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Der Israelit · 1896-07-06 · Heft 54 (6.7.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 54 (6.7.1896)
Date
1896-07-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1034 arbeitung des Lehrstoffs durch gemeinsamen geistigen Verkehr mit Genossen und noch mehr mit Schülern. Wenn der Lehrer der rechte Lehrer, und der Schüler, der rechte Schüler ist, so gewinnt der Lehrer noch mehr durch den Schüler, als dieser durch jenen. irr n’c^nci “irrt: im tiibib tnun rcix „Viel Thora habe ich von meinen Lehrern gelernt, mehr aber von meinen Genossen und von meinen Schülern, mehr als von allen", konnte deshalb ein großer Weiler der Thora von sich sagen. Die jüdische Anschauung, nach welcher der Unbemittelte, der vom Besitzenden eine Gabe entgegennimmt, mit dieser Entgegennahme an dem Geber eine größere Wohlthat übt, als diejenige ist, welche mit seiner Spende der Geber dem Armen erweist, hat somit nicht nur auf materielle, sondern auch auf geistige, ideelle Güter Anwendung. Der geistig und sittlich vollendete Meister der Thora verliert nichts und vergiebt sich nichts, wenn er seine Zeit und sein Wissen der Ausbildung von Schülern widmet. Die geistige Anregung, die der Lehrer durch den Unterricht strebsamer, wiffensdurstiger Schüler erhält, die Vertiefung in den Lehrstoff, zu ivelcher er führt, kommt dem Lehrer noch mehr, als dem Schüler zu Gute. Selbst der geistig weniger gut beanlagte Schüler, und dieser vielleicht am meisten, nöthigt den Lehrer dem Lehrstoff Seiten abzugewinnen, die auch dem weniger Befähigten zugänglich sind und ihn befähigen, stufenweise nach Erlernung des Leichtern, auch das Schwierige dann zu begreifen. Die Fragen der Schüler und die Antworten, zu welchen sie den Lehrer nöthigen, sind daher ein bedeutsames Mittel für 7m-n pp, für Aneignung der min. Dieser rege geistige Verkehr zwischen Schüler und Lehrer ist es, der hier unter btb^th We verstanden wird. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Die im vorigen Jahre begründete „Freie israelitische Vereinigung" hielt am 22. v. M. im Logenhause, Wilhelmstraße 118, eine Versammlung ab, die sich eines recht zahlreichen Besuches erfreute. Herr Gustav Tuch-Hamburg als Vorsitzender der Vereinigung, bezeichnete in seiner kurzen einleitenden Ansprache als das Ziel der Vereinigung, die Ausbreitüng des Verständnisses für die sittliche Mission des Judenthums unter seinen Bekennern wie seiner Umgebung. Herr Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer-Köln sprach sodann über das Thema: „Jüdische Kolonisation". Redner kennzeichnet die Lage, in welche namentlich die russischen Juden infolge Beschränkung des Erwerbes, politischen Drucks und religiöser Verfolgung gerathen und tritt in warmen Worten dafür ein, für diese Unglücklichen ein Asyl im alten Lande der Väter zu schaffen, wo sie frei von Zwang und Verfolgung, durch Bearbeitung des Bodens ihren Unterhalt gewinnen könnten. Der zweite Referent des Abends, Herr Dr. Löwenberg- Hamburg, verbreitet sich in feinen ebenso inhaltreichen wie formvollendeten Ausführungen über die Frage der jüdischen Erziehung. Im Einzelnen bespricht Redner die Frage der Erziehung durch Familie, Schule und Leben. Er geißelt in scharfer Weise die moderne Sucht nach Sinnengenuß, Reichthum und äußeren Ehren und verlangt Hingebung uitb Begeisterung für das Judenthum, Kenntnis seiner reichen Geistesschätze und seiner ruhmreichen Vergangenheit. Selbstgefühl, Selbstachtung, Selbstzucht und Selbstdisziplin müßten maßgebend werden für unsere ganze sittliche Entwickelung, unser Patriotismus müßte sich in gleicher Weise fernhalten vom engherzigen Chauvinismus wie unklaren Weltbürgerthums. In den sozialen Kämpfen der Gegenwart dürften auch die Juden ihrer Verantwortlichkeit sich nicht entziehen. Liebe, Gerechtigkeit und Humanität, in allen Fragen des Lebens zu bethätigen, sei ihre Aufgabe und müsse den Bekennern des jüdischen Glaubens wieder zum Bewußtsein geführt werden, daß gerade das Judcnthmn auf Grund seiner religiösen Verheißungen berufen sei, die bessere Zeit der Zukunft, die allgemeine Menschenverbrüdernng, herbeizuführen. Beide Vorträge wurden mit reichstem Beifall aufgenommen. Von einer Diskussion nahm man bei der vorgerückten Zeit Abstand. Glbekseld, 29. Juni. Der Antisemitismus im Wupperthale, für den sich hier s. Z. einige verirrte Köpfe so sehr ins Zeug legten, scheint schon abgewirthschaftet zu haben. Das hiesige antisemitische Organ, die „Reinische Wacht", soll nicht mehr wöchentlich erscheinen wie bisher, sondern „je nach dem dem Blatte dargebrachtcn Interesse" monatlich ein- oder zweimal herausgegeben werden, und zwar dann gratis. Mit dem „dargebrachten Interesse' ist offenbar die Unterstützung durch Inserate gemeint, mit der es je länger je mehr hapert. Aus dem Württembergischerr Auf einer längeren Neisetour kam ich Anfangs d. M. durch das katholische Dorf Königsbach in der Rheinvfalz. In der Wirthschaft trank ich ein Glas Bier und bemerkte, daß für eine außergewöhnlich große Anzahl von Personen gedeckt wurde. Auf meine Frage: „was de n los sei?" erhielt ich zur Antwort, daß eine Schule aus der Nähe einen Ausflug mache und hier ihr Mittagsmahl einnehmen werde. Kaum hatte ich das Lokal verlassen, so dachte ich an die Sache nicht mehr. Am nächsten Tage aber fiel mir zufällig eine

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