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Der Israelit · 1896-07-02 · Heft 53 (2.7.1896) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 53 (2.7.1896)
Date
1896-07-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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' /. ^■ -v%^: r ^Wfff) r "XT'm a m <t:? a> 1008 Durch Anwendung und Ausbeulung dieses unschuldigen Mittels ist aber die erste fundamentale Bedingung erfüllt, die für jeden Unterricht nothwendig, für den Religionsunterricht aber geradezu entscheidend ist: Die Heiterkeit als Grundton des ganzen Verkehrs zwischen Lehrer und Schüler. Wochen und Monate zählt das Kind die Tage, die es von seinem Geburtstage trennen. Der bloße Gedanke an ihn, seine Geschenke, Glückwünsche und Auszeichnungen erfüllen es mit stiller Freude, die immer lauter wird, je näh r er kommt, und da hält es auf einmal ein Buch in Händen, in dem es seinen Geburtstag , sowie den der Eltern und Geschwistern schwarz auf weiß verbrieft und versiegelt hat! Und die Geburtstagsurkunde ist der Gegenstand seines Unterrichts! Emen so angenehmen Lehrstoff hat sein ganzer Lektionsplan nicht aufzuweisen. Von dieser Geburtstagsfreude, wenn sie richtig capitalisirt wird, fällt ein verklärender, freudenerregender Strahl in die sonst so gefürchtete Langeweile, welche die landläufigen Religionsstunden zum Entsetzen der Kinder macht. Mit dieser Voraussetzung hätte ich fast den Muth meinen Kindern zu gestehen, ich wolle sie für die Religion gewinnen, sie sollten Religions-Unterricht haben! Sie brennen vor Verlangen, die Religion kennen zu lernen, deren Codex sich zur Hauptaufgabe die Fixirung der Geburtstage stellt! — Es gibt leider, leider viele Religionslehrer, denen das Alles unbegreiflich, kindlich, wenn nicht kindisch erscheint. Sie haben keine Ahnung davon, daß von dieser Heiterkeit des Gemüth's der ganze Erfolg des Religionsunterrichts abhängt, daß ein religiöses Gemüth nur gedeiht in reiner Luft, heiterer Umgebung und Ansprache, in gemüthlicher, reiner, heiterer Stimmung. xbx jtizw xb: rr.bxv jirc xd rrrty nrstrn px — rram bv “pne. Dem Kinde ist alles Ernstftnstere, Despotische, Einengende zuwider. Es liebt das Befreiende, Anregende, Aufweckende und Gemüthliche. Die Religion soll nicht Niederdrücken und fesseln, sondern befreien, erheben, beglücken. sp*,T '■% Wer dieses begreift, wird einsehen, daß vorzugsweise die religiöse Bildung nur bei Heiterkeit und frohem, beglückenden Lebensgefühl der Kinder gedeihen kann, und etwas daher nichts als kleinlich zurückweisen, was geeignet ist, diese Stimmung zu wecken und zu fördern. Während bis jetzt die kleinen Katechismen ungeöffnet dalagen, haben einige Gereiftere das Büchelchen geöffnet und blättern darin. Sie kennen den bürge, liehen Kalender mit seinen Bildern, Erzählungen und Anekdoten, auf welche Beigaben alle unser unscheinbares rrb verzichten muß und auch verzichten kann. Sie sind wahrscheinlich schon auf der Suche nach allen möglichen Geburtstagen. Das verrathen wenigstens die verklärten, gespannten Mienen. Aber da der Zweck der Hervorhebung dieses Moments, die heilere Seelenstimmung, vollständig erreicht ist, so handelt es sich um einen zweiten, ebenfalls sehr wesentlichen Punkt, um die Anschaulichkeit, die Entwickelung und Entm ickelb arkeit des Unterrichts. Der Religionslehrer und sein Religionsbuch mögen voll der sublimsten Ideen sein, wenn sie nicht an Stoffe geknüpft werden, die dem Schüler vorliegen und ihm geläufig sind, also aus ihnen entwickelt werden könne, so bleibt der ganze Religionsunterricht, was er leider meistens ist: hohler Wortschwall und ein Geklingel hohler, unverstandener, weil unverständlicher Phrasen. Weiß ich nun wiederum nicht, wo ich anzusetzen, welches Moment ich als das den Kindern geläufigste herauszugreifen habe, um meine Kalender-Religion mit Erfolg an den Mann zu bringen, so lasse ich mir das abermals von den Kindern selber durch Beantwortung einiger Fragen verrathen. Man braucht nur zu fragen, was sie an dem jüdischen Kalender im Vergleich mit dem bürgerlichen verändert finden. Die Momente, die sie durch Vergleichung nun herausgefunden haben, diese sind ihnen geläufig und daher geeignet, daran den Unterricht zu knüpfen. Der erinnert sich, daß im bürgerlichen Kalender alle Fest- und Feiertage roth angestrichen und dadurch von den Wochentagen auf den ersten Blick unterschieden sind. In unserem Luach ist dagegen alles schwarz in schwarz und ein Tag sieht genau wie der andere aus. Hier kann der einsichtige Lehrer sofort darlegen, wie in der That nach jüdischer Anschauung alle Tage in gleicher Würdigkeit dastehen. Wohl habe Gott den Sabbat gesegnet und geheiligt und ihn auf diese Weise ausgezeichnet. Aber diese Auszeichnung setzt die anderen Tage nicht zurück, sie kommt ihnen zu Gute. Der Sabbat ist der Mittelpunkt der ganzen Woche. Ihre drei ersten Tage erhalten ihre Bedeutung und Weihe von dem vorangehenden Sabbat, während auf die drei anderen Tage der Woche der folgende Sabbat von seiner verklärenden Heiligkeit einen Strahl fallen läßt. Die ganze Woche lebt von dem Segen, den die sie einschließenden Sabbate voraus- und zurücksenden. Daher haben wir nicht einmal eine besondere Bezeichnung für unsere Wochentage, sie heißen rizvz ’isr, rctr- -inx der erste, der zweite zum Sabbat führende Tag. Deßhalb steht der rctr nicht im Gegensatz zur Woche; er ist ihre Vollendung. Von diesem Sabbatgeist durchdrungen, harrt der Jude einer Zeit entgegen die einmal ganz Sabbat sein wird. Und jeder treu verlebte Sabbat ist ihm X2n cb'v pye, weckt ihm die Ahnung jener Zeit der v'v^yn "nb der Ruhe in dem

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