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Der Israelit · 1896-06-15 · Heft 48 (15.6.1896) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 48 (15.6.1896)
Date
1896-06-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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-MW 918 Abdul Aziz geknüpft, haben sich leider nicht erfüllt; denn noch immer sind Tyrannei und Beamten-Willkür an der Tagesordnung und die Paschas oder, wie man sie hierzulande nennt, die Kaids, martern und quälen das Volk noch ganz so, wie früher. Daß die Inden unter solchen traurigen Umständen am meisten zu leiden haben, ist selbstverständlich. So wurden alle Bittgesuche, welche die Gemeinde von Marakesch in der letzten Zeit eingebracht hat, um ihr Mellah (Judenviertel) ein wenig erweitern und auch hygienisch ein bischen besser ausstatten zu können, immer mit dem Bescheide abgewiesen, solche Neuerungen könnten den Haß der Moslims gegen die Juden von Neuem ansachen. Vier jüdische Kaufleute, die vor etlichen Wochen aus dem Atlasgebirge nach Tarudaut zogen, wurden unterwegs von dem Stamme Beni Zebil geplündert und beinahe ganz entkleidet. Auf ihre Klage wurde ihnen bedeutet, die Negierung werde sogleich Untersuchung einleiten. Von einer solchen war jedoch bisher nichts wahrzunehmen, und die Armen warten noch vergebens aus eine Schadloshaltung. > Vermischtes. < Köln, 14. Juni. Die mm mmn rnnn liat den Herrn Rabbiner N e h e ni i a s Anton Nobel, Sohn des Herrn Rabbiners Joseph Nobel in Halberstadt, der seine Ausbildung in dem unter Leitung de» Herrn Rabbiners Dr. Hildesheimer in Berlin stehenden Rabbiner Le minar genossen hat, zu ihrem Gelehrten gewählt. Prag. Nach hnem fast zehnjährigen Direetions-Prvvisorium an der Prag-Altstädtcr deutschen Knaben-Volks- und Bürgerschule, mit welchem man die in der Schulgesetznovelle aufgenommene Bestimmung, daß als verantwortlicher Schulleiter (Director) von Volts- und Bürgerschulen mir solche Lehrkräfte bestellt werden können, die auch die Befähigung zum Religiousuuterricht ihres Glaubensbetenntnisseo Nachweisen, welchem die Mehrzahl ihrer Lchülcr der betressendcn Schule nach dem Durchschnitte der vorausgegangenen fünf Schuljahre angehören, zu umgehen ivußte, hat mau sich endlich vor drei Monaten aufgerasft, behufs Besetzung der Stelle eines Directors mit einer Lehrkraft israelitischer Konfession einen ^Eoncurs anszuschreiben. In der am Lu. v. abgehaltencn Sitzung des Prager Stadtrathcs wurde nun zum Director der Altstädtcr deutschen Knaben-Volks- und Bürgerschule der vom k. k. Bezirksschulrathe primo loco in Vorschlag gebrachte bisherige Lehrer an der Bürgerschule in Gablonz, Herr Moriz Mauthuer ernannt. Mit dieser Ernennung tritt der erste Fall in Böhmen ein, daß eine städtische Volks- und Bürgerschule unter Leitung einer Lehrkraft israelitischer Coiifcssion gestellt ist und wir sind überzeugt, daß mit ihr die Anstalt an ihrem bisherigen Ansehen gewiß nichts einbüßcn werde. Herr Mauthner besitzt alle jene Eigenschaften, welche zu dem so wichtigen Amte an einer der bedeutendsten und fregueutierteftcu Lehranstalt erforderlich sind. Ein durch und durch rationell r Lehrer verbindet Herr Mauthner mit gediegener Kenntnis burealen Fächer eine weitgehende allgemeine Bildung, als Pädagog mit richtiger Beurth ilung der Schüler einen liebevollen Umgang mit denselben, seine«: Eollegen