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Der Israelit · 1896-06-15 · Heft 48 (15.6.1896) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 48 (15.6.1896)
Date
1896-06-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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914 forderung Helenes, um sie zu bewegen, endlich den Fuß, wenn auch furchtsam, in den Schlitten §n setzen. Dann ließ sie sich ans der äußersten Kante des Sitzes nieder und drückte ihre kleine Person nach Thunlichkeit zusammen, um so wenig Raum als möglich einzunehmen. Helene nöthigte Mutter Panna, trotz deren bescheidenem Sträuben, sich mit einem Theil ihres Pelzes zu bedecken und der Schlitten eilte wieder dem Dorfe zu. Die Leute in den Gassen blieben stehen und machten große Augen, als sie die alte Bäuerin neben der Gräfin sitzen sahen. Mutter Panna schämte sich ordentlich vor all' den täglichen Bekannten, deren staunenden Blicken sie ausgesetzt war; innerlich aber fühlte sie doch, wie dies unter ähnlichen Umständen bei Kindern der Fall zu sein pflegt, eine schmeichelnde Genugthilung. — Wieder wollte es der Zufall, daß der dunkelbärtige Reiter dem Schlitten entgegengeritten kam, welchem er diesmal mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden schien. Mit gekniffenen Augen schallte er scharf ans das wundersame Paar im Schlitten, während sich in seinem Gesichte ein Zug schneidenden Spottes ausprägte.— Ein Glück für Helenen, daß der Schlitten mit großer Schnelligkeit an dem Reiter vorübersauste, derselbe konnte so die brennende Röthe nicht sehen, welches über ihre Wangen flog. Mit leuchtendem Blick und rosigen Wangen betrat Helene wieder ihr Gemach. Sie schien in der letzten Stunde eine andere geworden zu sein. Wie durch einen Zauber war aus ihrer Erscheinung Düsterkeit und Weltgrani verschwllnden. Ihr Entschluß stand fest. Systematisch wollte sie das Feld bebauen, auf welches sie eben die ersten Körner ausgestreut hatte, wollte sich planmäßig der Aufgabe widmen, die Roth und Trübsal des Lebens aus ihrer Umgebung zu verbannen. Die Aussicht auf diesen neuen, edlen Inhalt, den ihr Leben nunmehr gewonnen hatte, erhellte wie Sonuenscheill ihr Genlüth. Die Uhr des Schloßthürnlchens schlug die zweite Nachmittagsstunde. Das war die Zeit, um welche Helene gemeinschaftlich mit dem Fräulein zu Mittag zu speisen pflegte. Hortense saß bereits auf ihrem Platze an der Tafel, als Helene das Speisezimmer betrat. Das Fräulein war eben damit beschäftigt, Romeo seine Serviette vorzubinden; dabei trällerte sie, Romeo innig in die Augen lächelnd, nach einer zufällig aufgefangenen Melodie die schwärmerischen Verse, mit welchen Victor Hugo „Das Kind", sein Enkelchen, besang: Lovsque 1’enfant pavait, le cercle de famille Applaudit ä qraml cris; sou doux regard qui brille Fait, briller tous le* yeux, etc. (Sobald das Kind erscheint, wird es mit lautem Glück Begrüßt von der Familie; sein leuchtend süßer Blick Macht alle Augen leuchten; re.) „Wenn Victor Hugo gewußt hätte", lächelte Helene „welch zwei zarten Gernüthern seine Verse zum Austausch ihrer intimsten Gefühle dienen werde, er hätte sich vielleicht darüber getröstet, daß er den Ruhm des neunzehnten Jahrhunderts mit dem Prüssien Göthe theilen mußte. Sehen Sie doch, wie vergnüglich sich der Schelm das Ohr kraut, er scheint sich der Ehre bewußt zu sein, die Sie ihm zu Theil werden ließen." (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 19. Juni, 6. ThamuS. Sabbat-Anfang in Mainz 8 Uhr — Min. Samstag, 20. Juni, 9. Thamus, "i 'j npn. Sabbat-Ausgang in Mainz 9 Uhr 40 Min. Sonntag, 2t. Juni, 10. Thamus, d"d rvjyn Montag, 22. Juni, 11. Thamus, im DV. Der „Israelit" erscheint wöchentlich rweimal, Montag» und Donnerstag», jede-mal in Mindesten» »wei Bogen. Preis de» Jahrgang» für Deutschland und Oesterreich 18 Reichs-Mark, für'» Ausland 16 Reichs-Mark. Mau abonuirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen a«. — Durch de« DuchtzunÄet jß benetze» bet «. $. Steinadler, Leipzig, Dohpla- 1». — Inserate 85 Pfennig die viergespaltene Petitzcile oder deren Rau«. — Oesterreichtsche Banknoten laut Lour». — virecte Franeozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutti^and »ud Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für'» Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco etnznsende». »Ktt* Vt&*fen¥ttis* vom arr die «edaetio* oiwgesarrdten Marrascripterr findet nicht statt, «a» bittet de»tzalb stch von allen Ginfendnngen eine «opte rurürkzubehalten. Inhalt (Hauptblatt) r Leitender Artikel: Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten u. Korrespondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. Neutra M.-Keresztes. Marocco: Casablanca. — Sprechsaal. — Feuilleton: Auf des Lebens Hoh'. Erzählung von S. B. Rosner. (Fortsetzung.) Inhalt der Beilager Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Dessau. Freiburg. Rumänien: Bukarest. Amerika: New-Aork. Palästina: Jerusalem. Egypten: Tantah. Marocco: Tanger. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage

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