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Der Israelit · 1896-06-29 · Heft 52 (29.6.1896) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 52 (29.6.1896)
Date
1896-06-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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988 sagt, bringtErlösung derWelt. Denn es ist gesagt:Esther sagte es demKönig im Namen Mordechais." Die Thora steht höher als die größten Ehren und Würden, die Menschen überhaupt kennen, das ist die Würde der Könige und der Priester, wie mir, der üblichen Uebersetzung folgend, Kohanim wiedergeben. (Die Uebersetzung hat sich von der Lutherischen Bibelübersetzung aus, allgemein eingebürgert, obgleich sie den Begriff Kohen sehr ungenügend wiedergibt. ES kann Jemand als Kohen geboren werden, aber niemand als Priester, die Würde der Kohanim ist erblich, aber nicht diejenige der Priester u. a. m. Da aber zu Luthers Zeit der Priesterstand einen sehr hervorragenden Rang einnahm, der sogar oft mit der Kaiserwürde rivalisirte, so ist selbst diese ungenügende Bezeichnung charakteristisch, wenn sie gebraucht wird, um die Würde der Kohanim zu veranschaulichen. . . Das was die Größe der Thora ausmacht, wird erst in dem unmittelbar folgenden Väterspruch mitgetheilt: v"n nm: »w min n^ru ksh otoai rwi nnpiyf? „Groß ist die Thora, denn sie gibt Leben, denen, die sie erfüllen, in diesem Leben und in dem künftigen." Daß die Zahl von Vorzügen, die mit der Königs- und Priesterwürde verbunden sind, von der Zahl derjenigen Momente übertroffen wird, welche der Thora eigen sind, kann nicht das Kriterium ihrer Größe ausmachen. Es sind erstens ganz ungleichartige Größen, die da nebeneinandergestellt sind. Aber selbst bei gleichartigen Potenzen ist ein solcher Schluß aus ihrer größeren Zahl nicht zu folgern, da die Qualität die Quantität wohl reichlich ersetzen könnte. Das, was der Königs- und Priesterwürde eigenthümlich ist, wird hier Vorzüge genannt, während die charakteristischen Eigenthümlichkeiten der Thora einfach Dinge genannt werden. Die dreißigfache Prärogative der Königs- und die vierundzwanzigfache der Priesterwürde wird in der Boraitha aufgezählt. Die erstere sind: Silber, Gold, Frauen, Knechte, Mägde, Häuser, Felder, Weinberge, Gärten, Lustgefilde, Palläste, Provinzen, Fürsten, Fürstinnen, Sänger, Sängerinnen, Rosse, Wagen, Schwert, Gewänder, Rüstungen, Heere, Weihrauch, Wächter, Dichter, Recht, Liebe und Wohlthun u. a. m. Die Vorzüge der Kohanim bestehen in vierundzwanzigfache« Beneficien und Spenden von Opfergaben und andern Heiligthümern, die den Kohanim zustehen. Der Thora gehen alle diese Vorzüge ab, und sie steht dennoch viel höher oder vielmehr, sie steht deßhalb so hoch, weil ihr diese Privilegien abgehen. Dieser Mangel ist ihr Vorzug und läßt jedenfalls diesen in seinem wahren Lichte erscheinen. Wenn kurzsichtige Menschen nach dem Königthum lüstern emporblicken, so ist eigentlich nicht dieses der Gegenstand ihres Verlangens. Nach der schweren Verantwortung als König eines Volkes, dessen gesammten Geschicke zu leiten und dafür das ganze Leben einzusetzen, danach sind die wenigsten lüstern. Auf die Königs w ü r d e, nicht auf die Königs b ü r d e ist ihr Verlangen gerichtet. Weil die Königsbürde so schwer und verantwortungsreich ist, daß sie Niemand übernehmen wollte, deßhalb muß sie als entschädigende Dreingabe die äußeren Ehren- und Abzeichen, Titel und Mittel haben. Ebenso legt der Stand der Kohanim, und ihr fortwährender Dienst vor Gott denselben so schwere Pflichten auf, daß die Prärogative derselben als Compensation für die verantwortungsschwere Dienstpflicht erscheinen. Von allen diesen Vorzügen, Beneficien und Prärogativen hat die Thora für ihre Jünger nichts. Dabei legt sie eine Verantwortung auf, die vorn ersten erwachenden Bewußtsein bis zunr letzten Athemzug währt, die keine Unterbrechung, keine Feierstunde keinerlei Dispensation und Urlaub kennt. Lernen, Lehren, Hüten und lleben verlangt sie zeitlebens von den ihr Ergebenen. Für sie gibt es nicht nur keine Ehren und Würden, keine Vorrechte und Auszeichnungen, sondern das vollendete Gegentheil ist der Fall. Wer den Fuß in das Heiligthum der Thora setzen will, muß an der Schwelle Ehre und Genuß, alles, woran sonst das Menschenherz mit zahllosen Fäden hängt, rückhaltlos ablegen und für alle Zeit darauf verzichten. Die achtundvierzig Dinge, mit welchen die Thora erworben wird, sind in den Augen der Menschen nichts weniger als Vorzüge, sondern bedeuten ein fortgesetztes hingebungsvolles Entsagen, alles dessen, was andere nicht genug erstreben können. Wenn wir nun nichtsdestoweniger sehen, daß viele, viele sich dem Studium und der Thora hingeben, obwohl sie wissen, daß sie auf diesem Wege keine Orden und Titel erlangen, und keine Carriäre machen, ja daß sie auf vieles verzichten müssen, das anderen geradezu unentbehrlich erscheint, so zeugt diese eine Thalsache doch laut unabweisbar für die Wahrheit: Die Thora ist größer als König- und Priesterthum, sie trägt ihre Größe in sich, während jene ihre Werthschätzung nur den äußeren Vortheilen verdanken, die mit ihrem Besitz verbunden sind. Worin diese Größe besteht, daß diejenigen, welche sich ihr hingeben, freudig aus alles andere verzichten und bei diesem Verzicht so zufrieden, heiter und glückselig sind, daß sie nicht Scepter und Kronen der Könige und die Diademe der Priester dagegen vertauschen möchten, das ist das Leben, das aus ihrer Erleuchtung quillt, wie dies im folgenden Väterspruch dargestellt wird. Unser vorliegender Spruch erblickt jedoch die

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