Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 51 (25.6.1896)
- Date
- 1896-06-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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966 gar keinen anderen Erfolg hätte, als daß es nach absolvirter Schulzeit nicht den Weg der anderen Neligionsbücher wandert, daß es vielmehr als treuer Begleiter durch's ganze Leben dem Jüngling, dem Mann, dem Greis, das Gedächtniß an das erste Morgenroth der Jugend und an die Fülle von herrlichen Wahrheiten weckt, die ihm sein Lehrer an dieses Büchelchen knüpfte, dieser Vorzug allein dürfte genügen, um den Versuch einer Behandlung dieses Gegenstandes zu rechtfertigen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 24. Juni. (Die jüdischen Gemeinden Deutschlands und ihre Institutionen.) Bei den vielfachen, oft nur allzuberechtigten Klagen über den religiösen Verfall begrüßen wir freudig eine Veranlassung, die unseren Blick auf die Gesammtheit der jüdischen Gemeinden Deutschlands lenkt. Vor einem solchen auf die Totalität des jüdischen Gemeindewesens gerichteten Blicke treten die Mängel, Mißstände und Gebrechen zurück, welche der Einzelerscheinung anhaften und söhnen uns mit Manchem aus, das uns sonst mit aufrichtiger Betrübniß erfüllt. Den Anlaß hierzu bietet der uns vorliegende neueste (zehnte) Jahrgang des Statistischen Jahrbuch's des D eutsch-J s raelitis chen Gemeindebundes 1895*). Der , Israelit" hat feit Bestand des Gemeindebundes dessen Prinzipien und die Tendenzen seiner maßgebendsten Wortführer wiederholt zu bekämpfen Gelegenheit gehabt. Das soll uns jedoch nicht abhalten, auch unsere Anerkennung auszusprechen, wo es sich um Akte handelt, welchen wir ohne Rückhalt zustimmen können. Die Anlegung des statistischen Jahrbuchs seitens des Gemeindebunds war ein solch glücklicher Gedanke, desien gelungene Ausführung des Beifalls aller Richtungen innerhalb der zeitgenössischen Judenheit sicher sein darf. Die Statistik ist eben eine unparteiische Disciplin und mehr als gleiches Licht und Recht für alle haben wir niemals beansprucht. Dementsprechend rekrutirt sich auch die Zahl der Mitarbeiter aus Persönlichkeiten aller Parteien. Die ersten 100 Seiten füllt das Verzeichniß sämmtlicher Gemeinden Deutschlands aus, mit namentlicher Bezeichnung der Vorsteher, Rabbiner und sonstiger Cultusbeamte, der Vereine und Institutionen. 1) Herausgegeben vom Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebunds Berlin W., Sigismundstratze 5. Preis 1 M. 60 Pfg. franco. Es ist dies eine werthvolle Zusammenstellung, die das Jahrbuch zu einem Adreß- und Nachschlagebuch für alle macht, obwohl in der Vorrede eingeräumt wird, daß gerade dieser Theil noch immer der Vervollkommnung fähig ist. Während hier die Gemeinden nach den einzelnen deutschen Ländern gruppirt sind, folgt in dem sich daran fügenden Register eine alphabetisch geordnete Zusammenstellung sämmtlicher Gemeinden, deren im Ganzen 3121 aufgezählt sind! Daran reiht sich eine Zusammenstellung sämmtlicher Vereine, Stiftungen, Schulen rc. zur Beförderung des Handwerks unter den Juden, deren Zahl die stattliche Höhe von 57 erreicht. Alter-Versorgungs - Anstalten und Asyle sind hier angeführt: 17. Ferner: 30 Kranken- und Siechenhäuser, 15 Rabbineruild Lehrerseminare unb Präparandenanstalten, 14 Real- und höhere Bürgerschulen, 33 Waisen- und Erziehungshäuser, 90 Vereine für Volksbildung und Bibliotheken, 20 Vereine von Rabbinern und Lehrern, 33 Vereine zu Gunsten von Gemeindebeamten, 4 Anstalten für Volksverpflegung. Diese Zahlen sprechen doch eine überaus beredte Sprache. Sie stellen dem Bildungstrieb, der Menschen- und Bruderliebe, dem Geist der Zusammengehörigkeit der Juden Deutschlands ein glänzendes Zeugniß aus. Erwägt man, daß die Gesammtzahl der jüdischen Einwohner Deutschlands, sich auf kaum mehr als eine halbe Million beläuft, daß diese geringe Zahl sich in mehr als 3000 Gemeinden zersplittert, so darf man billig bezweifeln, ob die humane ideale Gesinnung, die in diesen Vereinen und Institutionen verkörpert ist, von irgend einer anderen Confession erreicht, oder gar übertroffen wird. Dabei handelt es sich um Bestrebungen, die sich keiner staatlichen Fürsorge und Unterstützuug zu erfreuen haben, die ihre Existenz ausschließlich der freien Initiative der jüdischen Bevölkerung verdanken. Eine sehr interessante Bereicherung hat diese neueste Auflage erfahren durch ein Verzeichniß der Gemeinden, in welchen beim Gottesdienst eine Orgel oder ein Harmonium eingeführt worden ist. Es wird viele überraschen zu erfahren, daß unter den mehr als 3000 jüdischen Gemeinden Deutschlands, nur 94 diese Nachäffung des christlichen Gottesdienstes eingeführt haben. Und selbst in diesen 94 Gemeinden wird, wie es in der Vorrede betont ist, die cingeführte Orgel in zahlreichen Fällen nicht mehr benutzt. Das ist sehr instruktiv für Gemeinden, die noch heute mit dem Plan umgehen, eine Orgel einzuführen. Nach diesem statistischen Ausweis werden sie sich wohl zweimal besinnen, bevor sie zu einem solchen Schritt sich entschließen! Für Kultusbeamte, die aus religiösen Bedenken nicht in einer Gemeinde