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Der Israelit · 1896-07-06 · Heft 54 (6.7.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 54 (6.7.1896)
Date
1896-07-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1041 der auf dieser Insel gelebt, gelehrt und gewirkt, vergessen. Es ist dies der m:pa '"i, der in der gleichfalls auf Kreta gelegenen Stadt Kandia als Rabbiner fungirt und sogar eine große Jeschiba dort geleitet hat. rx:b :?bv >" üvrn ibamaU gehörte nun Kreta, oder wie es damals hieß, die Insel Kandia, den Venet Lauern, deren Statthalter in der gleichnamigen Stadt residirte. Die Stadt Kandia besaß damals eine große jüdische Gemeinde mit mehreren Synagogen und von weit und breit strömten Schüler herbei, um zu den Füßen dieses großen Mannes 31t sitzen. Leider dauerte diese jüdische Herrlichkeit nicht lange, da die Republik Venedig alle Juden ans ihren Besitzungen im Mittelmeere vertrieb. Einige Jahre nach der Vertreibung der Inden landete ein türkisches Heer aus Kandia und vertrieb wieder die Venetianer von dort. So rächt sich Alles auf Erden. R u ß l a n d. St. Petersburg, 28. Juni. Die russische Sekte der sogenannten Subboiniki (Sabbat-Beobachter) scheint in letzter Zeit eine Entwickelung zu nehmen, welche für uns Juden nicht ohne Interesse ist. Die „St. Petersburgskija Wiedomosti" berichten hierüber in einer der letzten Nummern: „Unter den transkaukasischen Sektirern ist eine neue Bewegung zu beobachten. In mehreren Dörfern sind die Sektirer zur Ueberzeugung gelangt, daß es nicht genügt, sich daraus zu beschränken, die jüdische Religion zu bekennen. Sie wollen weiter gehen und haben, dem Beispiele einiger ihrer Repräsentanten im europäischen Rußland folgend, beschlossen, ganz zum Judenthum überzutreten. Gegenwärtig sind wir, sagen sie, weder Juden, noch Rechtgläubige; die Juden betrachten uns nicht als ihre Glaubensgenossen und wollen mit uns keine Ehe eingehen; die Rechtgläubigen hinwiederum holten sich von uns wegen unseres Judenthums fern. Sind wir aber einmal zu der Ueberzeugung gelangt, daß die wahre Religion die jüdische ist, so müssen wir auch dahin streben, voll und ganz Juden zu werden, nicht nur in der Religion, sondern auch in Sitten und Gebräuchen. Die Anhänger dieser neuen Bewegung haben sich bereits Bücher in hebräischer Sprache besorgt, studiren fleißig aus ihnen und lehren auch ihre Kinder hebräisch lesen und schreiben. Sie tragen bereits Käppchen, essen jüdische Speisen und suchen überhaupt in jeder Beziehung die Juden zu copiren. Interessant ist aber die Thatsackie daß die Juden selbst die so zu Juden gewordenen Subbotniki nicht als ihre Glaubensgenossen anerkennen. Vor Kurzem wollte einer von den Anhängern dieser neuen Lehre eine Jüdin heirathen; obgleich er aber aus sehr reichem Hause, das jüdische Mädchen dagegen arm war, so haben die Eltern der letzteren diese Verbindung dennoch nicht zugelassen." Mohilew. In einem Dorfe in der Nähe hiesiger Stadt wohnt der jüdische Gastwirth B. Am verflossenen Erew Peßach kamen zwei junge Leute und wollten bei ihm über die ersten Tage Jom Tow bleiben. Er nahm sie freundlich aus. Am ersten Sederabend bei Scli’fauch chamos’cho trat ein Mann in einen seidenen Kaftan gekleidet, mit langem weißen Bart ein, trank vom Becher des Elijahu Hanovi und ging wieder hinaus. Der Hausherr war sehr erregt und fragte die beiden jungen Fremden: „Habt Ihr gesehen, wer da war?" „Wir sahen nichts", antworteten sie. Als er ihnen nun seine Beobachtungen mittheilte,sprachen sie, „das war gewiß Elijaliu hanovi.'' Warum hast Du ihn nicht gebeten. Dich zu segnen?" Der Mann sah seine Dummheit ein und wartete mit Sehnsucht auf den zweiten Sederabend. Und richtig, am zweiten Sederabend kam der „Prophet" wieder. Der Hausherr sprang auf, küßte das Gewand des „Propheten" und sprach: „Segne mich, mein Vater!" Er segnete ihn, fügte aber hinzu, wenn der Segen auch das Vermögen treffen solle, muffe er es beim Segen sehen. Darauf führte der Hausherr den Fremden in's Nebenzimmer, zeigte ihm Silber und Gold und Staatspapiere im Betrage von 2000 Rubeln. Der Prophet segnete auch dieses und der Hausherr war voller Freude. Nachts erschien aber Elijahu Hanovi nochmals, begleitet von den zwei jungen Fremden und begab sich mit ihnen in das Zimmer, wo das Vermögen aufbewabrt war und — nahm Alles mit. Die Polizei erwischte aber den „Propheten" und die „Prophetenschüler" und in ihren Säcken fand man noch Alles vor, das Vermögen nebst dem seidenen Kaftan und den: weißen „Barte des Propheten." So kommt es, daß diese ehrwürdige Gesellschaft demnächst gerichtlich für ihre „segensvolle" Wirksamkeit verantwortlich gemacht wird. — England. London. Der „Jewish Ehronicle", dem wir die Verantwortung für die Authencität dieser Nachricht überlassen müssen, bringt die folgende interessante Aeußeruug des Grafen Leo Tolstoi über den Antisemitismus : „Frei herausgesagt, ich verstehe weder diese Partei, noch die Mittel in diesem Kampfe, noch die Frauen, welche die Antisemiten unterstützen. Kürzlich erhielt ich den Besuch eines österreichischen Abgeordneten, der mir auseinandersetzen wollte, daß die Antisemiten die wahren Liberalen seien und nur den Kapitalismus bekämpften. „Aber was hat das mit der Gleichheit zu thun?" fragte ich, „für mich ist die Gleichheit Aller vor dem Gesetze eine unumstößliche Forderung! Welches Elend, wenn diese Forderung nicht in der Verfassung gewährleistet ist. Roch größer freilich ist das Unrecht, wenn dies

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