Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1896-06-22 · Heft 50 (22.6.1896) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 50 (22.6.1896)
Date
1896-06-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448608-2448654--42005-2490988
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

S58 2 Schneider, 1 Schlosser, 1 Kleiderrnacherin. Neu ausgenommen wurden: 1 Metzgerlebrling, 1 Klempnerlehrling. Am Ende des Jahres 1895 befanden sich in der Lehre: 1 Schneiderlehrling, 1 Polstererlehrling 1 Metzgerlehrling, 1 Klempnerlehrling, 1 .Küferlehrling und 1 Kunstschlosserlehrling. Der Verein zählt 239 Mitglieder. > Vermischtes. Berlin, (Ahlwardt in Amerika.) Ahlwardt befindet sich noch immer in New-Bork. ohne an die Heimkehr oder an die Niederlegung seines Mandats zu denken. Nach den Berichten amerikanischer Zeitungen scheint es ihm nicht gut zu gehen. Wie die „New-Porker Staatszeitung" berichtet, fand vor kurzem in Brooklyn eine öffentliche Versammlung statt, in der dem nicht anwesenden Ahlwardt der Vorwurf gemacht wurde, er versetzte seine Werthsachen bei jüdischen Pfandleihern. Die Versammlung nahm, da auch Freunde für Ahlwardt eintraten, einen so stürmischen Verlauf, daß der Vorsitzende sie schloß und Polizeibeamte das Local räumen mußten. Basel, 10. Juni. Wie ich Ihnen seiner Zeit mitgetheilt habe, hat sich vor 9U Jahren hier ein israelitischer Jünglingsverein min HDltP man gebildet, der bereits 23 Mitglieder, fast ausschließlich junge Kanfleute, zählt und zunächst 3mal wöchentlich sich zum Lernen versammelt. Dieser Verein bezieht nun am 1. Juli sein Versammlungszimmer, Basel, Schützengraben 58, welches zu einem tcmnn n’3 werden soll. Bereits hat Herr Baron Willy von Rothschild den Verein mit einer größeren Summe beschenkt zur Anschaffung von Büchern Jedoch fehlt zur Einrichtung der Bibliothek noch viel. Diejenigen, die gut erhaltene und deutsche Bücher mit jüdischem Inhalt besitzen, werden freundlichst ersucht, dieselben an H. Charles Nordmann, den Präsidenten des Vereins, Basel, Kornhausgasse 8, gelangen zu lassen. atwr n?nj Wien. (Steinwurf in eine Synagoge.) An einem Nachmittage im Mai waren etwa 150 Kinder in dem israelit. Tempel in Fünfhaus, Turnergasse, zum Gottesdienste versammelt, als plötzlich von außen Ziegelstücke in die Fenster geworfen wurden; dieselben zertrümmerten acht Scheiben und fielen auf der Galerie nieder, wo sich glücklicherweise Niemand befand. Ein in der Nachbarschaft beschäftigter Drechslergehilfe, Martin Kanuschka, hatte das Bubenstück verübt. Er wurde verhaftet und befand sich heute unier der Anklage der boshaften Beschädigung fremden Eigenthums und Gefährdung persönlicher Sicherheit vor Gericht. Die Zeugen sagten über ihn, daß er ein stupider, kindischer und oft muthwilliger Mensch sei. Er selbst gab über seine Handlungsweise an, daß er den Tempel für leer gehalten und plötzlich den Einfall gehabt habe, seine Treffsicherheit, die er in der Kindheit oft bewährt habe, neuerdings zu erproben. Ein von ihm geworfenes Ziegelstück war übrigens in die Wohnung eines Friseurs durch das Fenster geflogen. Hanuschka wurde zu sechs Monaten schweren Kerkers verurtheilt, wobei als erschwerend angenommen wurde, daß dieser die persönliche Sicherheit gefährdende Frevel an einem dem Gottesdienste geweihten Hause begangen worden sei. Wien, 12. Juni. (Die Folgen eines Sensenkrieges.) Die hiesige Firma Münzer u. Comp., die ans den Brüdern David, Dr. Lazar und Jakob Münzer besteht und einen Handel mit land- und forstwirthschaftlichen Geräthen betreibt, erregte vor zwei Jahren peinliches Aufsehen durch geschäftliche Circuläre, die sie an die Landbevölkerung versendete. In denselben hatten nämlich die Brüder Münzer, obwohl selbst