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Der Israelit · 1896-06-25 · Heft 51 (25.6.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 51 (25.6.1896)
Date
1896-06-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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968; live Angelegenheiten zu mengen haben. Während in allen Gemeinden die tüchtigsten Kaufleute in solche Körperschaften gewählt werden, bildet Lemberg in dieser Beziehung durch Nominirung von Rabbinen eine Ausnahme. Ein besonderer Fehler war es, oaß der Prediger unserer Geiueinde bei der Hauptwahl der 100 Gemeinderäthe nommirt und auch gewählt wurde, während man sich an den Herrn Rabbiner Schmelkes erst bei der Ersatzwahl erinnerte und den Mißerfolg zu verzeichnen hatte, daß er durchgefalleu ist. Ein sehr großer Tbeil der Fortschrittspartei wollte dem Rufe ihr s Gemeindepräsidenten nicht Folge leisten, weil es sie ärgerte, daß der gewesene Gemeinderath und Großindustrielle, Herr Thom, umgangen und nicht candidirt wurde. Ein Faktum ist cs aber, daß auch viele Wähler der konservativen Partei sich bei dieser Wahl absemirt haben; weil sie mit Recht nicht begreifen konnten, was ein Rabbiner eigentlich im Gemeinderäthe zu leisten im Stande ist. Oester r.-U n g a r. Monarchie. Prag, im Juni. Am 4. Juni d. I. beging der im Jahre 1846 von den bereits verstorbenen Herren Koppelmann Dworeles und Josef Kollin begründete Israelitische Kreuzerverein für Krankenpflege das 50jährige Jubiläum seines Bestandes. Einfach, würdig und entsprechend seiner Tendenz ging die Feier im Saale der deutschen Handels-Akademie vor sich, in Gegenwart einer zwar kleinen, aber auserwählten Gemeinde, in der wir den Präses der Prager Cultusgemeinde, Herrn Dr. Rosenbacher, dessen Stellvertreter Herrn Dr. Ludwig Bendiener, den Obmann der böhmischen Landesjudenschaft Herrn Dr. M.Lichtenstern, den Kammer- und Eisenbahnrath Herrn Gottlieb Bondy, die Herren Rabbiner Dr. Back, Dr. Grün, Dr. Kisch, Knvpfelmacher und Stark, sowie Abordnungen der Synagogen und humanitären Vereine bemerkten. Präcis 11 Uhr Vormittags betraten der Director des Vereines Herr Dr. Duschenes, Herr Oberrabbiner Dr. N. Ehrenfeld und der Vereinscassier Herr Ernst Busch das Podium und nahmen am grünen Tisch ihre Plätze ein. Die Herrn Dr. Duschenes, Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, Dr. Bendiener, welch letzterer seit 35 Jahren Secretär des Vereins ist, aben durch überaus schwungvolle Reden der Feier eredten Ausdruck. In der alten israelitischen Gemeinde Prags war bereits vor 100 Jahren das jüdische Vereinswesen im Aufschwünge gewesen und zu diesen ältern Vereinen gehört der israelitische Kreuzerverein fürKrankenpflege, ein Verein, der ein eigenthümliches Gepräge aufweist, indem die Gründer dieses Vereins — drei Männer aus dem Volke — auch dem Aermsten unter den Armen den Zutritt zu diesem Vereine ermöglichen wollten und daher die minimalsten Beiträge — kreuzerweise — bestimmten. Der Segen Gottes aber sollte nicht ausbleiben, und aus diesen Kreuzern sollten sich Tausende ansammeln, so daß heute der Verein über einen Fond von 16.000 fl. verfügt. Feuilleton. Auf des Leöens Köh'. Erzählung von S. B. R o s n e r. 11) k (Alle Rechte Vorbehalten.) „Bah — nur keine Gespensterseherei! Du — Gott — eine himmlische Idee!" Sie drehte sich muthwillig im Kreise heruni und klatschte in die Hände. „O — höre nur — entzückend! Denke Dir nur durch dieses endlose Rebelmeer einen einsamen Schlitten lautlos fliegend, mit zwei tief verpetzten, leidlich hübschen Damen als Besatzung. Rechts und links, oben und unten, nichts als einförmiger todter Nebel — da muß mau ja das Gefühl haben, als ob man durch das schattenhafte Reich des Hades dahinflöge. Fühlst Du nicht Dein Herz in heller Begeisterung für diese abenteuerliche Romantik auflodern?" „Ich muß Dir gestehen," lächelte Helene, „daß ich nichts empfinde, was der Begeisterung ähnlich sieht, aber wenn Du den 'Wunsch hast, ein wenig auszufahren, in Gottes Ramen denn!" „Ein wenig artsfahren," wiederholte Martha mit beleidigtem Groll, „nüchtern wie eine Waschfrau!" „Pardon," rief Helene scherzend, „es war durchaus nicht meine Absicht die edlen Schwungfedern Deiner patetischen Seele mit jener in der That unverzeihlichen Redensart zu beleidigen. Ich widerrufe meine Worte: nein, nicht ein wenig ausfahren wollen wir, sondern auf schwarzen Mioffcn durch das graue Plutos segeln! — Ich glarrbe, das dürfte schon annährend Deinen poetischen Ansprüchen geniigen." „Ach ja, kostbare Helene," rief Martha mit dem naiven Entzücken eines Kindes, „so ist's recht! Ich laufe schnell ein Bischen Toilette machen und bin im Moment wieder da. Doch halt — was machen wir, oder richtiger gesagt, was machst Du, wenn einige Wölfe Lust haben sollten mit uns Bekanntschaft zu machen? Denn mir thun die hiesigen Wölfe nichts an, das habe ich bei meiner Hierherreise erfahren. Run habe ich Dir noch gar nicht die Geschichte meiner wunderbaren Rettung erzählt!" „Du erschreckst mich Kind! Ich weiß noch kein Wort —" „Ra, so höre denn. Wie Du schon weißt, habe ich zu meinem Onkel gesagt, ich zöge es entschieden vor, ohne ihn, von den Wölfen getödtet zu werden, als in seiner Gesellschaft von der Langweile. Man sagt mit Recht, man solle den Teufel

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