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Der Israelit · 1896-06-22 · Heft 50 (22.6.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 50 (22.6.1896)
Date
1896-06-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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A! ygppkJUJ üggyq yw? ft^ggg^^7?%g^wqre?5 JLXJLTU. Jahrgang. Beilage ju M 50 des „Israelit". Feuilleton. Holländische Reisebriefe. i. Hell strahlte die Sonne. Blau wölbte sich der Himmel. Warme, schwüle Lüftchen spielten durch die geöffneten Fenster in die Zimmer hinein. Sie sprachen von Reisewonne und Luftkuren. Sie riefen: ich solle ntich doch hinaus begeben, hinaus in die weite Welt, losgelöst von den immerwährenden Geschäften und dem ewigen Einerlei. Sie schmeichelten: es wäre so zuträglich für meine kostbare Gesundheit, die ganz bestimmt der Stärkung bedürfe.- So fuhr ich denn hinaus, nachdem das Stückchen „Weite Welt", welches das Glück empfangen sollte, mich zu sehen, nach reiflicher Ueberlegung angewiesen worden war. Holland sollte' es sein. Ich, Landratte, wollte das Land der Windmühlen und „Grachten" besuchen und am Meeresstrand mich von dem Gemurmel des großen Wassers einschläfern lassen. Bei meiner Reise durch Westfalen hörte ich erfreuliche Klänge über die Constituirung des Vereines, der die Fahne des echten, unverfälschten Judenthums in rother Erde wieder pflanzen und mit Gottes Hülfe mächtig entrollen wird. „Wenn nur der richtige Rabbiner kommt", hörte ich von verschiedenen Seiten, „Einer, der mit den: Glauben auch die Liebe bringt, Einer, der eisenfest als Jehudi steht und zugleich durch edlen Tact, durch wahres Wissen, durch ruhigen, gebildeten, klaren Geist gewinnt und anzieht." — „Wird sich schon finden" gab ich zur Antwort. Aber gesucht muß werden, und zwar mit einer Objectivität, bei welcher jede persönliche Protection sernbleibt.- Zütphen war die erste holländische Station, wo ich einige Stunden weilte. Die jüdische Gemeinde daselbst steht, wie fast alle holländischen Gemeinden — mit Ausnahme vielleicht von denen in der Provinz Limburg — aus orthodoxem Standpunkte. In Zütphen ist eine schöne Synagoge, wo täglich Morgens und Nachmittags regelmäßig Minjan ist. Die Chewra- und Schullokale, die Mikwa-Einrichtung, der Vorstands-Sitzungssaal, Alles ist vorzüglich eingerichtet. Besonders bemerkens- und anerkennungswerth ist, daß in der verhältnißmäßig kleinen Gemeinde — obwohl größer als ich anfangs dachte; sie zählt circa. 500 jüdische Seelen — eine Mischnajos-Chewra besteht, an deren Zusammenkünften stets 40—50 Herren theilnehmen. Diese Chewra wurde von dem früheren Provinzial-Oberrabbiner T a l (jetzt im H a a g) in's Leben gerufen. Wie ich vernahm, geht man jetzt in Zütphen irret dem Plane um, einen Rabbinats-Candidaten als Hauptlehrer zu berufen. Der jetzige Provinzial-Oberrabbiner Wagenaar gab hierzu den Anstoß. Es berührt wohlthuend, wenn man die religiösen Zustände in Holland, mit Ausnahme von wenigen Gemeinden, betrachtet. Allerdings herrscht auch hier leider sehr viel Abfall und Jndifferentismus, aber die offizielle Führung ist auf einem Wege, der bedeutend richtiger ist, als in Deutschland. Für heute genug. Besten Gruß. Ich sahre nach Arnheim weiter. II. Ein schönes Stück Erde, dieses A r n h e i m mit feiner Umgebung. Die innere Stadt ist nicht größer und nicht viel schöner, als irgend eine deutsche Provinzialstadt, obwohl die holländische Sauberkeit hier Triumphe feiert. Aber die Vorstadt-Theile an allen Seiten „oben, über und unten entlang". Alles mit prachtvollen Wäldern und lieblichen Anpflanzungen umgeben; das Ufer des dort nicht allzubreitcn Vater Rhein, vor Allem aber die wahrhaft prachtvollen Dörfer in der Umgegend, eine Symphonie von Wald- Alleen und Villen-Anlagen-ein schönes Stück Erde! Aber noch etwas anderes Schönes fand ich hier. Wollen Sie glauben, daß ich kaum meinen Augen traute, als ich die jüdischen Institutionen in Arnheim sah? Eine Kinderschule, bestehend aus drei großen, hohen, Hellen, schön gebauten Schulräumen, durch Glaswände von einander geschieden, mit dazu gehöriger Vestibüle und allem Zubehör, so schön und modern, wie man es nur verlangen kann, dann prächtige Localitäten mit Bücherschränken für Chcwroth, Rabbinats-Büreau, Vorstands-Sitzungszimmer, alles so geräumig und nobel eingerichtet, eine wahrhaft prunkhaste Mikwa mit vier Bassins und den dazu gehörigen Räumen und allen Bequemlichkeiten (Heizung, Zimmerbau u. s. w.) — — wahrlich! wenn eine jüdische Gemeinde wissen will, wie sie sickecht jüdisch und dabei modern und sein einzurichten hat, dann soll sie ihre Repräsentanten nach Arnheim senden und sich dort alles ansehen. Und diese mögen dann auch eine halbe Stunde vor der Stadt den in wundervollem Walde gelegenen Friedhof besuchen, mit seinem i.ivL-Hause, Besuchszimmer und Wohnung für den Concierge. Alles dieses ist unter dem Oberrabbinate des

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