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Der Israelit · 1896-06-25 · Heft 51 (25.6.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 51 (25.6.1896)
Date
1896-06-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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969 nicht an die Wand malen. Nun, da das Wort einmal ausgesprochen war, begann es mich auf eine eigentümliche Weise zu ängstigen. Wie ich nun so mutterseelenallein auf der öden Straße dahinfuhr, fühlte ich meine Brust doch ein wenig beklommen und dachte mir: du hast von den Wölfen gescherzt — wenn nun aber so ein hungriges Wölflein querfeldein herangesprungen käme.-Ich kann nicht leugnen, ich empfand ein Gruseln. Kaum hatte ich das gedacht, als ich schreckensstarr ein schwarzes, vierfüßiges Ding über die Haide gerade aus meinen Schlitten losjagen sehe. Himmel! schrie ich so laut, daß selbst die Pferde zusammenschreckten, ein Wolf, ein Wolf! Der Kutscher schaute sich nach dem Ungethum um und sprach dann mit einer mir unbegreiflichen Seelenruhe: „Dem werden wir leicht beikommen," Wieso? — rief ich zähneklappernd. „Weil es nur ein Hund ist. — Tableau!" Martha brach in ein schallendes Gelächter aus und sprang aus dem Zimmer. Eine halbe Stunde später saßen beide Freundinnen (um mit einem Ausdrucke Martha's zu reden) „tief verpelzt" im Schlitten. Das seine Gefühl Marthas für die mannigfachen Schönheiten der Natur hatte sie auch diesmal nicht getäuscht, indem es ihr von dieser Ausfahrt einen exotischen Genuß versprach. Es war ein eigenes Gefühl, dieses schweigende Nebelmeer, welches auf keine zehn Schritte deutlich sehen ließ, so sauft wie von Geisterhänden getragen zu durchschneiden. Martha that sich hierauf nicht wenig zu gute. „Es wäre ja Alles ganz vortrefflich," bemerkte Helene, „wenn nur der Schlitten auf der ausgeschliffenen Bahn keine so weite Bogen beschreiben würde, das macht mich ängstlich. Ich muß doch den Kutscher aufmerksam machen, daß er acht gebe. Hans — Gott im Himmel!" unterbrach sie sich mit kreischendem Aufschrei. Auch Martha stieß einen unterdrückten Schrei aus und im nächsten Augenblick lagen Beide im Schnee, während die Pferde mit dem Schlitten in rasendem Galopp durchbrannten. Der erste Gedanke Helencus war Martha, und noch ehe sie sich aufrichtete, rief sie vor Schreck stammelnd: „Kind, wo bist Du? Ist Dir auch kein Leid geschehen?" Martha, die einige Schritte weiter zu liegen kam, antwortete ganz munter: „Sei meinetwegen ganz unbesorgt, ich liege hier wie auf Daunen gebettet, und Du?" „So behaglich kann ich es gerade nicht finden, aber ich glaube doch, daß ich weder Arm noch Bein gebrochen habe imb bin zufrieden." Nun richteten sie sich mit einiger Mühe in die Höhe und als sie einander erblickten, brachen Beide in ein herzliches Lachen aus. Sie boten auch einen recht drolligen Anblick. Bon Kopf bis Fuß mit Schnee bedeckt, hatte es den Anschein, als ob sie von einer Schaar muthwilliger Kinder eine geraume Zeit mit Schneeballen beworfen worden wären. „Siehst Du," scherzte Martha, indem sie sich den Schnee abschüttelte, „ein weiterer Genuß dieser Spazierfahrt, auf den wir gar nicht gerechnet hatten. Gott, die Pferde sind durchgegangen! Kaum, daß man noch die Hufschläge vernimmt. Wenn sie nur nichts Schlimmes anrichten." „Ich bin mn den Kutscher besorgt. Doch siehe, da kommt er ja." Der Genannte tauchte in diesem Augenblicke im Nebel, wie ein menschenähnlicher Schatten auf. Er hinkte auf einem Bein und fluchte von weitem. „Verdammte Bestien haben mir das ganze Bein zerquetscht!" Eigentlich war's mit der Beinquetschung so schlimm nicht und er stellte sich nur so elend, um Mitleid zu erregen und minder streng zur Rechenschaft gezogen zu werden. Bei den Damen angelangt, nahm er die Mütze vom Kopf und begann sich zu entschuldigen: „Verzeihung Ew. Gnaden — ich konnte wirklich nichts dafür, die Pferde scheuten — der Weg —" „Gleichviel," unterbrach ihn Helene, „die Sache läßt sich nun einmal nicht mehr ungeschehen machen, für uns ist's jetzt die Hauptfrage, wie wir wieder in's Schloß zurückkommen. Gestattet Dir Dein Bein zurückzukehren und andere Pferde zu holen?" „Gewiß, Ew. Gnaden, wenn auch ein bischen langsam —" „Wir haben uns ziemlich weit vom Schlöffe entfernt," erwog Helene, „und es kann immerhin eine Stunde dauern, bis der Wagen zur Stelle ist. Was meinst Du, Martha, wär's nicht gerathener, zu Fuß den Rückweg anzutreten, als so lange hier in der Kälte warten?" „Ganz meine Ansicht, und wenn ich die Sache recht bedenke, gewinnt das Abenteuer auf diese Weise erst den stylgerecht dazu paffenden Abschluß. Halberfroren anmarschirt kommen, wie zwei aus dem Kloster entsprungene Novizen — unvergleichlich! Also, vorwärts!" Sic befreiten sich nun noch gegenseitig die Kleider vom Schnee und setzten sich in Bewegung. Kaum aber waren sie einige Schritte gegangen, als der Kutscher stehen blieb und aufhorchte. „Alle Teufel," rief er plötzlich freudig aus, „die Racker kommen wieder zurück, und in so mäßigem Tempo! Sacra — müssen die sich müde gerannt haben! Bitte, Gnaden, belieben sich an die Seite des Weges zu stellen, denn die Pferde könnten wieder

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