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Der Israelit · 1896-07-06 · Heft 54 (6.7.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 54 (6.7.1896)
Date
1896-07-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1035 Nummer der „Dürkheimer Zeitung" in die Hand, aus der ich zu meinem Erstaunen erfuhr, daß es e in e nn t e r jüdischer Leitung stehende jüdische Anstalt, nämlich die „Bärmann'sche Gewerbe- und Handelss ch n l e" in D ü r k h e i m war, welche mit Lehrern und Schülern zusammen in zwei christlichen Wirthschaften das Mittagsulahl eingenommen hat. Und das wagt man noch in die Zeitung zu stellen. Ich warne jüd. Eltern davor, ihre Kinder einer solchen Anstalt anzuoertraucn, deren gegenwärtiger Leiter, Herr Leopold Bärmann, überdies mit einer Nichtjüdin verlobt it't und mit ihr demnächst Die Ehe entgehen wird. O e st e r r. - U n g a r> M o n a r ch ie. Btt-apest. Gelegentlich der MillenniumS-Ausstellung, als der Ordens regen aus Juden beider Richtungen niedersiel — gerade in dem Augenblicke als Lueger, den J<'ckai in einem Feuilleton den „Clown ail der Spitze eines Rarreusyuhedrions" einen Vernichtungskrieg gegen Ungarn und ungarische Juden predigte, hat der Schreiber dieses Einblick genommen in die Verwaltung der Pester israelitischen ReligiouSgemeinde, die ail Größe zu den allererfteil Gemeinden der Welt zahlt. Ich verdanke dem Vorstandsmitgliede Herrn Arthur M. Bloch einige sehr interessante Daten des Budgets der Religionsgemeinde, wie das der Chewra-Kadischa betreffend, und es ist geradezu bemerkeilswerth, wie ein Zug der Zusammengehörigkeit, eitle einmüthige Munisieenz, alle Mitglieder dieses großen Gemeinivesens eint und bindet. Das Bildget der Pester Cultusgeineinde beträgt die Summe von 354.743 fl. 44 kr., das der Chewra- Kadischa l8l.556 sl. 6o kr.; Summen, die dein Budget kleiner Fürstenthümer entsprechen. Uiil aber einen Einblick zu gewinnen, ivie alle Mitglieder der Religionsgemeinde gern und willig ihr Schärslein beitragen, um alle die zahllosen Wohlthätigkeits-Jnstitutioneu zu fördern, genügt ein Hinweis auf eine Erscheinung, wonach die Gemeinde sich bemüssigt sieht, alljährlich ein Spendenverzeichniß erscheinen zu lassen, das an 6o Druckseiten umfaßt; wir entnehmen diesem voluminösen Verzeichnisse, daß an Spendengelderu für alle Humanitären Institutionen der Budapester Religionsgemeinde nahezu 70.0oo sl. (siebeuzig Tausend Gulden) eingegangen, und tvas besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß wir unter den Spendern großen Rainen begegnen, die nicht der Glailbensrichtung der Gemeinde angehören, wie z. B. Cultusminifter Wlassitz, Oberhausmitglied Baron Podmaniczkv .'c. Eine interessante Thatsache, die das Interesse für alle Gemeiilzwecke in das schönste Licht rückt, bleibe hier nicht unerwähnt. In der historischen Ausstellung in Budapest befindet sich eine Thora- Rolle, die gelegentlich der Eröffnung die Aufmerksamkeit Sr. Majestät auf sich lenkte. Die Thorarolle, 25 Centimeter hoch, umschloffen von Holz, dem Libanott entnommen, zusanlmengefügt aus Blätter vom reinsten Pergament und eine tadellose Schrift, deren Schwärze siegreich den Jahrhunderten — sie soll 400 Jahre alt sein — widerstanden, ist überdies mit Silberzierrathen in unverfälschtem korynthischen Style geschmückt, eine Sehenswürdigkeit nicht nur von religiöser, sondern von eminent historischer Bedeutung, nnb deren Werth esfeetiv auf 2000 fl. veranschlagt erscheint. Voll dem Affeetionswerth schien der Verkäufer feine Ahnung zu haben; aus Anregung des erwähllten Großindustriellen Herrn Arthur M. Bloch erstanden einige Private diese Thora und machten dieselbe der Gemeinde zum Geschenk, wo sie als kostbares Angebinde dein heiligen Schrein des großen Tempels einverleibt wird. Wie Schreiber dieser Zeilen sich erinnert, gibt es in Ungarn nur noch eine Thorarolle, die an pietätsvoller Erinnerung diese Thora überragt, sie ist in dcur Besitze der Bajaer Cultusgemeiude, schrieb doch die erste und letzte Zeile nachweisbar der große Rabbi Markus Bancth in Nikolsburg. Italien. Bologna, im Juni. In Nr. 50 oes „Israelit" wird erzählt, daß in Genua schon seit Jahren an Wochentagen in der Synagoge das Minchagebet nicht mehr verrichtet wurde, weil inan das nöthige Minjan (zehn Personen) nicht zusammenbracht:', und daß man erst jetzt, Dank den Bemühungen des Rabbiners S erv i, dieses Gebet wieder öffentlich verrichtet. Nun, da ist im Vergleiche zu unserer Gemeinde Genua noch ein heiliger Ort, denn hier wird, trotzdem hundertunddreißig jüd. Familien hier leben, schon seit Jahren an Wochentagen weder das Mincha, noch das Schacharithgebet verrichtet, eben weil Keiner in die Synagoge geht, und alle Bemühungen unseres Rabbiners Moiuigliano in dieser Hinsicht, um eine Besserung herbeizusühren, waren bisher erfolglos. Vielleicht entschließt sich nun Rabbiner Flamino Servi nächstens auch unsere Stadt zu besuchen. Griechenland. (-0 Mmfu, 25. Juni. Fünf Jahre sind nun vergangen, seitdem uns unser Oberrabbiner Alessandro da Sano verlassen und einem Rufe der wohlhabenden Mailänder Cultusgemeinde Folge geleistet hat. Die Ursache, warum der genannte Oberrabbiner den hochgeachteten, uralten und auch materiell nicht schlecht gestellten hiesigen Posten verlassen, war die, daß in Folge der Verfolgung, die damals über die Juden hier hereingebrochen, zahlreiche derselben zum 'Wanderstabe griffen und sich nach anderen Hafen-

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