gegenüber ein joviales und leutseliges Wesen und den Vorgesetzten Behörden gegenüber die von jeder Unterwürfigkeit freie Ehrerbietung. , Prager Gemeindeztg.) Moskau. Die drei Rabbiner von Petersburg, Warschau und Moskau haben nunmehr der Krönung beigewohnt und sind mit der Geistlichkeit zusammen vom Zarenpaare in Audienz empfangen und durch Ordcnsdekorationen ausgezeichnet worden. Jeder von ihnen e>hielt 60«> Rubel Reisevergütnng. Auch Herr Baron Günzburg war zur Krönung cingeladen als Vorsitzender des Hospitals des Prinzen Peter von Dldenbnrg. Das Krönungsmanisest vom 14. (26.»Mai verordnet unter Anderein, die von den jüdischen Ackerbauern im Jekalerinoslaw'schen Gouvernement der Staakseasse Zur die Zeit bis l. Januar 18*7 treffenden Grnndsteuerrnckstände seien als getilgt betrachtet. Bayswater« Der Director der hiesigen jüdischen Schule, Mr. S. I. Heilbronn, erhielt vom Thierschutzverein die Nachricht, daß einer seiner Schüler, Sidncy Leon, den ersten Preis für seinen Aussatz „Die Pflicht des Menschen gegen die Thiere" erhalten habe. Alljährlich «verden solche Preise ausgeschrieben, um die sämmtliche Elementarschulen sich bewerben können. Im vergangenen^Jahre bewarben sich 00,000 Lchülcr von etivas über 100«> Schulen darum und sechs Bewerber erhielten Preise, linker diesen befand sich auch im vorigen Jahre Sidncy Lev». Reizte Nachrichten. Berlin, 10. Juni. Die Nachricht der „Freis. Ztg.", der Justizmiltifter habe kürzlich einem jüdischen Assessor gegenüber sich dahin ausgesprochen, daß er von dein Grundsatz ausgehe, nur so viele jüdische Richter anzustellen, als das Verhältnis; der Zahl der christlichen Bevölkerung zur jüdischen Bevölkerung ergebe, beruht, wie die „Berk. Korr." mittheilt, auf Elfindung. Der Justizminister hat weder eine solche, noch eine ähnliche Aeußerung gethan. Berlin, 14. Juni. Aus dem Deutsch-Israelitischen Ge m e i n b c b u n b.)_ Der „Siebente Gemeindetag" ist, wie berichtet, ans Sonntag den 2L Juni festgesetzt. Auf der Tages-Ordnnng stehen außer den gcivöhnlichen geschäftlichen Nummern noch die folgenden: 9kr. <i. Antrag des Ausschusses betreffend Bildung von Provinzialbez. Bezirksverbändcn; 9h'. 7. Antrag des Ausschusses betreffend den Religionsunterricht, hauptsächlich in Preußen: 9kr. 12. Antrag des Bezirksrabbiners Dr. Landau in Weilbnrg betreffend Regelung der vom D -J.-G.-B. gewährten Subventionen: 9h. 18. Besprechung der wegen Erziehung verivahrloster Kinder zu treffenden Maßregeln; 9h'. 10. Neuwahl des Ausschusses. A n t r a g des A u s s ch u s s e s. (9h'. 8 der Tagesordnung.» Umstellen des 12, Alinea 2, Satz 2 der Statuten: „;-Utr Beschlußfähigkeit (des Ausschusses) ist die Anwesenheit von mindestens so vielen Mitgliedern erforderlich, als die Hälfte der in 'Berlin wohnenden Ansschusuvitglieder beträgt", soll gesetzt «verden: „Zur Beschlußfähigkeit ist die Amvesenheit von fünf Ausschußmitglieder erforderlich". A ntrag des Herrn 9k abbin er Dr. 9k oscuber g, Thor n. (9kr. 0 der Tagesordnung.) Der 7. Gemeindetng erklärt die (Gleichberechtigung des Judenthums in allen die Religion betreffenden öffentlichen Angelegenheiten als eine dringende Forderung und beauftragt den Ausschuß des D.-J.-G.-B., dieser Frage näher zu treten und zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen und in «velcher

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