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Der Israelit · 1896-06-15 · Heft 48 (15.6.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 48 (15.6.1896)
Date
1896-06-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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917 Juden und ihr Einfluß sehr gespalten und fehlt jede einigende Organisation, es gibt nicht weniger als 146 Gemeinden, die häufig genug sich untereinander Konkurrenz machen. 30 dieser Gemeinden besitzen eigne Synagogengebäude, von denen manche überaus elegant errichtet und ausgestattet sind, denn in vielen der Cougregationen, wie sie hier heißen, sind die Mitglieder nicht nur reich, sondern auch opferwillig in einem Maaße wie man es in Europa für derartige Zwecke auch bei Juden nicht findet. Palästina. Jerusalem. Ex-Pater Hyacinthe hat deu Fortschritt der Juden im heiligen Lande, besonders ihre Schulen in Jaffa und Jerusalem mit den stärksten Lobeserhebungen anerkannt und den anderen Confessionen als Muster hingestellt. — Die christliche Mission macht wieder erneute Anstreugungen jüdische Seelen einzufangen, zu den andrem schon bestehenden Anstalten noch eine neue hinzugekommen, die „Jerusalemer Misffon für Juden", in der ein getaufter Jude, Namens Feingold seine früheren Glaubensbrüder zu bekehren sucht. Hatten die anderen Anstalten Hebräisch in ihren Schulen und koscher Fleisch re. in ihren Spitälern, so geht er noch weiter, er hat sich ein Cheder eingerichtet und predigt Jargon. Außerdem aber gibt er armen Juden viel und lohnende Arbeit. Ersneulicher Weise erzielen aber bisher alle diese Künste — trotz der Armuth und Notth in der jerusalemer jüdischen Bevölkerung keinerlei Erfolg. Jerusalem. (Iü d i s ch e C o l o u i en i nP alast i n a.) Baron Edmund de Rothschild, der Gründer der jüdischen Eolonien in Palästina, hat seinen Verdiensten um das Judenthum ein netles hinzugefügt, indem er die schon bestehenden Eolonien um eine vermehrt hat. Die neue Colonie, arabisch Mutelle, ist in Galiläa gelegen, an der Straße, welche von Safcd nach Banias und von da nach Damaseils führt und ist von Safed 6, von der Colonie Jesod Hamaalah 4 Stunden entfernt und befindet sich in dem alten Gebiete des Stammes Dan, von welchem es ül dem Buche der Richter heißt, daß es alles besitze, was die Erde hervorbringt. Das ganze Dorf sammt Häusern und Scheunen uub ungefähr dreitausend Morgen Land ist reich an Quellen, besitzt eine Wassermühle; ganz in der Nähe ist der Ursprung des Jordan. Baron Rothschild hat das Dorf von den Drusen erstanden; es sollen dahin fünfzig Bauern aus den anderen Eolonien verpflanzt tverdeti, und zwar nur solche, welche eine mindestens fünfjährige Erfahrung besitzen und sich durch ihre Ailfführung das Vertrauen der Leitung erworben haben. Die neue Colonie erhält eine andere Verwaltung als diejenige, die bisher in den Rothschild'schen Eolonien üblich war. Während in den alten Eolonien ein Verwalter und mehrere Beantte die Angelegenheiten der Ansiedler zu leiten hatten, ruht in der neuen Colonie die Verwaltung ausschließlich in den Händen der Ansiedler selbst. Jeder einzelne erhält ein Stück Land sammt Vieh und Ackerbauwcrkzeng und Vorräthe für ein Jahr. Jur rrächsten Jahre nruß er mit der Abzahlung in Raten beginnen, so daß die Schuld in 10 Jahren getilgt wird. Die Mühle mit ungefähr 250 Morgen Landes bleibt Gemeinde-Eigenthum; davon werden die Gemeindeausgaben bestritten. Jeder unverheirathete Colonist geht die Verpflichtung ein, im Falle seiner Verheirathung sich nur eine Frau unter den Töchtern der palästinenschen Eolonien zu suchen. Diese neue Unternehmung, wie auch die guten Berichte aus dem Gebiete vorr Hauran sind uns ein Trost in der Sorge wegen des Auftretens der Sphinx Elpenor in den Weingärten der bei Jaffa gelegenen Eolonien; dieses Jnsect richtet hier großen Schaden au. Die Schuten in bcu Eolonien und in Jaffa wurden geschlossen; Schüler und Schülerinnen werden in großen Massen in die Weinberge geführt, um die Engerlinge und Eier des verheerenden Jnsectes zu vernichten. Glücklicherweise erwartet man eine reiche Weinlese, so daß der Schaden nicht so fühlbar sein wird, und man hofft, Mittel zu finden, um das Wiederauftreten des Jnseetes zu verhindern. Egypten. Tantah. In den Tausenden bisher in Egypten aufgefundenen Hieroglyphen-Jnschriften kommt merkwürdigerweise der Raine „Israel" gar nicht vor. Wenn von den Israeliten die Rede ist, dann bezeichnet man sie immer mit dem Namen „Apries" (Hebräer, Dnay). Da aber die alten Egypter diesen Namen allen Völkern Syriens beilegten, so ist es sehr schwer zu unterscheiden, wann Israeliten, wann von Syrern die Rede ist. Erst jetzt wurde in Unteregypten eine Hieroglyphen-Jnschrift entdeckt, in der der Name „Israel" vorkommt. Dieselbe lautet nämlich : „Nua ist das Volk, der Mzirael vernichtet, denn sie haben keine Kinder mehr." Diese Inschrift scheint aus der Zeit jenes Pharaonen zu stammen, welcher befahl, die neugeborenen jüdischen Kinder ins Wasser zu werfen. Der Erlaß dieses Pharaonen hat uns nicht viel geschadet, und mit Gottes Hilfe werden wir auch die judenfeindlichen Bestrebungen der modernen Pharaonen, der Stöcker, Ahlwardt, Drumond, Jstoczy, Schönerer, Lueger, Schneider überdauern und überleben. M a r o c c o. (v) Tanger, 15. Mai. Die schönen Hoffnungen, die man vor zwei Jahren an die Thronbesteigung unseres neuen Herrschers, des Sultans

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