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Der Israelit · 1896-06-18 · Heft 49 (18.6.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 49 (18.6.1896)
Date
1896-06-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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■- 927 den Berathungen theil die Rabbiner Dr. Cohn- Kattowitz, Dr. Blumenthal-Ratibor, Dr. Goldschmidt- Königshütte, Dr. Kopfstein-Beuthen, Dr. Münz-Gleiwitz, Dr. Löwenthal-Tarnowitz, Dr. Kaatz-Zabrze und Dr. Vogelstein - Oppeln. Der Verbandsvorsitzende Sanitätsrath Dr. Freund eröffnete die Versammlung und begrüßte die Erschienenen. Sodann gab Dr. Freund einen ausführlichen Bericht über die Thätigkeit des Verbands-Ausschusses im Jahre 1895. Das oberschlesische israelitische Waisenhaus in Rybnik wurde durch den Besuch des Oberpräsidenten Fürsten Hatzseldt, des Herzogs von Ratibor, des Regierungs- Präsidenten Dr. v. Bitter und des Landraths des Kreises Rybnik geehrt. Die hohen Besucher waren von der Einrichtung der Anstalt durchweg befriedigt, und der Herr Regierungs-Präsident durfte das Waisenhaus als „einen Stolz und eine Zierde für alle israelitischen Gemeinden Oberschlesiens" bezeichnen. An Legaten erhielt die Anstalt von Frau Lina Lustig 10000 M. und in letzter Zeit von den Angehörigen des Herrn Salomon Beuthner in Paris und New- Pork 3000 M. zugewendet. Das Waisenhaus erzieht gegenwärtig 25 Kinder. Sodann gab Bankier Frünkcl- Gleiwitz den Rechenschaftsbericht, und die Versammlung ertheilte Entlastung. Der Waisenhausetat für das Jahr 1896/97 ist auf 9600 M. festgesetzt. Auf Antrag Stern-Königshütte wird an Stelle des nach Breslau verzogeneil Herrn Schal-Sohrau als fünfte» Mitglied des Waisenhaus-Kuratoriums durch Akklamation Herr Hugo Schück-Ratibor gewühlt. AmtSgerichtSrath Glogauer giebt einen eingehenden Bericht über den Religionsunterricht, den der Gemeindebund in armen kleinen Gemeinden ertheilen läßt. Hieran knüpft sich eine längere Debatte, in der die Schulverhältnisse in den Gemeinden Woischnik, Dichau unb Dost zur Verhandlung kommen. Dr. Blumenthal frägt an, ob der Gemeindebund bereit sei, die Unkosten für einen Religionsunterricht an die im Kreise Ratibor auf dem Lande vereinzelt wohnenden israelitischen Kinder zu übernehmen. Der Vorsitzende sagte volle Unterstützung zu. Dr. Cohn bittet bei der Negierung Schritte zu thun, daß die Rabbiner offizielle Befugniß erhalten, den Religionsunterricht in den lläher abzugrenzenden Rachbarbezirken zu überwachen und zu inspiziren. Dem „Centralverein deutscher Staatsbürgerjüdischen Glaubens" tritt der Verband als Mitglied mit einem Jahresbeitrag von 5o Mark bei. Schließlich beräth die Versammlung die Frage der Anstellung von Seelsorgern in prästationsfähigen kleineren Gemeinden. Der Referent, Wiener—Kattowitz, wünscht die Zusammenlegung kleinerer Gemeinden, so von Rybnik und Sohrau ». s. w. zu je einem Rabbinatsbezirke. Schück—Ratibor empfiehlt den kleineren Gemeinden, einige Male im Jahre von dem Rabbiner der größeren Nachbargemeinde bei sich predigen, die Schulen inspiziren und Prüfungen vornehmen zu lassen. Als Deligirter für die demnächst stattfindende Jahresversammlung des deutschisraelitischen Gemeindebundes geht Amtsgerichtsrath Lewy nach Berlin. Dr. Blumenthal ersucht den Delegirten, in Berlin dringende Schritte bei der Staatsregierung wegen Einführung des obligatorischen jüdischen Religionsunterrichts an den höheren Lehranstalten unter Wahrung der Gewissensfreiheit des Einzelnen zu befürworten. Der gegenwärtige Kultusminister stehe seines Wissens der Frage sympathisch gegenüber. Amtsgerichtsrath Lewy sprach dem verdienstvollen Vorsitzenden den herzlichen Dank der Versammlung aus. Als Vorort für die nächstjährige Versammlung wurde Ratibor in Aussicht genommen. An die Berathung schloß sich ein gemeinschaftliches Mittagsmahl. Frankreich. Paris. Madame Furtado - Heine hat mit großer Feierlichkeit die Insignien des Offizierranges der Ehrenlegion überreicht erhalten bei Gelegenheit der Eröffnung der von ihr errichteten großen Krippe (Kleinkinderbewahranstalt) in der Rue d'Alesia in Paris. Sie hat mit einem Kostenaufwand von 600,000 Francs alle nöthigen Gebäude errichtet und noch weitere 1,500,000 Francs für die Unterhaltung des Institutes ausgefetzt. Madame Furtado- Heine, die durch ihre großartige Wohlthätigkeit schon seit langem berühmt ist, hat die hohe Ehre wohl verdient und sie theilt die Auszeichnung nur mit der berühmten Krankenpflegerin, Madame Coralie Cahen, welche sie auf dem Schlachtfeld erhielt. R u ß l a n d. Kiew, 8. Juni. Ein hier lebender Jude, Namens Zeitl tu, der sich um die Papierindustrie große Verdienste erworben hatte, wurde vor ungefähr drei Jahren vom General-Gouverneur Grafen Jgnatjew plötzlich der Befugniß zur Errichtung und zum Betriebe von Papierfabriken für verlustig erklärt, so daß er gezwungen war, seine Papierfabriken zu sperren. Diese Maßregel, durch welche mehr als dreitausend Arbeiter brotlos wurden, rief damals auch in der orthodoren Kanfmannswelt große Unzufriedenheit hervor. Der Vorsitzende des Kiewer Börsencomites, der bekannte russische Phitantrop Tereschtschenko, richtete unlängst an den Finanzmiuister Witte ein Memorandum, in welchem er auf die Verdienste Zeitlin's um die Papiersabrikation in Südrußland hinwies, seine allseits anerkannte Rechtschaffenheit rühmte und das ihm zugefügte Unrecht gutzumachen bat. Zu Ehren Witte's sei bemerkt, daß er sich dieser Dhatsache sehr tvarm annahm. Er eilte zum Czar und trug ihm diese Angelegenheit vor, wobei er betonte, daß die

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