bekannte Thatsache, daß ein großer Theil unserer Glaubensgenossen von der Ostseite in Krankheitsfällen nicht dazu zu bewegen war, nach dem Hospitale zu gehen, weil sie die nicht koschere Kost scheuten. Es sollte also ein Hosspital gegründet werden, welches Alles zu bieten im Stande sei: Geräumigkeit, erste Klaffe ärztliche Behandlung, sorgfältige Pflege und dabei soll es strikt rituell geführt werden. Die Idee war bei einer Versammlung der ^.guäatb Hakeholotli von Herrn Jonas Weil angeregt und als einige der Anwesenden achselzuckend über die Unmöglichkeit der Ausführung dieser Idee sprachen, kam Herr Weil mit dem Argumente heraus Lmor meat wa-asz6 harbo, indem er erklärte, daß er Willens ist, aus eigener Tasche Doll. 10,000 für den Zweck herzugeben, außerdem aber will er es sich zum Lebenszweck machen, seine ganze freie Zeit dem Wohle dieses Institutes zu widmen. Solche Argumente sind überzeugend und seinem Beispiele folgten mehrere wohlthätig gesinnte Männer mit verschiedenen Summen. Die Aussuchung eines paffenden Platzes für ein Hospital war keine geringe Arbeit, aber where tliere 18 a will tliere is a way, und der hebräische Satz Jogati mozoszi, hat sich noch niemals besser bewahrheitet, als bei dieser Gelegenheit. An 149. Str. und Westchefter Ave., auf einer Anhöhe von über 100 Fuß über dem Meeresspiegel, stand ein Nonnenkloster; ein schloßartiges Gebäude mit prachtvoll lichten Räumen, umgeben von Gebüsch und Bäumen, inmitten eines Areals von über 40 Lots. Aber nicht nur ein Hauptgebäude stand da, sondern auch Nebengebäude, eingerichtet für Vieh- und Geflügelzucht; auch das Feld war nicht brach gelegen, sondern war eingetheilt in Alleen, Blumen- und Gemüsegärten. Dieses Gebäude wurde für Doll. 85,000 angekauft und repräsentirt heute einen Werth von Doll. 200,000, also beinahe das 3fache des Kaufpreises. Alles das zu beschreiben, was Herr Jonas Weil für dieses Hospital gethan, würde Seiten füllen, wir wollen hier nur so vül bemerken, daß er seinen Zweck erreicht hat, denn wenn auch die Verwaltung mit den Schwierigkeiten des Anfangs zu kämpfen hat, konnte er doch in seinem Berichte mit gerechtem Stolze ausrufen: We are here to stay. * Am Sonntag, den 31. Mai, wurde eine General« Versammlung der Mitglieder der Hospital-Gesellschaft abgehalten. Präsident Jonas Weil eröffncle die Versammlung und verlas unter lebhaftem Beifall den Jahresbericht. Hierauf verlas Dr. Waldo folgenden Bericht über die Behandlung der Patienten, welcher ebenfalls mit großem Beifall ausgenommen wurde. Während des Jahres wurden 585 Applikanten ausgenommen, von den 301 vollständig kurirt, 171 theilweise kurirt —■ wiederkehrende Leiden —, 30 sind als unheilbar entlaffen, 2 wurden nach dem Bellevue Hospital transferirt — geisteskrank — und

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