Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 51 (25.6.1896)
- Date
- 1896-06-25
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XX.XVII. Jahrgang. Iweile Beilage M 31 -es „Israelit-. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 2L Juni. Nr. 48 Ihres Blattes berichtet eine Correspondenz aus Tantah über den Namen „Israel" in den Hieroglypheninschriften. Der Herr Correspondent führt dort aus, die Juden, aber auch alle Völker Syriens feien bisher als „Apries" aus den Inschriften bekannt. Das stimmt nicht. Das in egyptischen Texten apni-i geschriebene Wort könnte einem hebräischen ney, aber nicht nny „Hebräer" entsprechen. Die irrthümliche Auffassung, die früher hierüber statthatte, hat man längst aufgegeben. In der That war eine Bezeichnung für das jüdische Volk in den egyptischen Inschriften bisher nicht aufgefunden worden, wenn sie auch in dem einen oder anderen bis heute noch nicht gelösten Worte verborgen stecken kann. Umsomehr Aufsehen erregte ein Fund des Herrn Dr. W. Spiegelberg in Straßburg, der im Sitzungsbericht der preußischen Akademie der Wissenschaften (Sitzung der philosophischhistorischen Klasse vom 7. Mai) veröffentlicht ist und von da in alle Tagesblätter überging. Aus der Westseite des alten Theben wurde iin vergangenen Winter von Flinders Petrie ein Stein ausgegraben, auf deffen einer Seite der König Merneptah seine Siege verherrlicht hat. Es heißt darin, wie Herr Dr. Spiegelberg zuerst sah: um Israel fkt be prtf. Wie die Wörter hinter Israel zu übersetzen sind, weiß man nicht mit Sicherheit, vielleicht: Israel ist ein kahles Land, ohne Frucht. Jedenfalls tritt uns hier Israel zum ersten Mal in einer egyptischen Inschrift entgegen und zwar, wie sich aus dem Text ergibt, als ein in Palästina wohnendes Volk, gegen das der König Merneptah feindlich gezogen war. Es stimmt dies zur Zeitrechnung der Bibel, nach der damals Israel schon in Palästina wohnte. Sehr auffallend ist nun demgegenüber die Mittheilung Ihres Correspondenten, wonach eine Inschrift mit dem Namen Israel in Unteregypten gefunden worden sei, während der Stein des Merneptah aus Theben, also Ober egypten stammt. Ferner berichtet Ihr Herr Correspondent, auf dem Stein stehe: Xuu ist das Volk, der V zirael (sic!- vernichtet, denn sie haben keine Kinder mehr. Auf der uns vorliegenden Inschrift steht außer dem Flamen Israel, davon kein Wort. Sollte Ihr Herr Correspondent eine ganz andere Inschrift meinen? Das wäre doch von größtem Interesse! Wir wären für eine Aufklärung sehr dankbar. — Oest e rr.-Ungar. Monarchie. Budapest 28. Juni. In der am 20. stallgefundenen Sitzung des Abgeordnetenhauses brachte Ludwig Meszlenyi eine Interpellation gegen die Agitationen Dr. Lueger's an den Minister des Innern und an den Handelsminister ein. Unter Anderem äußerte sich der Abgeordnete bei der Begründung seiner Anfrage folgendermaßen : In neuester Zeit sind Anzeichen aufgetaucht, daß Dr. Lueger und Genossen ihre Agitationen selbst über die Grenzen ihres Vaterlandes hinaustragen wollen. In die an der österreichischen Grenze gelegenen, zumeist deutschsprachigen Gemeinden versenden sie unentgeltlich ihre Blätter, in welchen gegen unsere staatliche Existenz Angriffe geführt und die Nationalitäten, insbesondere die Deutschen, aufgefordert werden, das Joch der magyarischen Unterdrückung abzuschütteln. Das ist insbesondere in den Comitaten Wieselburg, Preßburg, Oedenburg und Eisenburg der Fall. Einzelne Agenten bereisen die Comitate Preßburg und Oedenburg als Stimmungsmacher und Verkünder, Lueger werde bald erscheinen, um das Volk aufzuklären, daß die Magyaren und Juden es ausraubeu u. s. w. Es wäre ein Verbrechen, angesichts dessen zu schweigen, und ich frage die Herren, die es angeht: Besitzt der Herr Handelsminister Kenntniß davon, daß in der letzten Zeit eine große Anzahl von Blättern, die gegen eine gesetzlich reeipirte Confession, gegen den ungarischen Staat und gegen die ungarische Nation hetzen, in die an Oesterreich grenzenden Comitate unentgeltlich versendet werden, und wenn er sich Kenntniß davon verschafft hat, ist er entschloffen, jenen Blättern, welche solche Grundsätze verkünden, den Postdebit in Ungarn und dessen Nebenländern zu entziehen? Besitzt der Herr Minister Kenntniß davon, daß einzelne Agenten das Land bereisen, um die Bevölkerung aufzuhetzen? Wenn sich das als wahr erweist, ist er entschlossen, die volle Strenge des Gesetzes walten zu lassen und gegen dieselben die nothwendigen Maßregeln anzuwenden, sei es, daß es sich um die Führer oder drren Agenten handelt, fei es, daß dieselben in Folge einer Einladung oder aus freien Stücken hierherkommen, wenn nur ihr Zweck darin besteht, solche aufreizende Grundsätze zu verkünden? Aus diese Interpellation antwortete heute der Ministerpräsident Baron Banffn, die ganze R'chtung und Person Lueger's sei zu wenig ernst, um einer Verhandlung des ungarischen Parlaments würdig zu sein. Die Agenten und die Zei-