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Der Israelit · 1896-07-02 · Heft 53 (2.7.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 53 (2.7.1896)
Date
1896-07-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1011 sind auswendig zu lernende „Belegstellen" aus der erwähnten Sammlung zu verbinden. Die Arbeiten sind bis zum 31. März 1897 an das Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, Berlin WSigismundftr. 5, einzusenden. Jede Arbeit ist mit einer Aufschrift zu versehen, die zugleich auf einem verschlossenen, den Namen des Verfassers enthaltenden Briefumschlag angebracht ist. Für dre drei besten Arbeiten sind Preise im Betrage von 150, 100, 100 M. ausgesetzt. Die Verwerthung der preisgekrönten Arbeiten behält sich der Ausschuß des Gemeindebundes vor. Zu Preisrichtern sind bestellt die Herren : Rektor Dr. Adler, Oberlehrer Dr. Blaschke, Direktor Dr. Holzman, Direktor Dr. Kirschstein. Stadtverordneter Theod. Marcus, Professor Dr. Philippson, Oberlehrer Dr. Schäfer, sämmtlich in Berlin, sowie Rechtsanwalt Plotke in Frankfurt a. M. Frankfurt a. M. (Ein literarischer Fund.) Vor etwa 1)—12Jahren erfuhr ich durch einen glücklichen Zufall, daß Anfangs der vierziger Jahre eine anonyme Schrift von Samson Raphael Hirsch, damals OldenburgischerLandesrabbiner, erschienen sei, die zu dem Vortrefflichsten gehöre, das wir seiner fruchtbaren, gottgesegneten literarischen Thätigkeit verdanken. Erkundigungen, die ich bei dem Verfasser selbst einzog, bestätigten diese Mitthev lnng und vervollständigten sie. Derselbe erzählte mir, daß Anfangs der vierziger Jahren eine Publikation seitens einer Anzahl Pastoren die öffentliche Meinung in hohem Grade beschäftigt habe. Gegen dieselben sei u. a. auch eine anonyme Schrift „Bemerkungen eines Protestanten" erschienen, welche nicht nur die in Rede stehenden Pastoren, sondern auch die Bibel und die Bekenner des Judenthums in maßloser Weise angriss. Zu diesen Bemerkungen eines Protestanten, schrieb nun Hirsch Anmerkungen „von einem Juden". Der „Protestant" mar kein Geringerer, als der bekannte Lrterar-Historiker Adolf Stahr, der damals am Oldenburger Gymnasium als Professor und Conrektor wirkte. Durch die maßlosen Angriffe auf die Juden und Christen gleich heilige Bibel, hatten die Bemerkungen des „Protestanten" auch in solchen christlichen Kreisen, die mit den Anschauungen der angegriffenen Pastoren nicht einverstanden waren, böses Blut gemacht. Die „Anmerkungen des Juden" wurden daher — wie der Verf. bescheidener Weise bemerkte — mit großer Befriedigung ausgenommen. Rabbiner Hirsch b’xt sagte, daß ihm keine seiner Schriften soviel persönliche Befriedigung bereitet und ihm gleichzeitig so große äußere Anerkennung einbrachte, al« diese anonyme Broschüre, deren Verfasser aber in Oldenburg scnort allgemein bekannt war. Der Großherzog ließ ihm durch einen Adjutanten persönlich seinen Dank und seine Anerkennung aussprechen und das Haus wurde Wochen lang nicht von christlichen Gratulanten leer, die sich gedrungen fühlten, dem „Juden" für feine jüdischen Bemerkungen zu danken, mit welchen er die Ehre ihres alten Testaments gerettet hatte. Mein lebhaftes Verlangen, diese Schrift kennen zu lernen, ließ mich den Verfaffer bitten, mir dieselbe einmal zu leihen. Aber derselbe hatte sie selbst nicht, wie er auch von anderen seiner größeren Werke kein einziges Exemplar hatte, und sie selber ausleihen mußte, wenn er einmal eine Stelle nachzuschlagen hatte. Seitdem fahnde ich auf diese Schrift, konnte sie aber nirgends austreiben. Da lese ich soeben im „Israelit", daß die A. G o l d s ch m i d t'sche Buchhanolung in Hamburg den noch vorhandenen kleinen Rest von der Verlagshandlung angekauft bat und daß das Exemplar für 2 M. zu beziehen ist. — Auf diese Weise bin ich nach vieljährigem Suchen in den Besitz der Schrift gelangt, welche den Titel führt: „Jüdische Anmerkungen zu den Beine rkung en eines Pr o t e sta n ten ü be r d i e Confession der 2 2 Bremischen Pastore n. V o n einem Jude n. Oldenburg 1841. Sic ist ein wahrhaft klassisches Meisterwerk der Polemik, die durch Form und Inhalt lebhaft an Lcssing's Anti-Götze erinnert. Die darin bekämpften Vorurtheile sind leider auch heute noch en vogue. Man braucht nur die Titel der einzelnen Capitel zu nennen, 1) „Der jüdische Stammgott," 2) „Der Diebstahl und die Völkervertilgung," 3) „Die Flüche," 4) „Der jüdische Gottesdiener," 5) „Die Unsterblichkeit", um jeden Zweifel darüber auszuschließen, daß es sich hier uin Cardinalpunkte handelt, deren richtiger Würdigung auch noch heute vieler Unklarheit und großem Vorurthcil cntgegensteht. Der Kiddusch Haschcm, der diese Schrift bedeutet, geht daher weit über die Zeit und äußere Veranlassung hinaus, der sie ihr Entstehen verdankt, weßhalb es geboten erscheint, die jüdische öffentliche Meinung daraus aufmerksam;u machen. O e sterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Das „Freie Blatt", welches feit 4 Jahren mit unermüdlichein Eifer und scharfen Waffen den Antisemitismus bekämpft hat, kündigt in seiner letzten Nummer an, daß es am 28. d. zum letzten Male erscheinen werde. Es motivirt diese Einstellung mit dem Mangel an Theilnahme. Das ist ein tief beschämendes Bekenntniß, nicht für die tapferen Männer, die diesem trefflichen publicistischen Unternehmen ihre Kräfte gewidmet haben, sondern für die Wiener Bevölkerung. Wir können nur unser aufrichtiges Bedauern darüber aussprechen, daß das „Freie Blatt" sich nicht behaupten konnte. Es hat sowohl die theoretische

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