Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 48 (15.6.1896)
- Date
- 1896-06-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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911 Krankenhaus für russischffüdische Kranke in Memel werden auf Antrag des Herrn Justizrath Tiktin, der die Opferfceudigkeit des Herrn Dr. Rülf rühmt, 100 M. jährlich auf 3 Jahre bewilligt. In geheimer Sitzung wird das Etat für den Bau der neuen Synagoge in der Lützowstraße auf sechsmalhunderttausend Mark festgesetzt, ebenso die Anstellung von 2 ständigen Hilfsarbeitern für die Gemeindehauptkaffe genehmigt. O esterr.-Ungar. Monarchie. Budapest, 12. Juni. (Auszeichnung aus Anlaß des Millenniums.) Zum großen Erfolge der Millenniums-Festlichkeiten, welche durch die überaus gelungene Milleniums - Landes - Ausstellung ihre höchste Weihe erhallen, haben die Bekenner des Judenthums, als treue Söhne des heißgeliebten ungarischen Vaterlandes, redlich beigetragen. Die Anerkennung hiefür seitens der allerhöchsten Stelle blieb denn auch nicht aus und wurde jetzt die erste Serie der Auszeichnung amtlich kundgegeben. Wir freuen uns, unter den ausgezeichneten Herren 12 unserer Glaubensbrüder und 4 unserer einstigen Stammesgenoffen anzutreffen. Mit Genugthuung erfüllt es uns, daß auch der geist- und gemüthsvolle Oberrabbiner von Abauj Szüntt» und gegenwärtiger Präsident der israelitischen Landcskanzlei Leopold Lipschütz, dekorirt wurde. Wir lassen nun die Liste der ausgezeichneten Männer folgen, welche noch immer Juden sind. Das Amtsblattt veröffentlicht heute folgende allerhöchste Entschließung: Aus Anlaß der Feier des tausendjährigen Bestandes Ungarns verleihe Ich, auf Vorschlag des ungarischen Ministers um Meine Person, in Anerkennung ihrer auf dem Gebiete der öffentlichen Angelegenheiten erworbenen Verdienste: Dem Fabrikarbeiter Samuel Goldberger de Buda, und dem Fabrikanten Leo Weiß den Orden der Eisernen Krone III. Klasse, taxfrei; dem Großhändler Sigmund Kohner das Komthurkreuz des Franz Joseph - Ordens; dem Oberrabbiner Moses Bloch, dem Direktor der Budapester Straßeneisenbahn- Gesellschaft Heinrich Jellinek v. Haraßt, dem Oberrabbiner Leopold Lipsics, dem Secretär der ungarischen Kaufmannshalle Dr. Jacob Schreyer und dem Kaufmann Samuel Tiller, das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens; dem Mitglieds des Landes- Sanitätsrathes Dr. Adels Tatay den Titel eines königlichen Rathes, taxfrei; dem Generaldirektor der elektrischen Eisenbahn Moritz Balazs, mit dem Prädikate „Veröczei", dem Generalsecretär der „Adria"- Versicherungsgesellschaft Adolf Frigyesi mit dem Prädikate „Racz-Almasi", und dem Direktor des hauptstädtischen statistischen Bureaus Joseph Körösi, sowie deren gesetzlichen Nachkommen den ungarischen Adel, taxfrei. Budapest, am 6. Juni 1896. Jranz Joseph m. p. Baron Samuel I <> sika m. p. D. H. 8. (F.) Neutra, 28. Mai. Zum Andenken an die Feier des tausendjährigen Bestandes des ungarischen Reiches werden jetzt im ganzen Lande von den Patrioten sogenannte Milleniumsbäume gepflanzt. Das Bäumchen wird gewöhnlich vor einem Gotteshause, Schulgebäude re. gepflanzt. Auch die jüd. Gemeinde im nahen Marktflecken Brezowa, welcher Ort fast ausschließlich von Slowaken, den erbittertsten Feinden der Ungarn, bewohnt wird, pflanzte ein solches Bäumchen vor ihrer Schule. Daraufhin rottete sich die stovakische Straßenjugend zusammen, und begann auf die Ungarn und die Juden zu schimpfen. Nicht genug an ihrem Gejohle, rissen sie dann auch das gepflanzte Bäumchen wieder aus. Die Juden ließen sich indeß die Mühe nicht verdrießen, und pflanzten an: nächsten Tage ein anderes Bäumchen. Aber auch dieses wurde in der darauffolgenden Nacht von der stovakische» Jugend ausgeriffen und verbrannt. So werden hierzulande die Juden von den Slovaken daran gehindert, ihren Patriotismus zu manifestiren. M.-Kereszies, im Juni. (Die Gründung einer j ü d i s ch - o r t h. L e h r e r b i l d u n g s - A n - statt in Ungarn). Während die orthodoxe Minorität der kaum eine halbe Million zahlenden Gesammt-Judenhcit Deutschlands 2—3 Lehrerbildungs- Anstalten besitzt, verfügt die hierländische orthodoxe Judenheit, die die überwiegende Mehrheit der mehr als 70« >,ooo Juden des Landes bildet, über keine einzige solche Anstalt.' Fernstehende könnten wohl Grund und Ursache dieser Thatsache im Mangel an genügenden Svmpatbien für die jüdisch-confcssionelle Schule in ungarischen orthodoxen Kreisen suchen, welches aber durchaus nicht der Fall ist; denn vielleicht in feinem zweiten Lande der Welt erfreut sich die confessionelle Schule solcher Svmpathien und solcher Verbreitung, wie eben in den orthodoxen Gemeinden Ungarns und nach vielen Hunderten zählen gegenwärtig die in ung. orth. jüdischen Volksschulen angeftellten, staatlich diplomirtcn Lehrer. Auf die nahe liegenden Frage, woher aber diese Gemeinden die Lehrer nehmen, muß leider die beschämende Antwort erfolgen: Zum Theile aus der Budapester jüdisch n e o l v g e n P r ä p a r a n d i e, zum anderen Theil aus den verschiedenen staallichen-confessionelleit Lehrerbildungs-Anstalten des Landes; daß aber solche Lehrer nicht geeignet und berufen sein können — mit wenigen Ausnahmen — den heiligen Interessen