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Der Israelit · 1896-06-11 · Heft 47 (11.6.1896) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 47 (11.6.1896)
Date
1896-06-11
Page
– (sequence 19)
Language
German
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901 keit ist, auf irdene Gesäße, sie müßte sich auch auf metallene beziehen. Daß der Genuß des Opfer fleisches nicht über eine gewisse Zeit ausgedehnt werden darf, hat nichts mit der Hygiene zu thun, denn sonst hätte diese Bestimmung umsomehr eine allgemeine sein müssen, da doch mehr gewöhnliches HanshaltnngSfleisch als Opferfleisch gegessen wird; auch wäre nicht er' sichtlich, warum manche Opfer gleicher Thiergattung längere, manche nur kürzere Zeit genosien werden dürfen. Ebenso hat die Reinigung der Beutegefäße nichts mit der Entfernung schädigender Keirne zu thun. Ferner ist von einem Verbot, Leichen von Thieren, die nicht gesetzrnäßig geschlachtet sind, zu berühren, keine Rede. Man darf sie wohl berühren und verarbeiten, nur hat der Betreffende ein Reinigungsbad zu nehmen. Es fördert die Sache nicht, wenn man zu viel beweisen will, und darum haben nur mit diesen Ausstellungen nicht zurückhalten können. Allein dem Richtfachmanne, und der Verfasser will ja auch ein solcher in Biblicis sein, können leicht solche Jrrthümer unterCaufcu, die dem Werthe des Ganzen keinen Abbruch thun. — Von dem richtigen Gedanken, daß der zwingendste Beweis für die göttliche Offenbarung „üt dem beseligenden Inhalt des jüdischen Gesetzbuches, der tiefen Weisheit jener Vorschriften liege," für tvelche die Forschung der Gegenwart so gewaltiges Zeugniß bekunde, geht der im Druck erschienene Vortrag von Mar B e e rm an n, „Das Judenthum und seine Bedeutung" (Berlin 1896) aus. Was die Gegenwart angeblich Neues fordert und findet in Bezug aus Gesundheitspflege, auf die Hebung sozialer Nebel, auf die Fürsorge sür die Enterbten, alles dies ist in unserer Lehre niedergelegt, für das Judenthum sind alle diese Hinweise nicht neu. Darum rnuß es gerade unsere Sorge sein, das zu verwirklichen, was die Thora verlangt, und nicht nur das allein, dessen ethischer und menschenliebender Inhalt jedem klar vor Augen liegt, sondern das fälschlich so genannte Ceremonialgesetz muß in seinem ganzen Umfang zur Geltung kommen; denn diese Vorschriften sind eben nicht Ceremonien, es sind nicht äußerliche eonventionelle Formen, es sind Handlungen vom tiefen Inhalt, die das Denken anregen und erzieherisch wirken. Um dies aber zu erkenneu, muß mau sich mit dem Inhalte unseres Gesetzbuches, mit der schriftlichen und mündlichen Thora, bekannt machen; mit anderen 'Worten nran muß „lernen", lernen in der Bedutunng des Wortes, wie es unsere Altvorderen verstanden. In dieser Aufforderung tönt der inhaltvolle und gedankenreiche Vortrag aus. — „Urbild und Ebenbild" betitelt sich ein von Rabb. Dr. I. Goldschmidt verfaßtes „Lehrbuch sür den Unterricht in der israelitischen Religion" (Offenbach a. M. 1896 Selbstverlag). Den Materialismus, der den Menschen entgöttlicht, kann man nur, so meint der Vers, in der Vorrede, dadurch bekämpfen, daß man die Religionslehrc aus den Satz: „Der Mensch ist int Ebenbilde Gottes erschaffen" ausbauc. Dieser Satz muß in der Behandlung „klar und deutlich als die Wurzel der ganzen Religionslehre hervortreten. Wenn die Selbsterkenntniß als Ebenbild Gottes unschütterlich begründet wird: wer wollte dann Gott leugnen ohne — sich selbst zu leugnen?" In diesem Sinne ist das vorliegende Religionsbuch abgefaßt, und den ganzen Pflichtenkreis der Juden umspannend, steht der Gedanke von der Ebenbildlichkett Gottes tu der Mitte, so daß der Mensch sich so richtig begreifend, dieses Ebenbild in sich selbst immer mehr und mehr zu vervollkommenen strebe und die Lehre eine tnurntll hoodom, eine Lehre des Menschen werde. Dieser Gedanke ist nicht neu, aber das System, wie es diesem Gedanken entsprechend, in der Aufeinanderfolge der Religionslehre hier ausgesührt ist, ist neu und gut durchgeführt. Was den Inhalt betrifft, so haben wir nur zu bemerken, daß der Ausdruck „religiöse Tradition" (s. 7) nicht ausreicht, sondern, daß von der „mündlichen Lehre" und deren Verbindlichkeit ausdrücklich gesprochen hätte werden müssen; dann müssen wir die Bezeichnung der 10 Gebote, als „wichtigste Offenbarung" beanstanden; dies kann zu Mißverständnissen führen. Vom persönlichen Messias hätte im Tert gesprochen werden können, in der Fußbemerkung kann es leicht übersehen werden. Das Werkchen zeigt pädagogisches Geschick. Zeitungsnachrichten unv Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 6. Juni. Der Antisemitenhäuptling W. Kretzer in Charlottenburg hat mit seinem „Wegweiser durch Berlins christlich-deutsche Geschäfte" so schlechte Geschäfte gemacht, daß er jetzt in einem längeren Schreiben, das anscheinend an eine große Anzahl von Personen versandt worden ist, sich als „persönlich ruinirt" bezeichnet und die „Herzensbitte" ausspricht, ihm eine einmalige Zuwendung von 50 bis 100 Mark, „ohne weiterem Wohlwollen Schranken zu setzen", zukommen zu lasten. Damit erwerbe sich der Opferwillige „Gotteslohn". Der Bettelbrief schließt mit den Worten: .Und nun gehe hin, meine Epistel, rühre oas Herz des reichen Mannes, auf daß er dem bedürftigen deutschen Bruder helfe! Das walte Gott!!" Einen widerlichen Eindruck macht es. daß die Leute, die aus dem Hetzen ein Geschäft machen, dabei beständig den Namen Gottes im Munde führen. Wreschen, 7. Juni. In feierlicher Weise fand am 4. d. MtS. die Amtseinführung des Rabbiners Herrn Dr. Lewin statt. Die Vertreter der israe-

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