Juden aus Drohobycz in Galizien, in unwürdischer Weise den herrschenden Antisemitismus benützt, um vor dem Rheinischen Sensen-Versandthause, dessen Chef ein Vetter der Brüder Münzer ist, mit dem Bedeuten zu warnen, daß dies jüdische „Sensenhändler aus Drohobycz" und „Talmudjuden aus Tarnopcl seien. Dies geschah in einem Ton-, welcher darauf schließen ließ, die Absender des Circulärs seien unverfälschte, vom Antisemitismus erfüllte Arier. Die Flugblätter enthielten zugleich marktschreierische Anpreisungen der eigenen Sensen und schwere Beschuldigungen gegen das Rheinische Versandthaus, welche dieses veranlaßten, die Klage gegen David Münzer zu erheben, der sich als Verfasser der Angriffe bekannte. Die Untersuchung nahm längere Zeit in Anspruch, und nachdem die Verjährungsfrist abgclaufen war, erklärte David Münzer plötzlich, er habe die Unwahrheit gesagt, denn nicht er, sondern sein Bruder Dr. Lazar sei der Verfasser des Circulärs. Gegen diesen konnte jetzt nicht mehr eingeschritten werden. Bald nachher wurden jedoch neuerlich Circuläre ähnlichen Inhaltes gegen das Rheinische Versandthaus ausgegeben, auf dessen Begehren abermals eine Untersuchung gegen die Firma Brüder Münzer eingeleitet und David Münzer wegen Gefahr der Wiederholung der Ehrenbeleidigung in Haft genommen wurde — eine Maßregel, gegen welche vom juristischen Standpunkte aus darnals vielfache Bedenken ausgesprochen wurden. Nach einmonatlicher Haft David Münzer's wurde ein Ausgleich geschlossen, der dahin ging, daß die Firma Münzer u. Comp, dem Rheinischen Versandthause eine öffentliche Abbitte leistete, in welcher sie die erhobenen Beschuldigungen als grundlos bezeichnete und versprach, diese nicht wieder zu erheben; zugleich widmeten die B'üder Münzer, um diesen Widerruf auch in anderer Weise zu markiren, 600 fl. für wohlthätige Zwecke und bezahlten als Kosten für den klägerischen Vertreter Dr. Schornstein 3000 fl., sowie als Ersatz für dessen in dieser Sache unternommenen Reisen 400 fl. Gegen diese Bedingungen trat das klägerische Haus von der Verfolgung zurück. Um dieselbe Zeit ungefähr erschienen in der von Dr. Joseph Bloch herausgegebenen Zeitschrift für das Judenthum : „Oesterreichische Wochenschrift", zwei Artikel von dem Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde in Drohobycz, Alexander Schorr, in welchem dieser aus Anlaß der Circuläre der Firma Münzer u. Comp, eine Charakteristik der drei Brüder entwarf, die sehr heftig gehalten war. Es wurden dieselben unter Andern: spekulative Hochstapler und Betrüger genannt, welche sich mit falschem Scheine umgeben, um eine reiche Heirath machen zu können. Von Jakob Münzer wurde gesagt, daß er im Zuchthause in Lemberg eine mehrjährige Kerkerstrafe abgebüßt habe. Endlich wurde erzählt, daß der Vater der Brüder Münzer sich sechs Monate wegen Crida in Haft befunden habe und daß, als er im Wiener Krankenhaus starb, die Kosten von der Heimathsgemeinde erstattet werden mußten. Wegen dieser Aufsätze reichten Dr. Lazar und David Münzer die Ehrenbeleidigungs-Klage bei dem Schwurgerichte gegen Herrn Schorr ein. Jakob Münzer klagte blos beiden: Bezirksgerichte wegen Vorwurfs einer ausgestandenen Strafe. Die Verhandlung vor dem Schwurgerichte wurde nicht zu Ende geführt, weil der Gerichtshof die Klage für verjährt erklärte. Der Cassationshof hob jedoch in Folge der Nichtigkeits-Beschwerde der Kläger die Entscheidung auf, weßhalb unter dem Vorsitze des Landgerichtsrathes Baron Benz eine neue Verhandlung hierüber stattfand. Die Klage vertrat Dr. Sieger. Die Vertheidigung des nicht erschienenen Angeklagten führte Tr. Schornstein. Der Gerichtshof verurtheilte Alexander, recte Sender

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.