Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 49 (18.6.1896)
- Date
- 1896-06-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Thätigkeit Zeitlin's höchst lobenswert h sei und daß die Einstellung derselben den Interessen der russischen Industrie zuwiderlaufe. Der Czar beauftragte nun den Finanzminister, Zeitlin zu verständigen, daß ihm die Befugniß zur Errichtung und zum Betriebe von Papierfabriken werde eingeränmt werden. Zeitlin verlangte, daß diese Verfügung im „Negierungsboten" publicirt werde. In der That brachte auch das officielle Blatt bald darauf den Wortlaut dieser Verfügung in Form eines Ukases. England. London. Unter dem Vorsitz von Claude G. Monte fiore hielt die „Anglo-Jewish-Association" ihre Monatssitzung am 7. Juni ab. In derselben wurden 20 0 Mark bewilligt für die Schule in Bombay, ferner der Dank des Vereins an den Chiefrabbi für sein Interesse an demselben ausgesprochen und Mdlle. Be har beauftragt den Dank der Association den türkischen Behörden in Jerusalem auszusprechen. Endlich wurde zur Verwaltung der Antheilscheine der „Icwish-Colonisation-Asiociation" und zur Vertretung der A. I. A. im leitenden Rathe dieser Gesellschaft ein Comite bestehend aus den Herren Claitde G. Montefiore, B. Kisch, F. D. Mocalta, D. F. Schloß, H. G. Lousada gewählt. — Hier besteht die Gewohnheit an einem Tage des Jahres eine allgemeine Sammlung für die Hospitäler in den Kirchen und Synagogen zu v.'ranstalten. Dieselbe ergab im vorigen Jahre c. 800,000 M, wovon die Synagoge 30,000 M, Mr. Barnato persönlich und bei seinen Freunden 270,000 M. die Ju>en im Ganzen also mehr als ein Drittel der Totalsumme aufbrachten. Auch in diese.« Jahre erhofft man ein ähnliches Resultat. Vermischtes. Wien. (Kutscher und H a u s i r e r.) Durch die Halbgasse im Bezirke Neubau geht der 63 Jahre alte Hausirer Jacob Heller und schreit laut sein „Handeln" zu den Fenstern empor. Der eben vo: überfahrende Kutscher Franz Mauser hört dies und ruft dem Greise zu: „Jud', es wäre besser, du möchtest arbeiten!" — „Wie ich so jung war, wie du," erwiederte der Hausir.r, „habe ich auch gearbeitet." Diese einfache Antwort empörte den Kutscher, er sprang vom Wagen und versetzte dem alten Manne einen so wuchtigen Schlag, daß dieser zehn Minuten lang bewußtlos liegen blieb. Mauser hatte sich dcßhalb heute vor dem Strafricht.'r des Bezirksgerichtes Neubau, Rathssecrctär Dr. v. Feyerer, wegen der Uebertretung gegen chie körperli: e Sicherheit zu verantworten. Der Angeklagte ist nicht erschienen. Der Richter fragt den als Zeugen einvernommenen Hausirer Heller: „Verlangen Sie irgend einen Ersatz von dem Angeklagten?" — Zeuge: „O nein. Ich will nicht einmal, daß der Mann bestraft wird. Er hat vielleicht Weib und Kind daheim, und sollen die für die Verirrungen ihres Ernährers büßen d" — Der Richter verurtheilte den Angeklagten in eoutumaeiam zu einer Woche Arrests. Feuilletort. Auf des Lebens Köh'. Erzähluttg von S. B. R o s n e r. 0) (Alle Rechte Vorbehalten.) „Helene zupfte Romeo neckisch am Ohr. Der Pinscher knurrte leise, das Fräulein zog ihn lebhaft an sich, indem sie die Hand abwehrend gegen Helene ausstreckte. „Oli madame!“ rief sie in vorwurfsvollem Tone, „qnel barbarisme.“ „0 mademoiselle“, entgegnet«Helene parodierend, „ne savez vous pas: Was sich liebt, das neckt sich? Je vous assure que ce iretait pas rien d’autre que la pure amitie qui m?a fait un peu maltraiter Poreille de msr. Rome." — — Das Mahl war beendet und ein Diener brachte den Kaffee. Helene hatte ihre Tasse kaum an die Lippen geführt, als sie auf das Schellengeläute eines Schlittens aufmerksam wurde, welches vor dem Schloßportal verstummte. Noch erwog sie, höchlichst überrascht, wer wohl der Ankömmling sein möge, als derselbe auch schon ungestüm über die Treppe heraufgestürint kam. Die Thüre flog auf und ein lachendes Mädchen kam mehr hereingesprungen, als gegangen. Mit einem freudigen Ausruf und offenen Armen eilte ihr Helene entgegen. „Martha, herzliebste Freundin", stammelte sie nach der ersten stürmischen Umarmung, ..wie kommst Du daher — so plötzlich — so unvermuthet. —" „Und ungelegen, gelt?" lachte die Andere, „gleichviel, da bin ich und damit punktum. Warte, Du böse Ausreißerin," plauderte die muntere Blondine, während sie sich unter Beihülfe Helenens ihres Pelzes entledigte, „komme Du nur wieder einmal nach Pesth! Mit eau-de-eolotzne-Strahlen wirst Du aus allen Salons hinauskartätscht, und wir alle, ich, Mathilde Den, Emmy Keleman, Lenke Karolyi, mit einem Wort, die gesammte Amazonenmacht Budapests sendet Dir an einem Tage ihre Zeugen ins Haus. So haben wir's bei unserem letzten Theeabend einstimmig beschlossen. Da regte sich aber in mir das Gewissen. Eh, sprach ich zu mir selbst, es wäre doch recht abscheulich von Dir, eine alte Freundin so ahnungslos in ihr Verderben rennen zu lassen. Du mußt unverzüglich zu ihr hin und sie von dem ihr drohenden Verhängniß benachrichtigen. Da setzte ich mir's denn in den Kopf und quälte Papa und Mama so lange, bis sie sich nicht anders Helsen konnten, als mir meinen Bündel zu schnüren und mich auf die Eisenbahn zu setzen." Helene drückte das prächtig schöne Mädchen an die Brust und verschloß ihm mit einem feurigen Kuß das plaudernde Mündchen.