Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 51 (25.6.1896)
- Date
- 1896-06-25
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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980 Lungen, die gegen den ungarischen Staat Hetzen, werden aus dem Landesgebiet ausgeschlossen. Das Haus nahm die Antwort mit Majorität zur Kenntniß. Rußland. Petersburg. In der Stadt Uman kam es während der Krönungsfestlichkeiten zu groben Ercessen gegen unsere Glaubensgenossen. Die dortige jüdische Gemeinde hatte am Vormittag des Krönungstages in sämmtlichen Synagogen Festgottesdienste und um die Mittagszeit eine Freispeisung sämmtlicher Armen ohne Unterschied der Confessionen veranstaltet. Am Abend sollte im Stadtgarten eine Illumination nebst den üblichen Volksbelustigungen stattfinden, und die in festlicher Stimmung befindliche jüdische Bevölkerung strömte nichtsahnend in hellen Schaaren herbei, um an der allgemeinen Freude theilzunehmen. Allein die Direktion des Gartens hatte aus eigener Machtvollkommenheit beschlossen, den Inden den Zutritt zum Garten zu verweigern. Sie stellte Wächter und Soldaten an die Eingänge mit dem strikten Befehl, keinen Juden einzulassen. Die wohl etwas angeheiterten Soldaten und Wächter kamen diesem Aufträge in ihrer Weise nach, und jeder Jude, der in ihre Nähe kam, wurde gröblich insultiert und körperlich mißhandelt. Ein zur höchsten Aristokratie der Stadt gehöriger Glaubensgenosse, wurde nach dem Bericht eines christlichen Augenzeugen, eines Redacteurs „Kiewskoje SIowo“, mit Stöcken und Knitteln bearbeitet, seiner Tochter wurden die Kleider vom Leibe gerissen. Die localen Behörden schritten nicht ein, so daß der oben erwähnte Redacteur des ..Kiew. Sl.“ fid> in gerechter Entrüstung mit einem langen Telegramm an den Minister des Innern wandte, in welchem er die der jüdischen Bevölkerung zugefügte Unbill und Schmach in bewegten Worten schilderte. Am nächsten Tage erfolgte eine telegraphische Antwort aus der Kanzlei des Ministeriums, daß eine strenge Untersuchung stattsinden solle. Hoffentlich werden die Schuldigen der gerechten Strafe nicht entgehen. Warschau, 20. Juni. Tiefe Trauer ist in unsere Gemeinde eingezogen. Herr Dr. med. Ludwig Nathansohn, einer der Edelsten und Besten unserer Gemeinde, ist am 6. d. M. nach kurzem Krankenlager plötzlich verschieden. — Die Nachricht von dem Ableben dieses Mannes verbreitete sich mit Blitzesschnelle in allen Stadtbezirken und erfüllte deren Bewohner mit aufrichtiger Trauer. Alle hier erscheinenden Tageszeitungen widmeten seinem Andenken ehrende Nachrufe. Der „Kurier Warschawski" schrieb: „Der polnischen Nation ist durch den Tod dieses Mannes ein treuer Sohn entrissen worden." Die „Gazeta Polski" und die Zeitung „Slowa" zollten seiner Wirksamkeit als Arzt und Mensch ungetheilte Anerkennung und schilderten mit warmen Worten seine opferfreudige Thätigkeit für das Gemeinwohl auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens. Die hebräische Tageszeitung „Hazefirah", die in einem Extrablatt die mannigfache Wirksamkeit des Verblichenen als Jude und Staatsbürger würdige, beklagt in dem Verstorbenen den Vorsteher unserer Gemeinde, der fast 25 Jahre an der Spitze der größten jüdischen Gemeinde der Welt gestanden itub während dieser Zeit auf allen Gebieten der Verwaltung Erfolge errungen hat, die seinem 'Namen die größte Ehre machen. — Unsere Gemeinde rüstete sich, im nächsten Monat das 25jährige Jubiläum Dr. Nathansohns als Gemeindevorsteher feierlich zu begehen; alle Vorbereitungen waren bereits getroffen und eine größere Summe für eine Rathansohn-Stistung aufgebracht, und nun ist die Freude in Trauer verwandelt: am 8..d. M. übergaben wir die irdische Hülle des Verblichenen der kalten Gruft und sehen nunmehr bekümmert nach einem würdigen Ersatz um. 'Die überaus starke Betheiligung an dem Leichenbegängnis; seitens der Warschauer Bevölkerung — an ca. Menschen erwiesen dem Todten die letzte Ehre — bekunden am besten, welcher Verehrung Dr. Nathansohn sich zu erfreuen hatte. Ans dem Friedhof hielt unser Prediger, Dr. Zilkow, eine ergreifende Trauerrede, und kein Auge blieb thränenleer, als er auf das selbstlose Wirken 'Nathansohns hinwies, der mit die Gemeinde wie ein Vater um seine Kinder besorgt war. Ergreifende Ansprachen des Dr. Baronowski im 'Namen der Warschauer Aerzte und des Rechtsanwalts Kirschroth im Namen uuserer Gemeinde bildeten den Schluß der Trauer für den Mann, dessen Andenken fortleben wird in unserer Gemeinde. Auffallend war es uns zu sehen, daß die uujüdische Sitte des Kranzspendens bei der Beerdigung bei den polnischen Juden so sehr überhand genommen hat, daß sogar die Redactionen der jüdischen und hebräischen Blätter, die doch jüdische Sitte wahren wollen, sowie die jüdische Gemeindeverwaltung und ein großer Theil der jüdischen Ehewraus diese dem Judenthum fremde Sitte mitmachten und Kränze spendeten. Man kann das Judenthum nicht höher ehren, als in dem man seine Eigenart wahrt. Wenn für die etwa loO Kränze der Preis an Geld gespendet worben wäre, wi5 vielen Armen hätte man damit Helsen können. Türkei. (tp) Salonichi, 15. Juni. Am 18. Nissan wurde hier die neuerbaute sephardische Synagoge (Tempio catalano) feierlich eingeweiht, Die große Feuersbrunst, die vor sechs Jahren hier gewüthet, hat bekanntlich auch die sephardische Synagoge in Schutt und Trümmer gelegt, und wurde nun an deren Stelle ein neues Gotteshans erbaut. Bei der