Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 48 (15.6.1896)
- Date
- 1896-06-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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B^MWWWWWWWMWWWWW 8WWWW 912 des gesetzestreuen Judenthums zu dienen, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Der rühmlichst bekannte Schulnrann und Publizist, Herr Jakob Gabel, Director der jüdisch-orthodoxen Bürgerschule in Großwardein, hat in der vaterländischen jüdisch-orthodoxen Presse seit einer Reihe von Jahren die Idee der Ereirung und Gründung einer ungar. jüdisch-orthodoxen Präparandie angeregt und dieselbe mit allen seiner glänzenden Feder zu Gebote stehenden Mitteln wiederholt verfochten, ohne aber daß dieselbe eine längere Zeit hindurch auch nur mit einem Schritte näher gebracht worden wäre, und schon war man geneigt die Mühe dieses edlen Mannes als eine vergebliche, seine Stimme als eine Stimme in der Wüste zu betrachten, und siehe da! Auch dieses Mal bewährte sich die alte Wahrheit, daß wo um die heiligen Interessen des gesetzestreuen Judenthums ehrlich und redlich gekämpft wird, der endliche Sieg nicht ausbleibt. Die Repräsentanz der Großwardeiner orthodoxen Gemeinde hat dieser Tage einstimmig die Errichtung und Gründung einer orth.-jüdischen Lehrerbildungs- Anstalt beschlossen, und die bisherigen Leistungen und Erfolge dieser wahrhaften Mustergemeinde in Schaffung und Creirung von Institutionen und Anstalten zur Consolidirung und Erhaltung der Orthodoxie im ungarischen Vaterlande bürgt genügend dafür, daß auch ihr neuestes Werk, das sich in den Dienst der Thora und Emunah stellt, nicht lange auf sich warten lassen wird, und zwar um so weniger, als zweifelsohne sämmtliche orth. Gemeinden im Lande mit Begeisterung die Gelegenheit benützen werden, zur Abhilfe eines von ihnen allezeit verspürten Mangels, nach Kräften und Möglichkeit beizutragen. Der Mustergemeinde Großwardein aber, mit ihrem hochverdienstvollen Präses, Herrn Isidor Ullmann ’"j an der Spitze, rufen wir aan nbx zu. S. K. M a r o c c o. Casablanca. Auch in unserem Städtchen, das in Marocco unter seinem einheimischen Namen Darel Beida weit bekannt ist, lebt eine nicht unbedeutende jüdische Gemeinde, die man wohl auf 2000 Seelen schätzen kann. Wie in allen Küstenstädten des Landes, haben sie sich auch hier ungleich schneller der Entwickelung zur Kultur zugängig gezeigt, als im Jnlande, und sie haben Dank ihrer auf besserer Bildung gestützten Intelligenz sich eine bedeutende Stellung im dortigen Handel und Verkehr geschaffen. Trotzdem aber müssen sie, wie in den anderen Plätzen dieses barbarischen Landes, in einem schmutzstarrenden Ghetto, hier bekanntlich Mellah genannt, wohnen, das sie Abends und Nachts nicht verlassen dürfen und sind den größten Beschimpfungen seitens auch der niedrigsten Beduinen ausgesetzt. Doch sind sie Dank der 13 in Casablanca wohnenden Consuln immer noch besser daran, als in anderen Theilen des scherifischen Reiches. Sprechfaul. (Für alle unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaction dem Leserkreise gegenüber keine andere als die prehgesetzliche Verantwortung.) London, 8. Juni. Geehrter Herr Redacteur! Nr. 14 (Beilage) Ihres geschätzten Blattes enthält eine Mittheilung über die von den Elders der portugiesigen Gemeinde verhängte Schließung des Montefiore-Colleges in Ramsgate. Diese Thatsache, sowie die andere, daß mit jenem Beschlüsse sämmtliche Lehrkräfte der genannten Anstalt ihrer Anstellungen verlustig gehen, ist leider richtig. Unrichtig sind indessen sowohl die von Ihrem Korrespondenten angegebenen Gründe, als auch Ihre Anmerkung, daß das College „keine Existenzberechtigung" habe. Was den ersten Punkt anlangt, so läßt sich attenmäßig Nachweisen wie felgt: 1. Das College tritt nur zeitweise zusammen, um eine sogenannte Reorganisation (?) durchzuführen. 2. Der betr. Dozent, der als Denunziant seiner eigenen Schüler auftrat, hat dieselben 5 Jahre lang im Talmud und rabbinischen Fächern unterrichtet, hat später an der Rabbinatsprüfung theilgenommen und die Reife der Candidaten durch Ramensunterschrist bezeugt. 3. Die von dem erwähnten Dozenten nach Verleihung der Rabbinatsdiplome vorgebrachten Anklagen wurden vom Curatorium — das einen Ausschuß der Elders bildet — auf's eingehendste untersucht und «ür völlig unbegründet erklärt. 4. Unter nichtigen Vorwänden wurde eine zweite Untersuchungscommission eingesetzt, welche zwar kein neues Beweismaterial beibrachte, aber dennoch ganz entgegengesetzte Resultate vorlegte. In ihrer Verlegenheit stimmte die Majorität der Elders einem Anträge auf vorläufige Schließung der Anstalt zu. Das Bestreben des College war in den letzten sechs Jahren dahin gegangen, orthodoxe Rabbiner im Sinne ähnlicher Anstalten auf dem Kontinente heranzubilden. In diesem Bestreben folgte es wörtlich den Wünschen des edlen Stifters Sir Moses Montefiore, wie folgende Auszüge aus einer Rede beweisen, welche der sel. Dr. L. Loewe, erster Director der Anstalt, am 30. August 1685, (4 Wochen nach dem Tode Sir Moses) hielt. Das Folgende ist aus dem Englischen übersetzt: „Um die Mittel zu finden — sagte <sir Moses — jungen Leuten nach Beendigung ihrer profanen Studien das Studium höherer theologischen Fächer zu ermöglichen, habe ich das College in Ramsgate errichtet, woselbst zehn hervorragende Rabbiner wohnen, und ehrenvoll erhalten werden sollen. Cs soll ihre Aufgabe sein, „die höchsten Zweige der jüdischen Theologie und Literatur zu lehren." „Ich hoffe," bemerkte er ferner, „daß sich in Großbritannien und den Kolonien wenigstens drei oder vier Freunde unserer heiligen Religion finden werden, welche für fünf oder sechs Studenten, die drei oder vier Jahre hier studiren sollen, Stipendien einrichten werden. Wir werden dann auch in England, wie auf dem Kontinent nicht nur Prediger und Vorbeter, sondern auch kompetente Theologen für jede Gemeinde haben." Ergebenst — s—