Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 50 (22.6.1896)
- Date
- 1896-06-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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956 Herrn Tal (jetzt im Haag) zu Stande gekommen, der überhaupt Arnheim zu religiösem Aufschwung gebracht hat. Seit einem Jahre wirkt daselbst Herr Oberrabbiner Wagenaar, ebenso segensreich wie sein Vorgänger. Ist es nicht erhebend, bei den Talmud-Uebungen des Morgens eine stattliche Anzahl von Männern, und bei den religiösen Borträgen des Abends einen Saal voll Menschen echtjüdische Lehre empfangen zu sehen? Es geschieht das bei der Chewra ruiDN pur», welche vor 15 Jahren von Herrn Oberrabbiner Tal begründet wurde und jetzt unter der Leitung des Herr Oberrabbiner Wagenaar steht. Man erzählte mir, daß in der Provinz Gelderland, wovon Arnheim die Hauptstadt,. mehr als 30 kleinere Gemeinden seien (Zütphen gehört auch dazu), in denen allen die jüdischen Einrichtungen sich in bester Ordnung befinden. Als ich in meiner Coupe-Ecke nach Utrecht fuhr, dachte ich darüber nach, daß die Befürchtungen für allmählichen Untergang des religiösen Heiligthums, die uns Jehudim vom altem Schrot und Korn manchmal beschleichen, schwinden müssen, wenn man so in jüdischen Gemeinden die Emunoh in Kraft und Fülle wohnen sieht, — sei es denn auch kämpfend gegen die Zeiströmungen. Utrecht, eine historisch bekannte Stadt, ganz anders als Arnheim, mehr Bischofs-, mehr Universitätsstadt, ist großartig gebaut, schön angelegt. Was die jüdische Gemeinde in Utrecht betrifft, so hat auch diese ihre Einrichtungen gut in Ordnung, wenn auch lange nicht in dem Maße wie Arnheim. Die Kinderschule kann ebensowenig den Vergleich aushalteu, wie die Mikwa. Freilich hat Utrecht keinen Oberrabbiner, und hätte es einen, so wäre der Nabbinatssitz in Amersfoort, einer benachbarten Stadt. Aber die ganze Provinz Utrecht hat keinen Oberrabbiner! Das ist eine ganz eigenthümliche Sache in Holland, ein ungesunder Zustand, der sich bereits bitter rächt, daß eine ganze Provinz einfach keinen Oberrabbiner wählt und sich für die laufenden Formalitäten einem benachbarten Oberrabbiner unterstellt. So ist es in Utrecht. Es scheint, daß die Leute lieber das Geld in der Tasche, als einen Oberrabbiner in ihrer Gemeinde sehen. Sehr schade, die religiösen Zustände leiden stark darunter. Früher hatte die Gemeinde Utrecht einen Lokal-Rabbiner, seit einer Reihe von Jahren aber auch einen solchen nicht mehr. Recht beachtenswert h in Utrecht ist das „Centraal Israel. Weeshuis", worüber ich Ihnen ein anderes Mal berichten will. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Fiume, im Juni. In einer Zuschrift an den „Corriere Jsraelitico" in Triest sucht der hiesige Rabbiner Gold stein sich zu entschuldigen, daß er den von ihnr angenommenen Rabbinerpoften in Reggio (Italien) plötzlich wieder abgelehnt hat. Rach den Angaben des Herrn Goldstein habe er den von ihm schon seit vierzehen Jahren hier bekleideten Rabbinerpoften nur deshalb verlassen wollen, weil die Reformbestrebungen des hiesigen Cultusvorstandes seinen konservativen Ansichten nicht zusagten. Er nahm daher den materiell nicht so gut dotirten Rabbinerposten in Reggio an, wobei er noch dem dortigen Vorstande das Recht einräumen mußte, ihm von drei zu drei Jahren kündigen 51t können. Als nun der hiesige Vorstand sah, daß Herr Goldstein ernstlich daran denke, seinen hiesigen Posten zu verlassen, beguemte er sich dem Rabbiner die geforderten Zugeständnisse 51t machen, unter der Bedingung jedoch, daß dieser seine bisherige Gemeinde nicht verlasse. Er ward so indirect gezwungen, dem schon angenommenen Rabbinerposten in Reggio wieder zu entsagen. Rußland. St. Petersburg, 10. Juni. Seit dem Beginn des vorigen Monats stand ganz Rußland unter dem Eindrücke des erwarteten höchst bedeutsamen Ereignisses, der Krönungsseier unseres erhabenen Monarchen. Daß auch die jüdische Bevölkerung diesen Freudentag des Vaterlandes in würdiger Weise mitfeiern werde, war vorauszusehen und hat sich in überraschend höherem Maße erfüllt, als gewiffe Kreise von vornherein angenommen haben. Es dürste wohl kaum eine einzig jüdische Gemeinde im ganzen weiten russischen Reiche geben, in der nicht mindestens ein Festgottesdienst abgehalten worden wäre, und die größeren haben durch ihre Veranstaltungen überall gezeigt, daß die russische Judenheit an den Freudenfesten ihres Herrscherhauses nicht minder innigen Antheil nimmt, als alle anderen Unterthanen Seiner Majestät. Freilich war der Charakter der Feier, wie sie von dem jüdischen Theil der Bevölkerung begangen wurde, von den sonstigen Veranstaltungen meist wesentlich verschieden, jedoch dürfte ein Vergleich kaum zu Ungunsten der Juden ausfallen. Die jüdische Bevölkerung hat keine öffentlichen Gelage auf freiem Markte veranstaltet, keine Theertonnen auf den Bergen angezündet; auch das erhebende Schauspiel eines Preiskletterns mit zugehöriger Prügelei wurde, soweit Zeitungsberichte bisher vorliegen, von den jüdischen Gemeinden nirgends dargeboten. Aber eine je nach den beschaffenden Mitteln mehr oder minder