Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 50 (22.6.1896)
- Date
- 1896-06-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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■ 957 reiche Beschenkung der ortsansässigen Armen, eine Bewirthung und Bekleidung der Waisenkinder und der armen Talmud-Thora-Schüler hat fast überall, auch in den kleinsten und ärmsten Gemeinden, stattgesunden, während in den größeren und reicheren verschiedene Wohlthätigkeits-Jnstitute, Krankenhäuser, Volksküchen, Armenschule» :c. in's Leben gerufen wurden, deren segensreiche Wirkung für alle Zukunft fortdauern wird. Auch die Gesammtjudenheit Rußlands als solche wird ihrer Freude über das bedeutsame Ereigniß einen sichtbaren Ausdruck verleihen. Auf die Initiative von Petersburger Glaubensgenossen wird, wie bereits berichtet, dem Monarchen im Namen seiner sämmtlichen jüdischen Unterthanen ein Huldigungsgeschenk überreicht werden, welches unter den vielen aus dem gleichen Anlaß dargebrachten Gaben sicherlich nicht den letzten Platz einnehmen wird. Es ist dies eine allegorische Gruppe aus Silber, welche die Krönung Seiner Majestät als ein gottgewolltes, von einem Erzengel vollzogenes Ereigniß darstellt. Das herrliche Kunstwerk ist von dem berühmten Bildhauer Antokolsky modellirt und von einer der ersten Kunstgewerblichen Firmen in Paris ausgeführt. Egypten. (ß.) Alexandrien, 25. Mai. Seit einigen Wochen wüthet wieder hier die Cholera, die täglich zahlreiche Opfer fordert, wobei sie selbstverständlich weder auf die Confession noch auf den Stand Rücksicht nimmt. Mehr als ein Viertel unserer Gemeindemitglieder ist schon entflohen, und die Synagogen stehen daher schon halb leer. Das Schebuothfest ist daher hier in sehr trauriger Stimmung vergangen. Auch unsere Gemeinde hat aus Anlaß des Ablebens des großen jüd. Philantropen Baron Moritz Hirsch eine Trauerandacht (nariwi) veranstaltet, die in der Synagoge des Propheten Elias (rDj3n rvo N'Dji p) statlsand, wobei unser Oberrabbiner Elia H a z a n eine Gedenkrede in arabischer Sprache, Herr Guiseppe Nacaniulli eine solche in italienischer, Herr JsakBronstein eine in deutscher undHerrSelim Cohen selbe in französischer Sprache hielt. Die Schüler der hiesigen israelitischen Schulen trugen den einzigen Psalm vor. Unter den englischen Truppen, die jetzt in Egypten stehen, befinden sich gar keine Juden, dagegen heißt es, daß sich unter den indischen Truppen, die England jetzt aus Indien kommen läßt, damit sie an dem geplanten Feldzüge gegen die Mahdisten theilnehmen sollen, sich auch mehrere einheimische Juden, die sogenannten Bene-i-Jsrael befinden werden. China. Tientzin. Der Großkanzler des chinesischen Reiches und Vicekönig der Provinz Pe-tschi-li (in der auch die Hauptstadt Peking liegt), Li-hungtzang, weilt soeben als Gast auf deutschem Boden. Dieser hohe Functionär hat seinen Amtssitz in der Hafenstadt Tientzin, in welcher Stadt sich die ersten europäischen Juden und zwar schon 1858 angesiedelt haben. Seit fünfundzwanzig Jahren residirt nun Li-hung-tzang in dieser Stadt als Vicekönig. Obgleich die fremden Juden dort gleich den übrigen Europäern unter der Jurisdiction ihrer betreffenden Consulen stehen, so haben sie doch diesem Staatsnianne viel zu verdanken, da er ihnen den freieu Aufenthalt in der Stadt und auch den ungehinderten Verkehr mit der Bevölkerung gestattete. Als Großkanzler des chinesischen Reiches kann er auch verhängnisvoll in die Geschicke der daselbst lebenden einheimischen Juden eingreifen, indessen existiren dieselben dort schon seit zweitausend Jahren, und keinem chinesischen Staatsmanne ist es noch eingefallen, sie in der Ausübung ihrer Religion zu stören. Jndeß haben sich diese Juden schon längst den Chinesen assimilirt und tragen sie auch wie diese einen Zopf. Zu Hause und in ihrer Synagoge sind sie jedoch strenggläubige Juden, obgleich sie als Religionsbücher nur die fünf Bücher Mosis und ein kleines Gebetbuch besitzen. Wereinsnachrichten. Remagen. Dem Geschäfts-Bericht der über 59 Jahre bestehenden Chebroh Kadischoh, Verein zur Hebung und Verbesserung der sozialen Lage der Juden, (Sitz: Remagen) .über das Rechnungsjahr 1895 entnehmen wir: Das neunundfünfzigste Lebensjahr unseres Vereins liegt hinter uns. Gerne genügen wir der Pflicht, seinen verehrten Mitgliedern durch nachfolgenden Geschäftsbericht von dem segensreichen Wirken des Vereins im verflossenen Jahre Kenntniß zu geben. Auch heute können wir nicht umhin, unseren Bericht einzuleiten durch einen Appell an all' diejenigen, deren Herz warm schlägt für die edle Sache, die wir vertreten. Es muß uns daritm mit Stolz erfüllen, konstatieren zu können, daß unser Verein einer der ältesten derjenigen Rheinlands mit gleicher Tendenz ist und auf eine nahezu 60jährige erfolgreiche Thätigkeit zurückblicken darf. — Aus kleinen Anfängen hervorgegangen, hielt er unentwegt fest an dem sich einmal gesteckten Ziele Anderer Roth zu lindern, das Emporkommen der materiell und moralisch Zurückgebliebenen dauernd zu fördern. — Seine Ausgabe für diese edlen Zwecke betrug im letzten Jahre circa 80«> Mark, eine Summe, die lediglich durch Mitgliederbeiträge aufgebracht wurde, während er reicher Zuwendungen stets entbehrte. Die Lehre haben im Laufe des Jahres beendet: