Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 54 (6.7.1896)
- Date
- 1896-07-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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10s6 städten des Mittelmeeres wandten. Seit dieser Zeit war der hiesige Rabbinerposten vacant und das so ersparte Gehalt wurde den Armen unserer Gemeinde zugewendet. Nun sieht man jedoch langsam ein, daß es in einer so großen Gemeinde, wie die unserige, ohne Rabbiner nicht geht — schon die Esrogimaussuhr leidet darunter — und unser Vorstand will daher noch vor den herannahenden hohen Feiertagen einen Concurs auf den erledigten. Rabbinerposten hier ausschreiben. Palästina. (2) Jerusalem rsw, 9. Juni. Ein hier domicilirender deutscher Arzt aus Oesterreich, der schon einige Heilquellen im Jordanthale und in der Umgebung des Genezarethsees wissenschaftlich untersucht und sich dann auch praktisch von den sanitären Erfolgen derselben überzeugt hat, macht nun Propaganda dafür, daß diese Quellen, die sich fast alle noch in einem primitiven, wenn nicht gar in einem elenden Zustande befinden, in fashionable Curorte, auögeftattet mit den modernsten Bequemlichkeiten, umgewandelt werden mögen. Die Idee des Arztes hat in Europa, besonders in Frankreich und Rußland, aus welchen Ländern die meisten Palästinapilger kommen, eine begeisterte Aufnahme gefunden, da man erwartet, daß die Tausende von Pilgern, die jährlich nach den heiligen Stätten wallen, nun diese Gelegenheit auch dazu benützen werden, um irgend einen palästinensischen Cur- und Badeort auszusuchen. Der hiesige Gouverneur interessirt sich gleichfalls für dieses Projekt und hat auch schon versprochen, dasselbe kräftigst zu fördern._ Gerichtszeitung Nürnberg, 29. Juni. Ein antisemitischer Agitator stand vor dem Schöffengerichte in der Person des früheren Rentamtsbeiboten Bräg Er wurde nach der „A. Abztg." erwischt, als er an einem Hause eines hiesigen Israeliten durch einen Stempel die Worte aufdrückte: „Hier wohnt ein Jude." Es wurde nun der Verdacht rege, daß Bräg auch in vorigem Jahre an den hiesigen Plakatsäulen durch Stempel antisemitische Bemerkungen den dort befindlichen Plakaten ausgedrückt habe. Dies konnte in der Verhandlung nicht nachgewiefen werden: dagegen wurde Bräg überführt, daß er in Lindau an einer Plakatsäule die Plakate mit antisemitischen Bemerkungen durch einen ausgeprägten Stempel beschmiert hatte. Er wurde wegen Sachbeschädigung (in Lindau begangen) zu einer Woche Gefängniß und wegen „groben Unfugs" durch die Anbringung einer Bemerkung an dem Hause eines Israeliten zu drei Tagen Haft verurtheilt. Vermischtes. < Königshofen i. Grabf Es dürfte den jüdischen Leser interdsfiren, daß in dem benachbarten Dorfe Höchheim noch ein alter israelit. Veteran lebt, vielleicht der einzige noch lebende, der im Jahre 1831 mit den bayerischen Truppen zur Einsetzung des Königs Otto nach Griechenland zog. Sein Name ist Jsak Metzger (Sattler). Der nunmehr Ende der 80cr Jahre stehende, würdige Greis ist ganz mittellos, und es wäre in der That ein edles Werk, dem armen, hockbetagten und unbescholtenen Manne eine Unterstützug zukommen zu lassen. ' Wien. (Eine jüdis ch-r ituelle Trauung.) Vor Kurzem wurde der Kaufmann Hillel Bober von dem Bezirksgerichte wegen Betruges zu einem Monate Arrests verurtheilt, weil er ein Brautpaar nach jüdisch-rituellem Ritus getraut hatte Der Appellsenat unter Vorsitz des Landesgcrichtsrathes Dr. v. Grohmann hob heute das Urtheil, dem Anträge des Vertheidigers Dr. Raphael Klein gemäß, auf und sprach den Angeklagten frei, weil erwiesen wurde, daß Bober das Brautpaar aufmerksam gemacht habe, die von ihm vollzogene Trauung sei vor dem Staatsgesetze ungiltig, und weil ferner nach einem Gutachten der israelitischen Eultusgemeinde Bober die Eignung für eine solche rituelle Eheschließung besitze. Görz. Hier im österreichischen Küstenlande wohnen bekanntlich zwei Nationen: Italiener und Slaven (Slovenen.) Erstere verabscheuen den Antisemitismus, wogegen Letztere ihm zugethan sind. Um nun diesen eine angenehme Lektüre zu verschaffen, hat das dahier erscheinende klerikale Blättchen „Leo äel laterale" eine ganz^ Blumenlese aus den Schriften jüdischer Renegaten und sogenannter christlicher Gelehrten über den Ritualmord veröffentlicht. Daraufhin veröffentlichte ein Mitglied unserer Gemeinde, Herr Benedetto Morp u rg o, eine Gegenschrift, in der er nachwies, daß alle diese Renegaten und Gelehrten nur gelogen haben Das „Echo“ hat nun seinen Feldzug gegen die Juden wieder eingestellt. Vor einigen Tag«n hat sich hier unter dem Vorsitze des Staatsanwaltes Ritter v. Canevari ein Verein zur Unterstützung entlassener Sträflinge gebildet und wurde in den Vorstand desselben auch der genannte Herr Morpurgo berufen. Dieser hat auch schon dem Vereine achtzig neue Mitglieder, zumeist Israeliten, zugefuhrt, wofür ihm nun Ritter v. Eanevari seinen besondern Dank abstattete. HidalmaS (Siebenbürgen.) Die in unserer Gemeinde in Einvernehmen der berühmten hervorragenden orthodoxen Rabbinen zu Budapest, Großwardein, Dees, Entrodam gegründete Erste Siebenbürger min HiD’ wird am 1. Cheschwan TJ""in mit ihrer Thätigkeit beginnen. Die Tendenz dieses Vereins ist eine vierklassige Schule für solche Schüler, die nich unter 12 und nicht über 16 Jahr alt sind zu errichten, woselbst die Schüler (unbemittelte unentgeltlich) zum selbstständigen Besuch einer namhaften TO*»* gut vorbereitet, in D’JiWtn 'Din ,N"1D1 ,rutW3 ,N1pD pnp-j -idiö »*Q"n m^n, D’jnrwi einen geregelten, gründlichen und gedeihlichen Unterricht und dem Staatsgesetze entsprechend ebenfalls in den Profangegenständen erhalten sollen. Feuilleton. Auf des Lebens Köh'. Erzählung von S. B. R o s n e r. 14) (Alle Rechte Vorbehalten.) Es entstand eine längere Pause. Plötzlich erhob sich Gottfried elastisch und sprach entschlossen: „Komm, laß uns zu unfern Freunden gehen, denen wir schon viel Zeit entzogen haben." Der Greis nickte einverstanden mit dem Kopfe — und schritt voran. In ein mäßig großes Gemach führte sie ihr Weg, welches auf den ersten Blick als ein Gelehrtenheim erkannt werden konnte. Hohe