Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 49 (18.6.1896)
- Date
- 1896-06-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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925 durch mich, und sein Wort ist auf meiner Zunge." (Samuel 1J, Eap. 23, V. 2.) Diese hohe Stufe des Gottesgeistes wird der bescheidene Thoraweise niemals beanspruchen. Etwas anderes ist es mit derjettigen Stufe des Gottesgeistes, die wir hier als im, als die eigentliche „Ehre" der Weisen gefunden haben. Dieser göttliche Geist bekundet sich durch Einweihrrng in die Geheimnisse der Thora oder durch sonstiges Wunderwirken des heiligen Gottesgeistes. Es ist jene höhere Kraft, deren der Thorabeflissene sich bewußt wird, jene Herzensfreude und Anhänglichkeit für alles Höhere, Edle, das reine Herz uub die darin sich äußernde Umwandlung der früheren Natur. Das Herz, das früher von Leidenschaften durchwühlt war, neigt sich jetzt von selbst dem Guten, der Thora und der Weisheit zu. Aber diese Manifestirung des heiligen Geistes tritt ebenfalls in vielen Abstufungen auf, weil der Grad dieser Ehre von der Frömmigkeit und Weisheit jedes einzelnen Thorakundigen bestinunt wird. Es ist das jener göttliche Beistand, welchen die Weisen N'DBH ><njrD nennen, jene höhere Kraft, welche das Herz läutert und die verborgenen Seelenkräfte zu Tage fördert und entfaltet. Hierdurch nehmen die Diktate der Weisheit feste Formen und beherrschen die Richtung, die sonst Jrrthum und Thorheit zngewandt war, indem sie die Berstandeskräste stärken und die Lichtblicke wahrer Erkenntniß dem erleuchteten Auge öffnen. Deshalb mag jeder Weise von seinem Gotte die Gnade solchen Beistandes erbitten, denn wenl diese „Ehre" zu Theil wird, der darf zuversichtlich überzeugt sein, daß er nicht mehr schwankend wird. Das ist der Sinn des Davidischen Gebetes: ’jnpn naa ’jnjn -jnxya „Mit deinem Rat he leite mich und nachdem diese Ehre inir geworden, magst du mich hinwegnehmen." (Ps. 73, B. 24). Wir haben bereits früher darauf hingewiesen, wie die Pflichten der Thora nichts als die Rathschläge für ein gottgefälliges, glückliches Leben sind. David bittet somit um den göttlichen Beistand, der ihm hilft, der Richtung dieser Rathschläge treu zu bleiben, in der allein die wahre Ehre des Menschen zu erlangen ist, deren Erlangung das Hochziel des ganzen menschlichen Daseins ist. Dieses Verlangen ist gewiß nicht nur statthaft, sondern sogar in hohem Grade lobenswerth, weshalb es hier nicht heißt: na:> nenn ‘tn „Begehre keine Ehre," wie die Mahnung gewiß lauten würde, wenn es sich um Ehre im gewöhnlichett Sinne des Wortes handelte. Hier ist aber nur ein Streben nach Ehre Trafo nnv untersagt, die über das entsprechende Maß der angeeigneten Thorakunde hinausgeht. Es ist damit gesagt: Wenn du siehst, daß gleichstrebende Genossen dieser Ehre in höherem Grade theilhaftig sind als du es selber bist, so lasse nicht das Begehren aufkonunen ihnen gleichstehen zu wollen. Obwohl dein Streben ein löbliches ist, da dich nur das Verlanget! leitet, wie sie den 'Weg alles Guten zu wandelu, so sage dir doch, daß hierfür das mehr oder tveniger große Thorastudium entscheidend ist. Auch hier sind verschiedene Grade vorhanden, deren Abstufung Gottes prüfender Blick allein richtig zu würdigen weiß, 'vielleicht ist dein Genosse nicht reicher au Thorakenntniß als du, aber vielleicht übertrifft er dich an Reinheit der Gesinnung und an Frömmigkeit. Vielleicht hat er mehr Mühe auf Erlangung feiner Kenntnisse verwendet, und der größeren Mühe entspricht der größere Lohn. Statt Ehre, wäre von einem solchen größere Thorakunde anzustreben, danlit das Streben nach jener Ehre nicht größer ist, als sein Lernen. Für diese Ehre kann er unbesorgt sein; wenn erst die höhere geistige Stufe ihn dafür qualifizirt erscheinen läß, so kommt sie von selbst. naan «poe Die Lesart rtyy nnv, welche einige Ausgaben haben, scheint aus inneren und äußeren Gründen nicht die richtige zu sein. Daß die That bedeutungsvoller, als das bloße Lernen sei, ist bereits wiederholt in den Sprüchen der Väter betont worden. Für eine Wiederholung dieser Wahrheit liegt keine Veranlassung vor, am wenigsten in diesem Perek, der nicht die Pslichtthat, sondern die Aneignung der Thora feiert. Es braucht uach alledem nicht erst gesagt zu werden, daß die dritte Mahnung unseres Spruches O'o-v ]n m? r.wnn bw einem nnna pery nicht erst nahe zu legen braucht, nach den köstlichen Speisen fürstlicher Tafeln nicht lüstern zu sein. Eine 'Warnung vor dieser Verirrung wird auch wobt kamn mit d’d^j hm \nh>m ausgcdrückt worden sein, da Leckerbissen und gastronomische Genüsse nicht gerade eine Spezialität königlicher Tafeln bilden. Es scheint hiermit gesagt zu sein: Wenn, wie wir sehen, der Thorabestissene sich auch bei Brod und Salz glücklich fühlt und für ihn selbst die herbsten Bitternisse des Lebens ihren Stachel verlieren, so erscheint es doch erklärlich und berechtigt, wenn der vollendet Evle sich ein Leben wünscht, in dem ihm der Kampf mit individuellem, sozialem und politischem Weh erspart bleibt. Es braucht dieser Wunsch nicht aus Lebensgemüthlichkeit zu entstehen, sondern er kann seinen Grund ganz wohl in dem Verlangen haben, die Energie, die dieser Kampf erfordert, lieber für die eigene, sittliche Vollendung zu verwerthen. Aus diesem Grunde wünscht er sich frei von Sorgen zur Fristung des bloßen Daseins, und sehnt sich nach einer Tafel, die ohne sein Zuthun gedeckt ist, wie dies bei Königen der Fall zu sein pflegt. Unsere