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Der Israelit · 1896-07-02 · Heft 53 (2.7.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 53 (2.7.1896)
Date
1896-07-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1010 liegt, sondern in dem Menschenwitz, oder weil es über die Kräfte der Lernenden hinausgeht. Systematisch mag der durchgebildete Lehrer denken, aber er darf dem Schüler kein System aus dessen Vordersätzen Schlüsse gezogen werden, welche dem einfachen Menschenverstand nicht sofort einleuchten, überliefern. — Durch den Unterricht, durch den wir religiöse Bildung anstreben, wollen wir alle Kräfte des Menschen anregen, ihn so recht in dem Mittelpunkt seiner Existenz ergreifen, ihn von der Tiefe aus begeistern, tiefes Gemüthsleben durch alle seine Adern ergießen und einen Strom lebendiger Vorstellungen und Gedanken durch ihn hindurchleiten. Wie kann das durch ein System, durch gegliederte Lehrsätze, durch Behauptung und Beweis und durch scholastische Formen und Formeln geschehen? Wie tief dachten unsere großen Weisen und wie systemlos ist ihr Talmud! Die Systemlosigkeit unseres ml? wird uns daher nicht zurückhalten, in ihm ein Religionsbuch zu erblicken, das an Umfang und Tiefe kaum seines Gleichen haben dürste. _(Fortsetzung folgt.) ._ Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz. (Spitalbau in Jerusalem). Obwohl erst wenige Wochen seit dem Aufruf zur Errichtung eines großen Hospitals in der heiligen Stadt verflossen, sind bei dem Frankfurter Central- Comittz (Adresse: Israel Roos, Frankfurt a. M.) bereits e. 70 000 M. eingegangen und dürfte die detaillirte Veröffentlichung der Spenden bald erfolgen. Wenn auch der Betrag im Vergleich zu der erforderlichen Summe gering erscheint, so beweist er doch, welch' großer Sympathieen sich das Unternehmen in weilen Kreisen erfreut, so daß die Aussicht auf volle Verwirklichung des hochherzigen Gedankens eine sehr erfreuliche ist, wenn die allgemeine Theilnahme in dieser Weise sich weiterhin in dieser herzerhebenden Weise geltend macht. Aus Oberhessen. Die Vorstände der isr. Gemeinden unseres Bezirk's erhielten dieser Tage den folgenden Aufruf: Glaubensgenossen! Die Regierung läßt Euch anfragen, ob Ihr die Anstellung zweier Rabbiner, von denen einer der orthodoxen, einer der liberalen Richtung angehört, wünscht und welchem Rabbiner sich die einzelnen Gemeinden anschließen wollen. Ihr habt eine für das religiöse Leben der oberhessischen Gemeinden in Gegenwart und Zukunft hochwichtige Frage zu entscheiden. In einer Zeit, in welcher das Judenthum und die Judenheit so schweren Angriffen ausgesetzt ist, ist jeder einzelne Jude umsomehr berufen, durch sein Leben zu bethätigen, daß unsere Religion die höchste Sittlichkeit und Tugend lehrt, muß mehr als sonst jeder einzelne Jude so viel von seiner Religion wissen, daß er die Angriffe gegen dieselbe widerlegen kann. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, bedarf es der Leitung der Gemeinden durch einen Rabbiner, der durchdrungen ist von der Wahrheit des jüdischen Gesetzes, dem die Lehre, welche auf Sinai offenbart wurde, nicht eitles Menschenwerk, sondern Gottes Wort und Gottes Lehre ist. Nur dann, wenn wir Lehrer in Israel haben, welche für Israels Lehre begeistert sind, können wir hoffen, daß dem Abfall von dem Väterglauben gesteuert wird und daß unsere Söhne und Enkel der alten Fahne treu bleiben, für welche unsere Vorfahren in noch härteren Zeiten, als es die unsere ist, stritten und litten, daß Schechitah, Schule, Gottesdienst nach den religionsgesetzlichcn Normen erhalten, bezw. geschaffen und geleitet werden. Wenn Ihr dies erwägt, könnt Ihr dann noch darüber zweifelhaft sein, von welcher Richtung der Rabbiner sein muß, dem Ihr zugetheilt werden wollte Orthodox und liberal sind ja Bezeichnuttgcn, welche von außen eingeführt worden sind. »Religiös" und »neu" heißen die Gegensätze. Wir fordern Euch darum aus, der Regierung zu antworten, daß Ihr die Anstellung eines orthodoxen, d. h. religiösen, Rabbiners wollt, daß aber, wenn zwei Rabbiner angestellt werden sollten, Ihr dem orthodoxen Rabbiner zugetheilt sein wollt. Euch, die Ihr Euch „liberal" nennt, geben mir zu erwägen anheim, daß es Euch in Euerem Thun und Lassen nicht stören kann, wenn ein frommer Mann den Rabbinatsftuhl in Oberhesscn besteigt, daß es aber ein Gebot der Toleranz ist, Eueren Brüdern die Schaffung und Erhaltung religiöser Institutionen, wie sie ihnen Gewissenspflicht und Herzenswunsch ist, zu ermöglichen. Und wer im Kampfe des Lebens diese oder jene religiöse Satzung übertreten zu rnüssen glaubt, möge um so eher sich verpflichtet erachten, dafür einzutreten, daß die Institutionen der Gemeinden im echtjüdischen Geiste geleitet werden. Euch allen sei noch das gesagt, daß die Personenfrage überhaupt nicht in Betracht kommt, daß wir darüber, wer Rabbiner werden soll, nicht und jedenfalls doch jetzt nicht zu entscheiden haben. Die Herren Vorsteher werden gebeten, diesen Aufruf zur Kenntniß der Gcmcinbcmitglieder zu bringen. Dieses Rundschreiben findet, wie wir hören, überall großen Beifall, es ist die alte Geschichte von der Droschke: Wenn die Fahrgäste auch betrunken sein können, der Kutscher wenigstens soll nüchtern sein. Siehe Notiz Frankfurt a. M. in der Ersten Beilage dieses Blattes. Red. Berlin. Der Deutsch-Jsr. Gemeindebund erläßt folgendes „Preisausschreiben" : Die von dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund herausgegebenen Grundsätze der jüdischen Sittenlehre", sowie die hierzu aus biblischen und talmuoischen Schriften von Dr. S. Kry stell er gewählten „Belegstellen" haben sich als über die kindliche Fassungskraft hinausgehend erwiesen. Deßhalb stellt der Ausschuß des Deutsch-Israelit. Gemeindebundes folgende Aufgabe: „Die Grundsätze" sollen, ohne daß der Inhalt eine Aenderung erfährt, einer Umformung unterzogen werden, die sie dem Verständnisse zwölfjähriger Schulkinder zugänglich und zu unterrichtlichen Zwecken geeignet macht. Mit den Sätzen

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