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Der Israelit · 1896-07-06 · Heft 54 (6.7.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 54 (6.7.1896)
Date
1896-07-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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•r-<ir:**S»*«„.« 163s Eine solche staunenswerthe Virtuosität ist nur erreichbar durch stete Vergegenwärtigung der hohen Bedeutsamkeit des Gegenstandes, um den es sich handelt. Sie führt zu den nun folgenden ma: zu rorw nv'n, zu ernster Scheu und Furcht vor Gott, dem die Wahrheit der Thora entstammt und dem Lehrer, der sie vermittelt. Der Schüler, der sich die Wahrheit der rrw aneignen möchte, hat in seinem Lehrer ein Glied der lebendigen Kette zu verehren , die vom Sinai bis zu ihm, dem Schüler selber, reicht. Es ist deshalb keine Hyperbel, wenn ein früherer Spruch der Väter die Furcht vor Gott mit der Furcht vor dem Lehrer auf ein und dieselbe Stufe stellt. Unsere Lehrer sind das Medium alles dessen, was wir von Gott und seinem Gesetze wissen. Daß wir, und wie wir an Gott und seinem Willen hängen, verdanken wir der Lehre und dem Beispiele der weisen Lehrer, die uns Gott in seiner Gnade erstehen ließ. Diese Furcht vor Gott und die ehrerbietige Scheu vor dein Lehrer führt naturgemäß dazu, von sich selbst und den eigenen Fähigkeiten eine bescheidene Meinung zu haben oder doch zu erlangen, also zu niV Demuth, der nun folgenden Eigenschaft, die für Aneignung der Thora unerläßlich ist. Eine Zeit, deren Kinder sich selber das Diplom des Fortschritts, der Bildung und Wissenschaft nicht glänzend genug ausstellen zu können vermeinen, auf die Gedankenarbeit unserer großen Altvorderen dagegen geringschätzig, als auf einen überwundenen Standpunkt herabblicken, einer solchen Zeit gehen die ersten Rudimente alles dessen ab, das erforderlich ist, um die Thora bei sich heinlisch zu machen. Sie ist nicht fähig die Thora zu erfassen, weil es nicht nxr, weil es nicht Furcht vor Gott und seinem Willen ist, die sie zu den heiligen Urkunden zieht. Sie „lernen" sie nicht mehr, sie „lesen" Talmud, Midrasch und die heilige Schrift, wie sie die Erzeugnisse der profanen Literaturen lesen. Sie durchstöbern die Folianten aus archäologischen, historischen, linguistischen und ähnlichen Liebhabereien, aber nimmermehr, um den Willen Gottes kennen zu lernen und ihn zu erfüllen, und haben die Vermessenheit, diese Degradirung unseres heiligen Schriftthums zur Küchenmagd ihres nach Staub und Moder riechenden Krimskrarns die „Wissenschaft d es Ju de nthums" zu nennen! Aber es ist nur eine todte Mumienwissenschaft, aus deren verwitterten Zügen sie das Leben dürftig zusammenzuconstruiren suchen, das einmal vor Jahrtausenden darin pulsirte. Die cirp', c-'n rr-a-;, die ewig lebenden und bestehenden Worte haben sie für abgestorben erklärt. Das ganze Dichten und Trachten ihres Notizenkrams ist eine Todeserklärung der Thora, der ewigen Lebensseele des Judenthums, es ist eine Leichenstein-Wissenschast, die einem wie Grab und Verwestlng änmuthet. Was Wunder, daß eine solche Afterwissenschaft, die sich dem Leben abgewendet, auch ihre Jünger zu zöpstgen Kathederweisen macht und ihnen ihre eigene Todtengrüber-Physiognomie aufprägt? nnetr Freude am Dasein, Freude am Wissen, Freude an der Verwirklichung und Ausübung des angeeigneten Wissens, diese nun folgende Forderung kennen sie nicht. Ihre von ihnen selbst erfundene Thora, weiß mit nnosr und rrxc bv n-ctr nichts anzufangen. Sie leugnen das Vorhandensein der Psticht, woher sollte ihnen auch die Freude mit der Pflicht kommen? Ihre Mausoleen-Weisheit ist kein Boden für jene Heiterkeit des Gemüths, welchen unseren rexn '22n für die Aneignung der Thora unerläßlich gilt. Aus nv'x, aus Furcht vor Gott, folgt n»T die ehrerbietige Scheu vor dem Lehrer, der das Bewußtsein von Gott und die Kenntniß seines Willens vermittelt. Die Hochachtung vor dem Lehrer hat die Bescheidenheit des Schülers zur nächsten Consequenz, der sich bescheidet, dasjenige treu hinzunehmen und gewissenhaft zu erfüllen, tvas ihm Lehre und Beispiel des Lehrers entgegenbringt. Diese Bescheidenheit schützt vor Uebereilung, Ueberhebung, vor Jrrthum und Fehler und macht denjenigen stark und sicher, den sie durchdringt. Aus diesem Gefühl der Sicherheit und Stärke erwächst, nnctr, jene Freude am Lernen, Lehren und Ueben, durch die Furcht und Scheu vor Gott und dem Lehrer nicht nur nicht ausgeschlossen, sondern geradezu bedingt ist. Wie sie für das Leben bestimmt ist, ist sie auch nur aus dem Leben zu gewinnen. Sie ist keine Büchergelehrsamkeit, sie wird nur mzr, treira durch den lebendigen Verkehr und Umgang mit den Meistern angeeignet. Weil sie nicht so sehr auf die Bereicherung unseres theorethischen Wissens, als auf die vollkommene Vollendung der praktischen Lebensthat dringt, deshalb gilt die Regel mizbc ■yr ntrctr daß dieser Umgang mit den Weisen höheren Werth als ihr bloßer Unterricht hat. Deshalb spricht sie auch ihr Verdikt über diejenigen aus rrr,nz e*piry: -7B2 -2, die vereinsamt dem Thorastudium obliegen. Es führt zur Einseitigkeit und zum Jrrthum. Zu ihrer vollen Aneignung ist daher b'.cbs,' cnan p-2-r c’tübnn Anschluß an mitstrebende Genossen und der geistige Wettkampf der Schüler erforderlich. Eine andere Lebensart hat statt onsn pin hier c’-cn pnp"r, welche den Anschluß an gleichgesinnte Genossen voraussetzt und zur sorgfältigen Auswahl derselben auffordert, oder auch die Mahnung enthält, bei dem Lernen mit gleichstrebenden Genossen, wo :2i re», die Scheu vor dem Lehrer wegfällt, es doch nicht deshalb an der gewissenhaften Sorgfalt des Studiums fehlen ju lassen. bnzz brz. Wie sich das Eisen am Eisen schärst, so schärft sich Verstand, Auffassung und Ver- ■

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