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Der Israelit · 1896-07-06 · Heft 54 (6.7.1896) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 54 (6.7.1896)
Date
1896-07-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1042 Riecht festgeleqt ist und doch die Regicruiisi es nicht beobachtet. Ünser Kaise r ist ein Fcind deZ A u t i f e m i t i s m n s! Erst vor wenigen Tagen wurde ihm eine ^iste von Offizieren zur Beförderung vorgelegt, in der sich auch die übliche Rubrik „Religion" befand. „Wo zu ist es nöth ig, die Religion anzugeben", rief der Zzar 'Nikolaus II. aus, „sie hat nichts mit dem Verdienst zu thun." London. Ein großes Fest fand kürzlich zu Gunsten des Metropolitan-Hospitals statt, an dem Juden wie Christen zahlreich theilnahmen. Bei diesem Bankett wurde auch eine Sammlung veranstaltet, die im Ganzen 55,000 M. ergab. Darunter figuriren circa 10,000 M. Beitrüge von Juden, an der Spitze ein einmaliger und ein Jahresbetrag von je 1100 M., welche die Firma Rothschild gezeichnet hatte. Diese große Wohlthätigkeit der Juden auch nichtjüdischen Anstalten gegenüber fand rühmende Anerkennung in einem von Lord Battersea gesprochenen Toast, in welchem dieser aussührte, daß mehr als eine gemeinnützige Anstalt wesentlich ihre Existenz jüdischer Freigebigkeit verdanke. vermischtes Berlin. (A n t i s e m i t i s m u S i u d c r B u r f ch c »- ) d) a r t.) Cf in alter Herr einer vreußiscchen Burschenschaft schreibt: „Meiner Information nach ist der Antrag der Jenenser Burschenschaft Germania aus Ausschluß der Huden zurückge: zogen worden. Die Ausschließung jüdischer Studenten ist demgemäß nicht zum Beschluß erhoben worden, wenigstens nicht zu einen! generellen für alle A-IBurschenschaften geworden In wieiveit die einzelnen Burschenschaften jede für sid) allein, der antisemischen Strömung nachgebend, Huden von der Ausirahnie ausschließen, sei es^anf Grund bivcctcv für die einzelne Burschenschaft gültiger Statuten, Paragrapen oder ohne solche direetc Kundgebung in der Praxis, vermag ich nicht anzugeben. Zweifellos ist and) in den Burschen: schäften eine starte antisemitische Strömung vorhanden, fodaß sicherlid) B. die Zahl jüdischer aetiver Burschensdiafter, wenn foldie üverhaupt eristiren, sehr klein ist Cs haben wohl schon seit längerer Zeit jüdisd)e Studenten nicht mehr den Versuch gemacht, die Aufnahme nad-zusuchen, weil sie befürditeu mußten, abgelehnt zu werden Einige wenige Stimmen gegen eine Aufnahme abgegeben, genügen stets zur Ablehnung eines Bewerbers." Wien. In diesem Jahre — und wenn die Zustände dieselben bleiben — wohl noch in manchem kommenden, wird in Wien kein Saatenmarkt mehr abgehalten werden; welch unberechenbarer Schaden den Wiener Geschäftsleuten daraus erwächst, mögen sidi Diejenigen merken, die diese Zustände herbeigeführt. Budapest. (C in Cr pr e ssung s v er s u ch an B ar on A lbert Nothschil d.) Der Infanterist Carl Benedek, der dieser Tage verhaftet wurde, weil er an Baron Albert Rothschild und andere Persönlid)keiteu Drohbriefe gesdiickt hatte, zählt erst l8 Jahre. Trotz seiner Jugend hatte er eine sehr bewegte Vergangenheit hinter sid). Nachdem mehrere seiner Unternehmungen mißglückten, meldete er sich freiwillig zum Militärdienst. Ot soll angeblich in Rußland viel mit Anarchisten verkehrt haben. Die Untersuchung, welche auf mehrere seiner Kameraden ausgedehnt wtlrde, hat bisher uidits Positives zu Tage gefördert. Die Polizei soll übrigens die Ueberzeuguug geivouiien haben, daß man es