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Der Israelit · 1896-06-22 · Heft 50 (22.6.1896) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 50 (22.6.1896)
Date
1896-06-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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S52 hoffentlich nur dieser Anregung, um Besitzer von D'-do zu bestimmen, dieselben dem Beth-Hamidrasch zu überlasten. Der Präsident des Vereins Kijum Hoemunoh Herr I s a k R h e in und ohne Zweifel auch Herr Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz), werden Zuwendungen dieser Art mit Tank entgegen nehmen. Wenn sich wie alljährlich in wenigen Tagen der Zug der Sommerfrischler der Schweiz zuwenden wird, dann wird es den gesetzestreuen Juden unter ihnen gewiß mit Freude erfüllen, nicht nur Erholung ihres Körpers, sondern auch seelische Befriedigung in diesem schönen Lande zu finden. Daß wie bisher Gottes Segen diese Bestrebungen auch für alle Zukunft fördern möge, ist der innige Wunsch, mit welchem ich diesen Bericht schließe. Italien. (8.) Genua, 12. Juni. Vor Kurzen weilte hier der Rabbiner von Casale-Monferrato und Herausgeber des „VessilloJsraelitico", HerrFlaminio Servi, als Gast. Am Abend wollte er sich in die Synagoge begeben, um dort das Minchagebet zu verrichten. Man machte ihn jedoch darauf aufmerksam, daß schon seit Jahren an Wochentagen hier das Minchagebet nicht mehr öffentlich verrichtet werde. Rabbiner Servi begab sich nun zu unserem Cultusvorsteher und beschwerte sich darüber, daß in einer jüd. Gemeinde, wie die unserige kein Abendgottesdienst abgehalten werde. Seit dieser Zeit wird nun wieder das Minchagebet auch an Wochentagen im Tempel öffentlich verrichtet. Letzte Nachrichten. Frankfurt * M , 21. Juni In der heutigen hier stattgehabten Generalversammlung des Vereins „Jsr. Lehrer tm Großh. Hessen" wurde nach vierstündigen heftigen Debatten folgender Antrag des Vorstandes mit 33 gegen 21 Stimmen angenommen: Der isr. Lehrerverein im Großh. Hessen schließt sich vorläufig dem in Berlin im Dezembers. I. constituirten„Verbandder jüd. Lehrervereine im Deutschen Reiche" »icht an, wird aber mit demselben in freundschaftlichen Verkehr treten undgemeinnützige Be st reb ungen desselben unter st ützen. Es ist nunmehr zu constatiren, daß, da auch die Lehrer in Bayern, Württemberg und Baden sich nicht diesem Lehrerverbande anschließen, dieser nur ein Verband norddeutscher Lehrervereine ist. Der Delegirte des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, Herr Rabbiner Dr. H o r o w i tz—Frankfurt a. M., trat in aller Entschiedenheit für einen selbstständigen und unabhängigen Lehrerverband ein, und stellte den Antrag, daß man mit dem „Deutsch-Jsr. Gemeindebunde" in Verhandlung trete, daß dieser auf die ihm in den Satzungen des „Lehrerverbandes" eingeräumten Rechte verrichten möge. Der Vorstand des „Hessischen Lehrervereins" wird diesen Antrag zur weiteren Verhandlung mit dem „Deutsch-Jsr. Gemeindebund" an den Vorstand des „Lehrerverbandes" übermitteln. Vermischtes. Nordhausen Einer Reihe tapferer jüdischer Kämpfer, die für das Vaterland den ehrenvollen Tod auf dem Schlachtfelde gefunden, wurde in der gestrigen hiesigen Stadtverordnetensitzung gedacht. Beim letzten Sedanfest hatten die städtischen Behörden u. a. auch beschlossen, die in den Kirchen u. s. w. befindlichen Erinnerungstafeln an die Feldzugsgefallenen auf städtische Kosten bekränzen zu lassen. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung wurde nun gelegentlich der Rechnungslegung seitens des Referenten hervorgehoben, daß in dieser Beziehung unter den neun Gotteshäusern der Stadt die Synagoge den Ehrenplatz einnehme, da in ihrer nicht weniger als neun Erinnerungstafeln an Angehörige der jüdischen Gemeinde vorhanden seien, die in den Feldzügen von 1806 ab, also seit dem Nordhausen nicht mehr freie Reichsstadt, sondern preußisch ist, auf dem Schlachtfelde geblieben sind- Pari-. (Der Marquis de Moros.) Die Nachricht von der Ermordung des Marquis de Mores, die gestern gerüchtweise aus Tunis gekommen ist, wird nunmehr bestätigt. Eine über alle Maßen abenteuerliche Existenz hat damit in einem letzten tödtlichen Abenteuer geendigt. In der Politik ist er bald Boulangist gewesen, bald Anarchist und bald Antisemit. Der Antisemitismus des Marquis ist übrigens von merkwürdiger Art gewesen. Er brach trotz desselben seine gesellschaftlichen Beziehungen zu seinen jüdischen Bekannten nicht ab. Bei einer Hochzeit im Hause Rothschild erschien er zuerst vor der Synagoge mit seinen Anhängern, die Stinkküpelchen in die anfahrenden Equipagen warfen, dann mischte er sich selbst unter die Hochzeitsgäste, die dem Brautpaar ihre Glückwünsche darbrachten. Durch seine Frau, die eine in der vornehmen Gesellschaft hochgeachtete Dame ist, soll er sogar in verwandtschaftlichen Beziehungen zu Juden gekommen sein, und auch die Mitgift, die ihm diese zubrachte, soll nicht einen Ursprung von jener konfessionellen Reinheit haben, wie sie für einen Antisemiten wünschenswert wäre. Mit Wunderdingen müßte es übrigens zugehen, wenn nicht Drumont morgen in der „Libro Parole* schriebe, daß Rothschild den Marquis habe umbringen lassen. In die antisemitische Periode des Marquis de Moros fällt ein Duell mit dem unglücklichen Hauptmann Mayer, der durch den Säbel seines Gegners den Tod fand. Man hatte damals den Verdacht, daß der Marquis die vorbedachte Absicht gehabt habe, den Hauptmann Mayer umzubringen und daß er deshalb viel schwerere Säbel gewählt habe — „colichemandes" heißen sie in Fechtstub^n-Argot — als sonst bei Duellen Brauch ist. Er kam vors Schwurgericht und wurde freigesprochen. Nach seinem Zerwürfniß mit Drumont scheint er zu der Ansicht gekommen zu sein, daß er keinen Boden mehr in Paris habe. Die Theilnahme des Marquis de Moros an der Affaire Dreifus ist eines der dunkelsten und gewiß nicht am wenigsten interessanten Räthsel diesis an Geheimnissen reichen Falles. Der Marquis de Moros hätte sicherlich mehr davon sagen können, als mancher Andere. Paris Der Grand-Rabbin von Frankreich, Herr Z a d o k Kahn, hat auf Initiative einiger russischer Israeliten am Krönungstag des russischen Kaiserpaares am 7. Juni im Tempel äo la rue de la Victoire einen Festgottcsdienst abgehalten und bei dieser Gelegenheit an die russischen Glaubensgenossen eine echt patriotische Rede gehalten. In Vertretung des russischen Gesandten Herrn v. Mohrenheim, welcher abwesend war, hat der russische Gesandtschaftsvertreter Herr v. Giers, an den Grand-Rabbin ein sehr herzliches Dankschreiben gerichtet.

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