Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 48 (15.6.1896)
- Date
- 1896-06-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Alle Verkennung und Verfehmung, alle materielle Noth, all' die bittern Wehrmuthstropfen, die eine ganze Welt in seinen Lebenskelch gemischt hat, sie alle haben diesem schwergeprüften Menschenstamm die Heiterkeit und die unverliebare Freude am Dasein nicht zu verkümmern vermocht, die ihm der Vater der Menschheit mit hinausgab für die Wanderung in sein Exil. Es hat sein Land und seinen Staat, seinen Tempel und seinen Altar, König und Priester, hat alles verloren, das Völker zu ihrer Erhaltung sonst hegen und pflegen, es hat nichts gerettet als seine Thora, und diese Thora hat ihre Retter gerettet und hält sie hoch, so lange sie ihre Thora Hochhalten. .."nin bv rom K’n *p Das ist die Kraft der Thora. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 10. Juni. Ueber die jüdischen Ansiedlungen in Palästina, die in neuerer Zeit hauptsächlich durch großmüthige Aufwendung einzelner reicher Glaubensgenossen und wohlthätiger Gesellschaften in's Leben getreten sind, läßt sich der englische Konsul in Jerusalem in seinem jüngsten Bericht vernehmen. Wie aus seinen Mittheilungen hervorgeht, sind diese Kolonien, die allerdings nicht ganz aus eigenen Füßen stehen, stetig im Zunehmen, im Ganzen gut geleitet und ernähren zahlreiche jüdische Einwandererfamilien, die ohne solche Anlehnung gänzlicher Hilflosigkeit anheimfallen und verkommen würden. Selbstthätiger Ausdehnung und Entwickelung der Ansiedelungen hat bisher die augenscheinliche Abneigung der Einwanderer gegen den Ackerbau als Lebensberus hindernd im Wege gestanden. Der Konsul giebt indessen der Hoffnung Ausdruck, daß die Zeit und vernünftige Anleitung dieses.Hinderniß größtentheils beseitigen werden. Die Arbeiten werden ans den Ansiedelungen mit allen Verbesserungen der europäischen Landwirthschaft betrieben, sodaß sie in jeder Hinsicht als Musterwirthschaften betrachtet werden können, von denen man sich auch anregenden und befruchtenden Einfluß auf die benachbarte Landbevölkerung versprechen dürfte, wenn nicht gerade in Ackerbausachen der Orient dem westlichen Fortschritt den allerhartnäckigsten passiven Widerstand entgegensetzte. Rischon-te-Zion, die bedeutendste fremde Judenkolonie in Palästina, beschäftigt sich fast ausschließlich mit Weinball und Weinbereitung. Große Kellereien sind in jüngster Zeit dort gebaut worden und die besten französischen Reben werden angepflanzt und ganz nach französischer Weise gepflegt. Der Wein wird bereits als ein ganz anständiges Erzeugniß bezeichnet, das sich ohne Zweifel noch bedeutend bessern werde, sobald bei den neuen Anlagen die sorgfältige Bereitung und Kellerwirthschaft in richtigen Gang gebracht werde. Im Zusammenhang mit den sonstigen Anlagen sind auch eine Küferei mit Dampfbetrieb für Herstellung der Fässer, sowie Werkstätten für Anfertigung der für die Bewässerung nöthigen Gegenstände, sodann eine Eisfabrik und eine Flaschenfabrik in Thätigkeit getreten. In andern Ansiedlungen, wie Ekron und Peßach-Tikwah, verlegt man sich hauptsächlich auf Obstzucht und Getreidebail und weite Landstrecken, die früher Moräste oder unangebaut waren, sind dort urbar und ertragsfähig geworden. Bei Jaffa ist eine Ackerbauschule unter dem Ramen Mikweh Israel ins Leben getreten, die zahlreichen jungen Leuten der jüdischen Kolonien kostenfrei Unterhalt, Schulunterricht in den Elementarfächern und eine gewisse theoretische und praktische Ausbildung für die Landwirthschaft ertheilt. Weiter nördlich an den Abdachungen des Berges Karmel in hoher, gesunder Lage findet sich die große Ansiedlung Zammarin, die in neuerer Zeit an Zahl nnb Wohlstand sich bedeutend entwickelt hat und vielen Juden, die ursprünglich sich bei Safed und am See Tiberias niedergelassen hatten, die Mittel erträglichem Daseins verschafft. Es giebt auch sollst iloch eine Anzahl jüdischer Kolonien im Lande, aber die hier aufgezählten sind die namhaftesten und ansehnlichsten. Berlin. Der Assessoren-Paragraph beschäftigt noch inlmer die Zeitungen aller Parteien sehr angelegentlich. Alls der Rede des Senatspräsidenten Drenkmann muß nach dem stenographischen Protokoll noch der folgende wichtige Satz nachgetragen werden: „Ich für meine Person muß auch sagen, daß auch nicht irgend eitle Konfession grundsätzlich ausgeschlossen werden darf." Gleichwohl sind die Blätter des Centrums sehr entschieden gegen das Gesetz und die „Kölnische BolkSzeitnng" schreibt ausdrücklich: „Wir widerstreben derartiger Ansnahnlegesetzgebllllg überhaupt, dellil il n' y a que le premier pas qm coüte. Erst werden die Juden auf die Schlachtbank geführt, und nachher wird matt finden, daß die Guillotine des 8 allch sehr gut für katholische Hälse paßt." E. R. Berlin, 10. Juni. Ueber die Repräsentantensitzung vom 7. d. M. habe ich zu berichten: Herr Louis Sachs empfahl 2 Synagogenstände im Preise von 800 M. zum Rückkauf und beantragte 300 M. zur Verbesserung der Akustik im Saale. Herr Joseph Frankel gab die Erklärung ab, daß die Gemeinde die Pflege der Militärgräber aus dem jüdlschen Friedhof selbst übernehmen werde und das Anerbieten der Garnisonverwaltung dankend ablehne. Hierfür wurden 120 M. bewilligt. Für das