hier mit den leeren Drohungen eines unreifen Burscheil zu thun habe. Bei Benedek wurde die rothe Tinte, mit der die Briefe geschrieben waren, soivie das Conccpt des au Baron Rothsdfild gerid)teteu Schreibens voi gefunden. Der Wortlaut dieses Briefes war folgender: „Herr Baron! Der Anardiismus kennt keilte Titel und Würden. Vor uns ist Jeder gleid). Ihnen hat das dumme Geschick unzählige Millionen gegeben, weld)e Sie dem Dienste der Menschheit entziehen. Dies ist eine himuielsdireieude Ungerechtigkeit, weldie man nicht dulden darf. Wir haben hohe Ziele. Unser Priueip, dem ivir zum Siege verhelfen wollen, ist, daß 'Jiicinanb mehr haben möge, als der Andere. Zur Ausführung dieses Zweckes fd)affeu wir Mittel. Jetzt wenden wir uns an Sie. Wir niad)en Sie aufmerksam, daß wir unseren Wünschen and) Geltung zu verschaffen vermögen. Unser Bund arbeitet überall, unbemerkbar, aber sicher. Wir bedürfen zu unserer ersten Aetion dringend 120.000 fl., sage huiidertzwal,zigtausend Gulden, und diese erwarten wir von Ihnen. Senden Sie den Betrag binnen ad)t Tagen um so gewisser an die poste rc^tanre-Abtheilung der Budapester Hauptpost unter der Chiffre: „Arbeit 1890", weil Sie sonst, bevor es Ihnen ilod) angenehm wäre, alis der Reihe der gebenden ohne (stunde vertilgt werden. Budapest, den 1. Juni 1896. Im Namen des Anardiisteiibuildes: Die „Bampure der Anarchie". Bttdapest. Nach der neuesten Volkszähluilg leben hier 100600 Juden, darunter 298 Aerzte, 230 Advokaten, 02 Professoren, 20 Arcchitekten, 40 Ingenieure, 14 Journalisten, 0 Bildhaller, 6 Opernsängern und 0 Komponisten. Audi unter den Politikern sind viele Juden von Bedeutuilg: im Dberhause haben zwei, in der Dcputirtenkammer 9 Sitze inne, lvozu Ilod) 2 Staatsräthe kommen. Grodzicko l Galizien). (Ein Schwurgerichts- U r t h e i I. Jul Monate März d. I. wurde der hier ansäßige 36 Jahre alt jüdisclie Hausirer, NRmens Jacob Thei, von dem Bauern Mostet c^ack in Grodzickogoruo ermordet. Der Bauer war bau Hausirer einen geringen Betrag schuldig, wurde verklagt llnd zllr Zahlung verurthellt. Der Halisirer bewilligte dein Bauer die Tilgung der Sd)uld in Rathenzahllmgeii. Jill März erschien der Hausirer, um feinen Restbetrag von 2 sl. cinjuforbern; der Bauer wünschte diesen Betrag gesdieukt u>ld als der Hausirer sid) weigerte, ergriff der Bauer einen Holzwat vom Wäschemangel und versetzte deul Jlideli dnillit einen Hieb derart auf den Kopf, daß er sofort nicberficl. Der unglückliche Hausirer raffte sich noch auf, tief zll einem christlichen Nachbar, um ihm den Vorfall;n berichten, worauf er bann sein 9eben aushauchte. Er hinterläßt eilte arme Wittwe mit fünf unversorgten Kindern. Gegen den Mörder fand vorige Wod)e in Nzcszow vor dem Schwurgericht die Sd)lus;verhandluiig statt. Der Mörder ivurde von den Gesd)wornen freigesprochen. Pretzpurg. In Döbling bei Wien verstarb Freitag nadl längerem beiden FrauSelma Deutsch im Alter von 70 Jahren. Als sie ihr Ende herailnahen fühlte, bat sie, ihre Leiche aus bent altehrwürdigeu Friedhofe zu Prcßburg zu überführen, um neben ihrem verstorbenen (.statten, Herrn Ignatz Deutsch, k k. Hofwedislcr zu ruhen. Ihr Verlangen wurde and) erfüllt. Die große Betheiliguug am Leichenbegäiignisse legte Zeugniß ab, weld)e Verehrung die Verklärte genoß. Die 9eid)c wurde in die Halle Unseres Friedhofes gebradit, wo H.rr Rabbiiiats-Asiesfor Samtiel Donath einen tiefgeführten ad)inf der edlen Verblichenen widmete. L. S.

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